Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 41 (23.5.1889)
- Date
- 1889-05-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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727 Institution der Stadt Wien 'zu erhalten und zahlreiche Betheiligung im Interesse der landwirthschaftlichen Produktion und Industrie zu erzielen. Wie«. In der Enquete über das Trunkenheitsgesetz bemerkt die Experte Professor Grub er: Er mache besonders ans einen Punkt aufmerksam. Die jüdische Race zeichnet sich vor den übrigen europäischen Völkern durch die unerschöpfliche Lebenskraft, durch die rastlose Energie aus, durch die sie nns gefährlich wird. Nun wissen wir aber, daß die Juden die nüchternsten Menschen sind. Es wäre eine Hauptaufgabe der Antisemiten, um die Juden zu bekämpfen, daß sie den Mißbrauch des Alkohols in der christlichen Bevölkerung eindämmen. (Heiterkeit und Beifall.) Als bestes Mittel zur Eindämmung des Alkoholismus bezeichnet Redner die Förderung der Volksbildung in der Volksschule. Bulgarien. Sofia. Der hiesige Stadtrath hat Ende März einen Wohlthätigkeitsakt, einzig in seiner Art, vollzogen. Er votirte der isr. Gemeinde einen Beitrag von 500 Frcs. zur Anschaffung von Mazzos für die Armen der Gemeinde. Diese Gabe ist von besonderem Werthe in Bezug auf den moralischen Einfluß, welchen diese Handlungsweise auf die christl. Bevölkerung auszuüben geeignet ist. Unser Fürst hat jüngst die Allianceschule in Philippopel besucht und ein Geschenk von 500 Frcs. für die Armen gegeben. Holland. Amsterdam. Anläßlich des Jahrestages der 40jährigen Regierung unseres Königs und seiner Wiedergenesung aus gefährlicher Krankheit wurde in der Synagoge ein feierlicher Dankgottesdienst abgehalten, dem auch christliche Notabilitäten mitanwohnten. Frankreich. Paris. Auf Anordnung des isr. Centralconsistoriums wurde am 11. Mai in allen Synagogen Frankreichs ein solenner Gottesdienst abgehalten zur Erinnerung an die Revolution von 1789, welche den französischen Juden die Emancipation brachte. Die Ausstellung zeigt wieder, was jüdischer Fleiß und jüdische Intelligenz für Kunst und Industrie bedeuten. Fast alle Hauptunternehmer, die Vorsitzenden der in- und ausländischen Abtheilungen, das Gros der Ingenieure sind Juden. Unter den italienischen Delegirten sind drei Juden, unter den ungarischen zwei und unter den schwedischen vier. Angesichfs der judenfeindlichen Strömung unserer Zeit muß dieses Mitwirken der Juden für Cultur, Handel und Jndunstrie besonders hervorgehoben werden. Unter den Mitgliedern der isr. Gemeinde herrscht große Aufregung. Bisher war es Gepflogenheit, daß die Träger der Leichen der Confession der Verstorbenen angehörten. Die Verwaltung der Pompe« funöbres Ijat nunmehr angeordnet, daß bei den Leichenträger, ob sie Christen oder Juden find, bei den Leichen aller Confesfionen zu fungiren haben, so daß isr. Leichenträger dem Gottesdienste in der Kirche und christliche Leichenträger dem Gottesdienste in der Synagoge beizuwohnen gezwungen find, was einem Gewissenszwang gleichkommt. Außerdem wünschen bei Trauerfällen die Angehörige der Verstorbenen die Dienste von Mitgliedern ihrer eigenen Confession. Die Aufregung unter den Israeliten ist um so größer, als ein Mitglied des isr. Confistoriums bei den Berathungen der Verwaltung der Pompes knnöbres zugegen war und versäumt hat, im Namen der Gewissensfreiheit gegen diese Maßregel aufzutreten. Ob wohl das isr. Confistorium nachträglich Schritte gegen diese Anordnung thun wird? Freilich ist es fraglich, ob noch eine Aenderung herbeizuführen ist; aber wenigstens hätte dann das Consiftorium seine Pflicht gethan. Auf Anregung des Herrn Rabbiners Raphael Levy, der sich insbesondere mit den Werken der jüdischen Wohlthätigkeit beschäftigt, hat das Wohlthätigkeitcomitö den Beschluß gefaßt, für die Erziehung von Findlingen isr. Herkunft, welche bisher in den Findlingshäusern sehr oft als Christen erzogen wurden, aufzukommen. Paris. In der Synagoge der Pariser portugiesischen Judengemeinde wird dem „Temps" zufolge demnächst eine Gedenktafel mit dem Namen der Volksvertreter angebracht werden, welche in der ersten französischen Nationalversammlung die Gleichstellung der Juden vertraten. Zu ihnen gehörten u. A. der Abbe Gregoire, de Seze (der Vertheidiger Ludwigs XVI.), Mirabeau und Duport. England. London. In der letzten Sitzung der Verwaltung der Great-Synagoge wurde mit knapper Majorität beschlossen, an den Chanukahtagen mit Ausnahme desrnw ein Harmonium spielen zu lassen, obgleich Chief-Rabbi Dr. N. Adler sich entschieden dagegen ausgesprochen hatte. Man fürchtet allgemein, daß diese Maßregel Anlaß zu großen Streitigkeiten geben wird.