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Der Israelit · 1889-05-23 · Heft 41 (23.5.1889) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 41 (23.5.1889)
Date
1889-05-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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719 sprechende Worte geehrt. Wir sagen.- und sich; denn diese Allgemeinheit der Trauer ist nicht nur eine Anerkennung der unvergeßlichen Verdienste des seltenen Mannes sondern auch gleichzeitig ehrendes Zeugniß dafür, daß unsere Mitwelt weiß, was sie einer solchen Größe schuldet. Begreiflicher Weise konnte der „Israelit" und „Jeschurun" von den meisten Reden nur ganz flüchtige Notiz nehmen — oft nicht einmal das — so groß war die Menge der über diese dhsdh eingelaufenen Berichte. Wenn wir dennoch heute über die in der Ueberschrift genannte Rede eine kurze Mittheilung wagen, so geschieht es in Würdigung des besonderen Interesses, welches der geehrte Leserkreis des „Israelit" und „Jeschurun" gerade dieser Rede entgegenbringen dürfte. Herr Dr. Breuer ist ein Schwiegersohn des Verstorbenen und hatte bei dem Begräbnisse seines großen Schwiegervaters fehlen müssen, weil er die Todesnachricht zu spät erhalten und die große Entfernung ein rechtzeitiges Eintreffen verhindert hatte. Das Publikum hat daher ein gewisses Recht aus diese Rede. Auch ist es die erste deutsche Trauerrede, die uns aus dem Auslande vorliegt. Der Ruf des Redners als talmudische Größe ist auch bis nach Deutschland gedrungen, und aus einigen Berichten, die der „Israelit" zuweilen brachte, wußten wir auch, daß Herr Dr. B. in seinem Vaterlande als bedeutender Redner gefeiert wird. Wir müssen nun gestehen, dieser Ruf scheint ein vollkommen berechtigter zu sein. Da findet sich in der ganzen Rede nicht eine leere Phrase; jedes Wort hat Geist und Gehalt. Herr Dr. B. scheint sich ganz in den Geist und die Anschauungsweise seines Schwiegervaters eingelebt zu haben, und, wir möchten sagen, er habe auch in großem Maße dessen Beredtsamkeit geerbt. Mit Recht nennt daher Herr Dr. B. den Verstorbenen seinen Lehrer und Führer. Herr Dr. Breuer beginnt mit einer kurzen, schmerzbewegten Andeutung seines verwandtschaftlichen Verhältnisses und beweint den verlorenen Vater. Jedoch, fährt Redner fort, „eine Sünde wäre es, angesichts dieses allgemeinen Schmerzes bei dem persönlichen des Längeren inne zu halten", denn ganz btnw trauere um den großen lobten. Zu dem Verse imap'i to i^> nco’i no vvyai nona bemerken unsere Weisen 'b hsd» hdid vtodp f-na wya. Redner führt aus, wie am Orte eines Verstorbenen die Trauer stets am größten sei, wie schmerzlich es sei, Scholle auf Scholle in ein Grab werfen zu müssen, das so theure Ueberreste berge. Bei einem Manne wie jedoch, sei die Trauer überall dieselbe gewesen, man habe ihn überall zu Grabe getragen. So sei auch Rabbiner Hirsch $>*S7 nicht nur in Frankfurt, sondern überall, wo jüdische Herzen schlagen, begraben worden. Redner entwirft dann in kurzen Worten eine knappe aber treffliche Schilderung des Lebenslaufs des großen Mannes. Man fühlt den Schmerz des Redners mit, und merkt, wie tief er in das Wesen des Mannes eingedrungen, dessen Lebensbild er uns entrollt. Rabbiner Hirsch ^"xt, sagt der Redner, sei ein wahrer 'n *iay gewesen; habe, wie ein treuer aay nichts, gar nichts für sich erstrebt, habe mit den seltenen Gaben seines Geistes, mit all' den Fähigkeiten, die er, wie kaum ein andrer Sterblicher seiner Zeit, in sich vereinigt, niemals versucht, in außerjüdischen Kreisen zu glänzen, oder seiner eigenen Persönlichkeit irgend einen Nimbus zu verschaffen. Alles, was er an Geist und Fähigkeiten besessen, habe er voll und ganz in den Dienst der rvnn und ihrer Erfüllung gestellt — er sei stets ein jüdischer Gelehrter geblieben. Herr Dr. B. schildert dann die große Wirksamkeit des Verstorbenen zu Gunsten seiner bedrängten Brüder auf der ganzen Erde, wie er für alle stets ein warmes Herz gehabt habe, und oft ihm allein die Abwendung so mancher drohender Verhängnisse zu danken gewesen sei. Es würde uns zu weit führen, wollten wir alle die geistreichen Erklärungen der Talmud- und Midraschstellen wiedergeben, die Herr Dr. B. in seiner Rede eingeflochten. Die Rede ist eine durchwegs sein durchdachte und formvollendete, und nur das eine sei uns noch gestaltet hinzuzufügen: das Reinerträgniß der Rede fällt der PLpäer Jeschiwah — einer echten Pflanzstätte der min — zu. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 17. Mai. Die Bewegung, welche sich innerhalb der hiesigen jüdischen Gemeinde anläßlich der bevorstehenden Repräsentantenwahlen unter der Devise „Neue Synagogen- und Religionsschulen!" kundgibt, hat sich nunmehr auf alle hiesigen Stadttheile erstreckt. Dienstag Abend fand eine Versammlung von Mitgliedern aus dem Norden, Donnerstag eine Zusammenkunft solcher aus dem Westen statt. Der unmittelbare Zweck dieser Versammlungen ist die Begründung von Wahl vereinen mit einem Vorstande von je 215 Mitgliedern. Diese Vereine sollen dann im Herbst durch weitverzweigte Agitationen den Männern zum Siege verhelfen, welche für den Neubau von Synagogen

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