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Der Israelit · 1889-05-23 · Heft 41 (23.5.1889) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 41 (23.5.1889)
Date
1889-05-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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i^'ihirrffteiriiiiirIiiffiiiii -TivI^rfrigid 718 gehenden Versen die unendliche Liebe und Gnade Gottes, die Er stets Seinem Volke erwiesen hat: „Des Ewigen Gnade will ich erwähnen, den Ruhm des Ewigen verkünden, wie huldreich Er sich uns gezeigt, welche Güte er dem Hause Israel erwiesen, nach Seiner Barmherzigkeit, nach der Fülle Seiner Gnade. Und Er sprach: Fürwahr, mein Volk sind sie, Kinder, die nicht treulos handeln werden, und Er ward ihnen zum Helfer. Um all' ihre Noth war auch Er tief bekümmert, und Er sandte von Seinem Antlitze den Engel, ihnen zu helfen; in Seiner Liebe und Seiner Gnade hat Er sie erlöst, und Er hat sie emporgehoben und hat sie getragen alle Tage der Vorzeit. Sie aber waren widerspenstig und betrübten Seinen heiligen Geist; da wandelte er sich ihnen zum Feinde, Erstritt wider sie. Aber Er gedachte der Tage der Vorzeit, da Moscheh bei seinem Volke war; wo ist er, der aus dem Meere sie geführt, wie der Hirt seine Heerde, wo ist er, der im Innern Seines Volkes seinen heiligen Geist ausgebreitet hat?" — Ja, wo ist er, unser großer Lehrer Moscheh, daß er uns wiederum herausführt aus des wilden Meeres Fluthen, die uns zu verschlingen drohen? — Unser Lehrer Moscheh ist nicht gestorben; er lebt in unserer Mitte durch den heiligen Geist, den er in uns ausgebreitet hat, er lebt in jedem Worte der Gotteslehre, die er uns überbracht hat, er ersteht neu in jedem fähigen, würdigen Schüler, der die Gotteslehre zu erforschen das Streben hat. Solange in diesem Sinne unser Lehrer Moscheh bei uns ist, können wir nicht untergehen. Und sollten Tausende und aber Tausende abfallen, die Gemeinde der treuen Gläubigen in Israel, die sich den Geist Moscheh's bewahrt, sichert den Bestand unseres Volkes; denn die Thora, die uns Moscheh überliefert hat, sie stammt von Gott. — Nunmehr werden wir den Psalmvers, welchen ben Soma als Beweis anführt, recht verstehen: nrrff “pnny o, »rfcsiwi hd^d „Durch Alle, die mich belehrt haben, habe ich Vernunft erlangt, denn Deine Zeugnisse sind es, die zu mir sprechen." Wenn ich ein Wort der Gotteslehre vernehme, ein Wort der Wahrheit, so ist es mir nicht, wie wenn dieser oder jener, mehr oder minder bedeutende Mann zu mir spricht, sondern es sind Deine Zeugnisse, die zu mir reden; es ist das Wort der Wahrheit mir so werth, wie wenn ich es unmittelbar aus Deinem Munde vernehmen möchte, Du einziger Gott.' Um so zu denken und zu handeln, dazu gehört die große Demuth, welche David sein ganzes Leben hindurch bewährt hat, wie unsere Weisen es schildern (Megillah 11): Gerade so bescheiden und demüthig wie David als Hirtenknabe war, so blieb er, als die Krone sein Haupt zierte. Nur zwei Dinge hatte er von Achitophel gelernt, und er nannte ihn seinen Lehrer und seinen Rathgeber. Nur wer in derselben Weise demüthig und bescheiden ist, wird ein wahrhafter Weiser werden. Warum, fragen unsere Weisen im Midrasch (Schochar Tob, Paraschah 1), vergleicht der Prophet die Thora dem Wasser, wie es heißt: Wohlan, ihr Durstigen, gehet hin zum Wasser!? Wie das Wasser die Höhe verläßt und der Tiefe zufließt, so wird die Thora nur erworben von dem, welcher sich nicht erhaben dünkt über seine Mitmenschen; wie selbst der Vornehmste keinen Anstand nimmt, sich von dem Geringen einen Trunk Wasser zu erbitten, so soll auch der Gelehrteste keinen Anstand nehmen, sich von dem Kleinen und Geringen belehren zu lassen. — Im Traktat Baba Mezia 75 lehrt Rabbi Jirmiah: Es heißt in der heiligen Schrift (Jjob C. 3, V. 19): Klein und Groß befindet sich dort (auf dem Todtenacker), und der Knecht ist frei von seinem Herrn. Was bedeutet dieser Vers? Will er uns etwa lehren, daß im Tode die Vornehmen und Geringen gleich sind und der Sklave im Grabe von dem Joche des Gebieters befreit ist? Das weiß doch Jeder, und die heilige Schrift brauchte es nicht zu sagen. Aber der Sinn des Verses ist ein anderer: wer hienieden demüthig und bescheiden ist, um die Thora zu erlernen, der wird groß sein in der zukünftigen Welt; wer hienieden darin einem Sklaven gleicht, daß er das schwerwiegende Joch der Thora trägt, der wird ein Freiherr sein in der zukünftigen Welt. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Mericht. Rede zum Gedächtniß Seiner Ehrwürden Herrn Samson RaphaelHirsch bwr Rabbiner der israel. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M., gehalten am 20. Schewat 5649 in der Synagoge zu Püpa von Oberrabbiner Dr. Salomon Breuer. Besprochen von N. N in T. Der Trauerreden über das Hinscheiden des unvergeßlichen großen Mannes b"w, den mit der Religionsgesellschaft in Frankfurt ganz Israel verloren, sind so viele gewesen, daß man mit Recht behaupten kann, es sei auf dem ganzen Erdenrunde kaum eine Vereinigung gesetzestreuer Juden, die nicht das Andenken des Verstorbenen und sich durch einige ent-

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