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Der Israelit · 1889-05-20 · Heft 40 (20.5.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 40 (20.5.1889)
Date
1889-05-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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711 same Grabstätten ihrer Ahnen und Lieben verbunden waren, — wodurch in vielen Fällen die Basis der Gemeinden vollständig erschüttert und zerbröckelt werden." Dies hat Rabbiner Kutna vor drei Jahren geschaut, und nun begreifen wir das Wort unserer Weisen n'ujd Di>n: Gelegentlich der Anwesenheit einiger orth. Rabbiner in Budapest machten die Herrn Moritz Wahrman und Martin Schweiger ihre Aufwartung bei einem derselben und ersuchten ihn: seinen Einfluß bei den Orthodoxen geltend zu machen und dahin zu wirken, daß der einheitlichen Organisation der jüdischen Konfession keine Hindernisse in den Weg gelegt werden. Die Kongreßpartei hat nichts dagegen, daß die Rabbiner, Schächter und Lehrer nach orth. Schnitt geleitet werden, Nip pi irty IBP, nur einen Namen sollen wir haben. Denn der Name „Orthodoxe", welcher eine Theilung im Judenthume bedeutet, ist sdas einzige Gespenst der Kongreßpartei. Ein anderes Hinderniß fürchten diese Herren nicht. Wenn aber die Herren Moritz Wahrman und Martin Schweiger bei einem jedenfalls hochangesehenen orthodoxen Rabbiner diesbezügl i ch ihre Aufwartung machen, muß doch noch nicht alles verloren sein, nur darf nicht das äolos far niente als Parole ausgegeben werden. Denn wie leicht ist es möglich, daß diese Herren, die als per80na6 gratae und privilegiatae bei der Regierung bekannt sind, nur mit den Söhnen '^>p's sagten: „npina »nnp^> dni, }nn nny o", Ihr könnt es jetzt freiwillig geben, wenn nicht, so werden wir mit Gewalt nehmen." Noch am 27. März l. Jahres sagte die israel. Landeskanzlei in ihrem Rundschreiben: „Auch im Laufe des Jahres 1889 wurden mehr als 400 Angelegenheiten vom Kultusministerium nur uns zur Begutachtung gesendet." Die Einleitung des Ministerialerlasses vom 6. März d. I. ist eine wörtliche Copirung des ersten Punktes eines noch am 24. Januar 1888 erfloffenen Rundschreibens der isr. Landeskanzlei. Man soll ja nicht jdie Tragweite der in Schwung gekommenen israelitischen Landeskanzlei unterschätzen. Oder glauben etwa die Führer der orthodoxen Partei diese Bewegungen durch bloßes Jgnoriren tobt zu machen, oder daß man die allgemach Heranwachsende Hydra dereinst mit einem Weh ge schrei zu Boden schmettern wird? Die ehrw. orth. Raabinen, die vor einigen Monaten in Pesth versammelt waren, haben eine große Verantwortung auf sich genommen. Sie haben beschlossen, daß allmonatlich ein anderer von ihnen die Thätigkeit der Durchführungskommission in Budapest inspiziren soll. Herr Oberrabbiner Schreiber wurde betraut, nach seiner Einsicht wieder eine Versammlung einberufen zu lassen. Mit gewohnter Selbsttäuschung sind diese Beschlüsse auf dem Papiere geblieben. Von einer Jnspection ist nicht die Rede und statt der Einberufung einer Versammlung versendet Herr Oberrabbiner Schreiber >'2 ein Circular, in welchem die Rabbiner aufgefordert werden, den hd*», der übrigens ispna dasteht, nochmals tmnD zu sein. Sind dies aber die geeigneten Wege zur Erreichung des angestrebten Zieles? Wir, die wir noch in der Zeit des Ueberganges leben, in Hoffnungen einherwandeln, würden noch Interesse nehmen an den Kämpfen, um das verlorene Terrain wieder zu erobern. Aber die Führer des Heranwachsenden Geschlechtes könnten rbhn anders urtheileu und eine traurige Neutralität beobachten, die der Erhaltung des wahren Judenthums schwerlich förderlich sein wird. Daher ist es wohl an der Zeit, thatkräftig einzugretfen. Ein Ungarischer Rabbiner. Großwardein. Die hiesige aut. orth. isr. Gemeinde gedenkt im Centrum der Stadt einen prachtvollen Tempel erbauen zu lassen. Die Opferwilligkeit ihrer Mitglieder ist eine lobenSwerthe, da die aufgelegten Beitrittserklärungen bereits zum Zwecke des Tempelbaues die namhafte Summe von 32,000 fl. ergeben. — Auch in Jaszb er eny soll ein schönes isr. Gotteshaus demnächst erbaut werden, was die kleine Gemeinde besonders ehrt. Frankreich. Paris. Aus Anlaß der hundertjährigen Revolutionsfeier hat der Oberrabbiner von Paris an die Pariser Judenschaft einen Hirtenbrief gerichtet, der nicht nur in engeren Kreisen, sondern in ganz Frankreich das lebhafteste Aufsehen erregt hat. „Hundert Jahre sind es her", heißt es daselbst, „daß wir so glücklich sind, französische Staatsbürger sein zu dürfen und daß wir als solche die damit verbundenen Rechte und Pflichten üben dürfen. Wir betrachteten es vom ersten Tage an als die höchste Ehre, unser Vaterland zu lieben und demselben zu dienen. Wir haben uns mit seinen Interessen identifizirt und mit unserer Arbeit zu seinem Aufblühen beigetragen; wir haben lebhaften Antheil genommen an den Freuden seiner Siege und an den Schmerzen seiner Verluste. Niemals hat uns etwas gleichgiltig gelassen, was die Sicherheit, die Ehre und die Zukunft unseres Vaterlands berührte. Und in dem Augen-

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