Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1889)
- Date
- 1889-05-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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706 jahres, verbunden mit der Einweihung des neuen stabilen Vereinslokales. Der von den Mitgliedern mit Blumen, Transparenten dekorirte hellerleuchtete Saal bot einen feenhaften Anblick. Außer von den festlich gekleideten Mitgliedern war der Saal von einem diftinguirten Publikum gefüllt. Den Vorsitz führte der ehrwürdige Nabbino Maggiore Com. ElieHazzan, zur Rechten in Vertretung des Ehrenpräsidenten, des Barons Elie I. L. de Menaß e, dessen Secretär, der allgemein geachtete Herr M o i f e Abrof, zur Linken der Vereins-Protector Cavaliere Abramino Tilche. Der Präsident des Vereines, Herr Jacques Margosches, in seiner Rede auf die Wichtigkeit des ins Leben gerufenen Vereines hinweisend, legte dar, daß der israelitischen Jugend jetzt ein Weg zur Erlernung diverser Handwerke geboten wird. (Gegenwärtig sind 20 Jünglinge der Talmud- Thora - Schule unter den Mitgliedern placirt), dankte den Gönnern für die bisherige Unterstützung und schloß mit einem Hoch auf den Rabbiner, auf den Ehrenpräsidenten Baron de Menaße und auf den Protector Cav. A. Tilche. Hierauf ergriff der sehr beliebte Herr Oberrabbiner Hazzan das Wort, betonte die Wichtigkeit des Handwerkerstandes, dankte der Vereinsleitung für die unentgeltliche Aufnahme der Schüler der Talmud-Thora. In seiner schwungvollen Rede zum Satze .p Iivi ‘ptfcw o 703 w übergehend, empfahl der gelehrte Rabbiner die Heiligung des Sabbats, was auf viele Mitglieder einen nachhaltigen Eindruck machte. Der Vereinspräsident Herr Jacques Margosches gelobte sodann, mit dem guten Beispiel voranzugehen, sein Atelier am Sabbat und an den Feiertagen gesperrt zu halten. Dem Präsidenten folgten noch andere Mitglieder. Stürmische Hochrufe folgten; sodann versprach der ehrwürdige Herr Rabbiner, erfreut von der Wirkung seiner Rede, dafür Sorge zu tragen, das jeden Samstag Nachmittags im Vereinslokale religiöse und belehrende Vorträge gehalten werden. Noch verschiedene Herren hielten Ansprachen in hebräischer, deutscher und italienischer Sprache, worauf die Zöglinge der Baron Menaße'schen Stiftungs-Schule die Khedivial-Hymne in hebräischer Sprache absangen, und so war die solenne Feier beendet. Es folgte dann ein Banket für die Mitglieder, an welchem auch die Lehrlinge der Talmud-Thora- Schule theilnahmen, indem dieselben auf ihre Lehrmeister toasttrten. Möge Gott die Unternehmungen dieses Ver» eines segnen zum Heile und zur Ehre der Israeliten Egyptens! Fe« iüe t 0 n. Schuld und Süßne. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „Antworten Sie mir, Leah", drängte der Major, „wollen Sie mein Weib werden, wenn ich Ihren Vater befreie?" Sie schwieg noch immer, aber in ihrer Brust arbeitete es mächtig; unheimlich rasch hob und senkte sich ihr Busen, sie schien unfähig, auch nur ein Wort hervorzubringen. Aber der Major, sonst so rücksichtsvoll und stets besorgt für ihre Gesundheit, vergaß in seiner maßlos sich steigernden Leidenschaftlichkeit jede Rücksicht, die er ihrem leidenden Zustande schuldig war. Er warf sich vor ihr in die Knie und beschwor sie in wilden, leidenschaftlichen Worten, ihn nicht zurückzuweisen. „Leah! — Leah! — Sie haben keine Ahnung, wie ich Sie liebe! — Ich kann nicht ohne Sie leben! — Sie müssen mir Ihre Hand Zusagen, sonst kann ich Ihren Vater nicht befreien! —" Die Sprache versagte ihr noch immer, aber Thränen entstürzten ihren Augen. „Warum weinen Sie? — Weinen Sie nicht", fuhr er flehend fort, indem er nach Mäßigung rang, „jede Ihrer Thränen fällt wie ein glühender Tropfen auf mein Herz. — Sehen Sie, Leah, ich stehe allein, ganz allein — ohne Familie — ohne Freunde — nur ein einziger Freund ist mir geblieben — und er lebt fern von mir. — Und ich liebe Sie — liebe Sie treu — aufrichtig — mit aller Gluth meines Herzens — wie nur je ein Mann ein Weib geliebt hat. — Wenn Sie mich verlassen würden — ich müßte elendlich verkommen." „Aber es kann nicht sein!" stammelte sie endlich, „eine Ehe zwischen Juden und Nichtjuden ist unmöglich." „Wer sagt das? — In Frankreich und in Deutschland, in England und in Holland, wie viele Ehen zwischen Juden und Nichtjuden gibt es da!" „Aber hier in Rußland ist es unmöglich — das weiß ich gewiß, die Staatsgesetze gestatten eine solche Ehe nicht." „Was kümmern uns die Staatsgesetze? — kann der Staat unfern Herzen gebieten? — Freilich, nach außen hin dürfen wir sie nicht verletzen. Aber