Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1889)
- Date
- 1889-05-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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705 ■ t'' eben nicht so allgemeine Schlüsse ziehen, es gibt anständige Geschäftsleute hier und dort. Wenn Abg. Türk konsequent sein wollte, müßte er zu § 2 ein Amendement.einbringen: „An Bewerber jüdischer Coufession wird das Markenrecht überhaupt nicht zuerkannt." Das ist auch wahrscheinlich das allerinnerste Bedürfniß dieser Herren. Aber sie kommen damit nicht, weil ein solcher Antrag, wie alle Programmpunkte der antisemitischen Partei durchgehens ohne Ausnahme, sobald sie sich reell äußern sollen, an den Staatsgrundgesetzen scheitern. Allerdings, wenn man den ganzen modernen Staat Umstürzen will, dann liegt an ein bischen Staatsgrundgesetzen mehr oder weniger auch nichts. (Bravo! Bravo! links.) Wie«. Der liberale Wiener Studentenverein, der von Fischhof und Walterskirchen bereits anerkennende Briefe empfing, erhielt einen solchen auch von P. K. Rosegger. Der Dichter schreibt: „Wer die Ideale des Freisinns und der Humanität hegt, der könnte sich unter der heutigen akademischen Jugend Oesterreichs vielleicht einsam fühlen, hätte er nicht andere Kameraden, nämlich die bedeutendsten Dichter, Denker und Humanisten aller Zetten. Freiheit und Brüderlichkeit sind keine Phrasen für den, der sie ernst nimmt, sondern Leitsterne, nach denen die Menschheit sich entwickelt und durch die allein ein menschenwürdiges, geselliges Zusammenleben auf dieser Erde möglich ist. Wie jede gute Sache mißbraucht zu einer schlechten werden kann, so auch der Liberalismus, durch dessen Ausschreitung Menschen verdarben, Stände zu Grunde gegangen sind. Ich verdamme diese Ausschreitungen und bekämpfe sie, bleibe aber in Lied und Leben den hohen Ideen der Freiheit und des Wohlwollens treu, ohne viel zu unterscheiden zwischen Nation, Konfession und Race. Auf diesem Wege nur findet man für Leben und Sterben den Frieden des Herzens." Griechenland. Korfu, 28. April. Die Feiertage sind nun vorüber, aber unsere Armen werden sobald nicht an dieselben vergessen, denn noch in keinem Jahre haben unsere Reichen und Wohlhabenden mit ihren Spenden so gespart wie heuer, so daß die Kasse unseres Oberrabbiners, bei dem diese wohlthätigen Spenden einzulaufen pflegen, am Erew Peßach noch so leer war, wie ein „jüdischer Reformtempel." Dazu traf unsere Armen noch ein anderes Unglück. Wie der „Israelit" schon vor zwei Jahren gemeldet, hat unser Cultusvorstand bekanntlich beschlossen, die Mazzos-Fabrikation nicht mehr wie bisher an Pri, vate zu verpachten, sondern in eigene Regie zu rieh* men, um erstens, die Gemeindeeinkünfte dadurch bedeutend zu vermehren und zweitens, um den Armen dann die Mazzos zu einem bedeutend ermäßigten Preis überlassen zu können. Die nun vom Cultusvorstande mit der Erzeugung der Mazzos betraute Commission hatte jedoch Heuer den höchst - unglücklichen Einsall, schlechteres Mehl als gewöhnlich zu nehmen und dabei noch den Preis der Mazzos bedeutend zu erhöhen, so daß die Prima-Qualität derselben per Kilo aus 1 Francs 36 Centimes und die Secunda-Qualität auf 1 Francs 20 Centimes zu stehen kam. Die Folge davon war nun, daß auch viele leidlich Bemittelte, da ihnen der Preis der Mazzos doch ein wenig zu hoch war, sich den Armen angeschlossen und sich gleichfalls die Mazzos gratis geben ließen. So ging der ganze Gewinn, den die Gemeinde durch die Preiserhöhung zu erzielen hoffte, wieder in die Brüche. Man sieht, wie vollkommen recht unser verstorbener Oberrabbiner Giuseppe Levi hatte, als er schon vor drei Jahren den Vorsitzenden des genannten Mazzos-Comitö's, Herrn Jsak Morda, bat, den Preis der Mazzos soweit als nur thunlich zu ermäßigen und dabei doch auf die Qualität derselben die gehörige Rücksicht zu nehmen. Dabei hat die erwähnte Commission noch eine andere Unklugheit begangen, indem sie ihren Geschäftsführer, der schon seit zwei Jahren im Amte war und die Verhältnisse unserer Gemeinde genau kannte, plötzlich entließ und ihn durch zwei neue, aber ganz unerfahrene Personen ersetzte. Dank ihrer gänzlichen Unkenntniß der Verhältnisse hier kam es, daß man am Peßach erst die unangenehme Entdeckung machte, man habe eigentlich zu wenig Mazzos gebacken, während in der Mehlkammer der Gemeinde noch fünfzig Säcke Weizen standen. Unser verehrter Oberrabbiner Da Fano hat daher dieses Vorgehen der Gemeinde streng gerügt und erinnerte er sie dabei an einen unserer früheren Oberrabbiner, Abraham Ferro, der, als er sah, daß die Gemeinde den Armen durchaus keine besseren Mazzos geben wollte, auch für sich und sein Haus die schlechten nahm. Die Gemeinde mußte daher nachgeben und den Armen ein besseres Gebäck verabreichen lassen. Die hiesige jüdische Gemeinde ist zur Zeit an 5000 Seelen stark. Egypten. Alexandrien, 28. Apri. Der hierortige Jsr. Handwerker-Unterstützungs- und Fortbildungs-Verein „Jad-Charuzim" beging am 24. April l. I. ein doppeltes Fest u. z. die Feier des 1. Gründungs-