Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1889)
- Date
- 1889-05-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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703 „Den Sprecher selbst holt' man ferne! —" Mit Ausrufungszeichen und Gedankenstrich! Latet anguis in herba, habet Acht! Das läßt tiefer blicken. Denn — also singt der Weihe- Hymnus : „Wohl bot sein Redefluß „Uns einen Hochgenuß! „Doch sagt: Warum setzt uns're Sterne „So schnöd' man hinten an? „Sie steh'n doch ihren Mann! (Und zwar zweimal, da dieser Satz zweimal zu singen ist.) Also „unsere Sterne" setzt man hintenan, und wohlgemerkt „schnöd' hintenan". „Unsere Sterne", d. h. die Sterne des U. O. B. B. Nr. ,349, werden hintenangesetzt; sie müssen vor dem „aus der Ferne" geholten zurückstehen. Warum, ja warum?? Und dabei stehen diese schnöde hintenangesetzten Sterne ihren Mann!! Müssen übrigens ganz eigener Art sein die Sterne des „U.O. B. B." Sie sollen „stehen" und sich doch hintenansetzen lassen", also Fixsterne und doch keine Fixsterne, also Planeten und doch keine Planeten! Wunderbar! Fixsterne, die ihr eigenes Licht ausstrahlen, sind es keinesfalls, sonst ließen sie sich nicht verrücken, sonst könnten sie nicht aus weiter Ferne „geholt" werden. Sie zählen demgemäß sicherlich nur zu den an sich dunklen Wandel- oder Jrrsternen, wahrscheinlich aber gar zu den Kometen, nämlich den Schweif- oder Schwanzsternen. Was es für ein Bewandtniß mit den Sternen des „U. O. B. B." hat, ist uns bis zu diesem Augenblicke dunkel geblieben, obgleich wir uns eifrig bemüht haben, das Wesen derselben zu erforschen, und zwar umsomehr, als sie anscheinend unter einem gewissen magischen Einflüsse zu stehen scheinen, der durch — das Sprechen bewirkt wird. Denn also heißt es: „Von Karpeles*) sprach man wohl viel, „Zwar kam trotzdem er nicht an s Ziel. „Doch uns're Herrn ließ ganz man aus dem Spiel! Man hätte also erwarten sollen, daß durch vieles Sprechen dieser Stern, Karpeles genannt, „ans Ziel", das heißt ja wohl an den Endpunkt seiner Bahn, gelangen würde, aber „zwar" und „trotzdem" mv dieses nicht der Fall. Welche widrige Constellation daran die Schuld trifft, wagen wir nicht zu ergründen. Indessen — so jubelt der Festhymnus — nur frischen Muth: „Wie gern' hört' mal „Der Brüder Zahl „Jo öl und Nosenthal! „Sie sind doch die Meister „Aller Redegeister!" „Sprächen diese — dann ist's klar, „Werden uns die Plätze rar." *) Vermuthlich der Name eines Ben-Berith-Sterns. und der „Refrain" jauchzt diese trostreiche, zuversichtliche Hoffnung in den Tönen: „Fischerin du Kleine" in die weite Ordenswelt hinaus. Und damit erklimmt der Weihgesang die höchste Stufe der Begeisterung und aus diesen hohen Gipfel angelangt rauschen seine herrlichen Akkorde des Ordens hehre Weisheitslehre den in der Niederung Stehenden entgegen. In Entzücken versunken lauschen sie der erhabenen Offenbarung und ein süßes Sehnen erfaßt ihr Herz: ach, daß auch ihnen sich des Ordens Tempel erschließen möchte, daß auch sie ausgenommen würden in den Brüder - Bund! Wer könnte sich dem Einflüsse dieser erhabenen Kundgebung, in welcher sich des „U. O. B. B." schöne Seele offenbart, entziehen? Man höre und werde Ordensbruder! „Allein — bald kam es noch viel bunter: „Der Tafel Koscherkeit „Ward fürchterlich entweiht! „Ein treef'nes Entlein war darunter; „Zwar hofft man noch bisher, „Daß das 'ne „Ente" war! „Doch seit auf's Tisch-Repertoir „D i e Wildente gerathen war, „Scheut alles Fleisch'ge uns'rer Frommen Schaar! „Heut' spürt den Druck „Man schwer genug: „Voll Trauer strikt Freund Struck! „Und die Herrn Rebonim „Schau'n mit trübem Ponim „Auf den reichbesetzten Tisch, „Ihnen winkt ja nur der Fisch! Genug, überreichlich genug! Das wagt der „U. O. B. B." dem Judenthum zu bieten! Da habt ihr des Ordens eigenstes Wesen. Er versammelt seine Angehörigen, um das heilige Gottesgesetz nicht nur zu übertreten, sondern bebt nicht vor dem Schmachvollen zurück, dieser Uebertretung den Hohn und die Verspottung hinzuzufügen. Und dieses Attentat aus das Judenthum — wie nicht auf das jüdische Religionsgesetz allein — sondern auf Anstand, Sitte, Religion überhaupt wird nicht von einem losen Buben in trunkener Weinlaune verübt, sondern wohlvorbereitet und von der ganzen Gesellschaft in gehobener Ordenssest-Stimmung ausgeführt. Wahrlich, man braucht nicht orthodoxer Jude, man braucht nicht einmal Jude, man braucht nur anständiger Meusch zu sein, um sich mit Entrüstung von einem solchen Gebühren abzuwenden. Die Lessing-Loge zu Breslau besteht aus 223 jüdischen Männern, die sich zur festlichen Begehung des Stiftungstages ihres Bundes vereinigen beim unjüdischen Mule, und wagen einen solchen Spott. Es sind Einige unter ihnen, die nicht „trefa" speisen wollen. Sie setzen sich aber mit den jüdischen Ge-