Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1889)
- Date
- 1889-05-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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702 ist mit „der Tafel Koscherkeit" bis zur höchsten Stufe seiner Kraftentfaltung gelangt. Daß er sich während der ganzen Dauer der vierten Strophe, auf der Polhöhe seines Horizonts, d. i. die „Vier" unter „Sieben", zu erhalten vermag, ist seine höchste Leistung — allem Menschlichen sind ja Grenzen gesteckt, und auch dem „U. O. B. B.", der Manifestation der erhabendften Geistesgröße — im allmählichen Decrescendo rieseln des Liedes Wellen langsam hernieder, bis sie an den „Zoff" — so heißt es in dem Weihgesange — anlangen und in einem zarten Smorzato austönen würden, wenn nicht in verjüngter Kraft die heilige Begeisterung die Ordensbrüder erfassen könnte und sie zu einem „Hoch", das dem „Prinzen" dargebracht wird, erhöbe. Es muß etwas Großes, Erhebendes und Herrliches gewesen sein, als die würdigen Ordensbrüder der U. O. B. B. Nr. 349, alias VIII IX, alias Lessing-Loge zu Breslau am 30. Januar 1889 ihre hehre Ordensbegeisterung in diesem Weiheliede ausjubelten. Da saßen sie alle beisammen, sie, die Edelsten, Besten und Weisesten als Präsidenten, Expräsidenten, Wächter und Mentoren und besangen allesammt nach der Melodie „Fischerin du 'Kleine" des Ordens Größe, Heil und Ruhm „in der Tasel der Koscherkeit" und „des Prinzen t r e u e n S t ü tz e n": Peiser, Ollendors, Jotzl, Rosenthal, Struck, Kober, Sachs, Bial, Moses, Selten, Sternberg, — unsterbliche Namen „u n s r e r Sterne!" Da ich in der Operetten- und Bänkelsänger- Musik-Literatur nicht bewandert bin, so habe ich bei Kundigeren mir Rath eingcholt, in wiefern „Fischerin du Kleine" mit dem heiligen Ordensgeiste im Zusammenhänge stehen könnte. Es ist mir darauf versichert worden, daß der letztere in der erwähnten Literatur seinen entsprechendsten Ausdruck findet und diese einen neuen kräftigen Aufschwung von dem „U. O. B. B." erwartet. Man vermuthet sogar, daß „Fischerin du Kleine" und ähnliche Kunstproducte als „Ich bin der kleine Postillion", „Mutter der Mann mit den Koks ist da" u. s. w. zu den herrlichsten Blüthen zählen, welche von dem Baume des „U. O. B. B." gezeitigt sind. Doch das sind nur Vermuthungen. Wenden wir uns von ihnen ab und der vor uns liegenden Wirklichkeit, d. i. dem Festhymnus wieder zu. Von der Thatsache ausgehend, daß „ein neues Jahr verflossen wäre auf des Prinzen", d. i. der Loge, „Bahn, dem heut' wir huldigend nah'n", ergötzt sich der -begeisternde Sang, der Prinz, d. i. die Lessing-Loge Nr. 349, „mächtig aufgeschlossen" und „alltäglich mehr stolz seiner Schätze Heer wachse." Auf welche Schätze die Loge „stolz" sein mag, worin gar „das Heer" seiner Schätze bestehen kann, das vermögen wir nicht zu enträthseln. Geistiger Art sind diese Schätze keineswegs, denn also singt das Lied weiter: „Doch sagt Ihr mir, daß auch an Geist" (steht auch im Original gesperrt gedruckt) „Das Knäblein reger sich erweist, „Ihr Brüder! — Dann bestreit ich dieses dreist!" Der Rückblick auf die Vergangenheit ist trotz der stolzen, stetig wachsenden Schätze Heer ein wenig befriedigender. „Wie lehrreich nützte — wie erquicklich „In uns'res Prinzen Haus „Man sonst die Zeit wohl aus" seufzt das Festeslied und wiederholt den Satz: „Man sonst die Zeit wohl aus", und schließt die zweite Strophe in echt skeptischer Stimmung: „Ja — es herrscht ein leiser „Zweifel selbst, ob Peiser, „Oder Ollendors vielmehr „Uns'res Prinzen Mentor war!" Wir vermögen diesen Zweifel nicht zu beschwichtigen. Um den in die Geheimnisse des „U. O.B.B." nicht Eingeweihten diese dunkle Strophe nach bestem Können einigermaßen zu verdeutlichen, bemerken^wir, daß in jeder Loge ein „Mentor" sein muß, welcher, wenn wir den reichen Schatz an Kostbaren Ordens- Dokumente, welche zu besitzen wir so glücklich sind, in seine Einzelheiten recht gewürdigt haben, die Brüder bei den Logenversammlungen zu „prüfen" hat und zwar in den Lehren, Satzungen und Ritualien des Ordens. Wer Peiser und Oll endo rf sind, können wir nicht genau angeben; wir müssen uns darauf beschränken mitzutheilen, daß wir bei unseren interessanten Studien des „U. O. B. B. einem Bruder Peiser in der Sitzung der Großloge für Deutschland VIII am 10. Februar 1889 als Repräsentant der Lessing-Loge IX 349 in Berlin begegnen. Wenn man in Erwägung zieht, daß das „Prinz-Knäblein", d. i. die Lessing-Loge, nur vier Jahr alt ist und jetzt schon klagt, daß es „sonst" besser gewesen sei, so muß das junge Bürschlein schon recht trübe Erfahrungen gemacht haben: „Doch diesmal brachte man es glücklich „Zu einem Vortrag nur — „Und zwar aus sr emd er Flur! (Zweimal zu sagen!) Hat sich der Kleine den Magen überladen, oder ist er gar bereits (zwei Mal zu sagen!) ganz blasirt?? — das sind Fragen, die sich bange in das geängstigfte Gemüth drängen. Ja, es gesellt sich hiezu in der dritten Strophe eine fernere gewichtige Frage, warum nämlich: