Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1889)
- Date
- 1889-05-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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■r^*gv j *<-/?'i't/yp'M-y' XXX. Jahrgang. JVs 40. Israelit««»Ieschurun. Zettschrlst W FSrdmW D. Grlßes und W. Kedess in Anus. GMMe M KGle. Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe ZudenLhum. Herausgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 20. Mai 5049 (1889). Leitender Artikel. Zleöer jüdische Bereinigungen. Von Isaak Hirsch. V. Gleichgiltigkeit gegen das Heilige, Gedankenlosigkeit und Ignoranz zeugen von einem sehr niedrigen Stand des sittlichen Bewußtseins und der geistigen Entwicklung. Die von dem U. O. B. B. in Berlin veranstaltete „Purim-Feier" am Taanith- Esther mit trefenem und koscherm Büffet läßt die innere Hohlheit und die erschreckende Armseligkeit des Ordens erkennen, welcher mit der lächerlichen Prätension auftritt: „Israeliten zu vereinigen in dem Werke der Beförderung ihrer eigenen höchsten Interessen und der der Menschheit überhaupt" und „den geistigen und moralischen Charakter unseres Stammes zu entwickeln, zu heben und zu verteidigen." Wenn Unwissenheit und Frivolität die höchsten Ideale irgend eines Menschenkreises sein können, dann wahrlich ist der „U. O. B. B." der befähigtste und berühmteste Apostel derselben und hat sich als solcher hinlänglich legitimirt. Die Leichtfertigkeit, der Mangel sittlichen Ernstes und die den Orden beherrschende frivole Gesinnung treten aber noch deutlicher in dem uns vorliegenden Schriftstücke hervor, welches den Titel führt: „u. O. B. B. Nr. 349. Zur Feier des 4. Stiftungs-Festes. Breslau, den 30. Januar 1889", gedruckt bei A. Sternberg, Breslau. Unsere Alten führen unter den drei Gelegenheiten, bei welchen sich der Charakter des Menschen unverhüllt zeigt, auch das festliche Gelage an. iDiaa „beim Becher" offenbart sich das innerste Wesen des Menschen. Worin sich seine Fröhlichkeit zeigt und wie sie DH kundgkbt, wie er seine Feste feiert, das beobachte und dir wird Aufschluß über das sonst vielleicht sich deinen Augen entziehende innere Wesen deines Mitbruders. Wir haben gesehen, wie die Berliner Logen (Deutsche Reichs-, Berthold Auerbach- und Montefiore-Loge, zusammen etwa 700 Ordensbrüder umfassend) Purim feiern, das vorliegende Schriftstück gewährt uns einen Einblick in die Festesstimmung der Lesstng- Loge zu Breslau, welche ein Bierteltausend Brüder zählt. _ In sehr beachtenswerther Weife spielt auch hier das „trefene" Menü eine hervorragende Rolle. Es bildet gleichsam den Mittelpunkt der festlichen Begehung des vierjährigen Bestandes der Loge, welche, wenn es uns vergönnt gewesen sein sollte, die Sprache des hohen Feftgesanges zu verstehen, der nach der Melodie des herzerhebenden „Fischerin du Kleine" von den frommen Ordensbrüdern in heiliger Andacht gesungen wurde, in dem Mysterium des Ordens als „Prinz" gefeiert wird. Der unzweifelhaft von einem genialen Logenbruder, in welchem der Geist des Ordens mächtig webt, zur Erhebung der Seele in heiliger Begeisterung für dieses Festes Feier gedichtete Hymnus besteht aus sieben Strophen, deren vierte „der Tafel Koscherkeit", wie es in der erhabenen Ordenssprache so unnachahmlich schön heißt, gewidmet ist. Sicherlich hat es seine tiefe Bedeutung, die ganz zu erfaffen wir uns nicht vermaßen, daß gerade „sieben" des Weihgesanges Strophen sind und somit „der Tafel Koscherkeit" die Mitte, d. i. der Gipfelpunkt der Begeisterung bilden soll. In drei Stufen, mit dem Adagio leis beginnend, hebt der Hymnus an, schreitet im Crescendo zum Allegro fort bis endlich in der vierten Strophe, in „d e r Tafel Koscherkeit", die höchste Begeisterung als rauschendes Allegro vivace con fuoco im Fortissime überfluthet. Eine Steigerung ist nicht möglich, der Ordensgefft