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Der Israelit · 1889-05-16 · Heft 39 (16.5.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 39 (16.5.1889)
Date
1889-05-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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695 Nähe Salomo's gelebt haben, In dem Buche der Könige heißt es: ns xnjy rab'ab inj nnhw n^xrr- -itt'N nasr „Und König Salomo gewährte der Königin von Saba alle Wünsche, die sie hegte", was bekanntlich von unseren Weisen so erklärt wird, daß es mit der abyssinischen Geschichte vollkommen übereinstimmt. König Johannes war aber besonders stolz auf seine vermeintliche Abstammung von Salomo, dem zu Ehren er nicht nur einen Orden „Chatam Suleiman (nv^ Dnin Salomo's Siegel)" stiftete, sondern auch einen Thron erbauen ließ, der dem seines großen Ahns ähnlich war. Dieser Königsstuhl kostete über 30,000 Francs. Aber auch sonst war König Johannes bestrebt, sich in Allem und Jedem seinen großen Ahnherrn zum Muster zu nehmen und ihm nachzuahmen. So ließ er sich gleich Salomo einen eigenen Gerichtssaal erbauen, wohin dann der genannte Thron geschafft wurde und auf diesen saß er, wenn er Recht sprach. Als vor vier Jahren der in Kasfala (Nubien) etablirte Wiener Thierhändler, Herr S. Cohn, der sowohl für die Hagenbeck'sche Menagerie in Hamburg , so wie auch für die kaiserliche Menagerie in Schönbrunn Thiere lieferte*), Abyssiuien bereiste, so wurde er auch von König Johannes [in Audienz vorgelassen, der ihn in seinem genannten Gerichtssaale empfing. Der König rühmte sich Herrn Cohn gegenüber seiner jüdischen Herkunft, war aber dabei zugleich so unjüdisch, daß er sich von dem genannten Herrn für die Ertheilung eines Reisepasses, tausend Mark zahlen ließ. Beim Erscheinen vor der königlichen Majestät wurde Herr Cohn gemäß der abyssinischen Hofetiquette an jedem Arme von einem Palaftbeamten geführt, der dann zugleich die gute Gelegenheit benützte, um dem Audienzbewerber einen Theil seiner Kostbarkeiten zu stehlen. Am Hofe Salomo's werden sich die Palaftbeamten schwerlich so etwas erlaubt haben. Sonst war König Johannes ein frommer Juden- Christ. Gleich den übrigen Abyssiniern hielt er neben dem Sonntag auch den Sabbat, ließ seinen vor zwei Jahren erst verstorbenen einzigen Sohn Ras Area Selassieh beschneiden, opferte fleißig dem Allmächtigen und führte stets die zwei Gesetzestafeln Mosis, die aus Holz angefertigt und mit einem Seidentuche umhüllt waren , mit sich herum. Er ließ bekanntlich sämmtliche Mohamedaner seines Reiches gewaltsam taufen, dagegen gewährte er den Falaschas, den sogenannten abyssinischen Juden, volle Glaubensfreiheit und gestattete ihnen sogar sich neue Gotteshäuser zu erbauen, was sein Vorgänger ans dem Throne, der in Europa wohl bekannte König Theodor, nicht gestatten wollte. Auch sonst war er den Juden seines Reiches ein milder Herrscher, soweit man dieses von einem afrikanischen Herrscher fordern kann. Die Falaschas habe daher volle Ursache, den Tod des Königs Johannes zu beweinen, denn dessen muthmaßlicher Thronerbe, König Menelik, ist ein grimmiger Feind des Hauses Israel, dem er den Eintritt in sein Reich bisher noch immer nicht gestattet hat. Die Anzahl der Falaschas in Abyssinien beläuft sich heute nach abyssinischen Quellen ans circa 200,000 bis 300,000 Seelen und haben sie daher gegen die früheren Jahren bedeutend abgenommen. Das Recht, sich Richter zu geben, das früher bestand, wurde ihnen schon längst genommen, und stehen sie daher heute unter den vom Könige bestellten Richtern, die aber der Bestechung sehr zugänglich sind. Dagegen sind sie vom Militärdienste befreit; nur müssen sie dafür den in ihrer Provinz lagernden Truppen den nöthigen Proviant unentgeltlich liefern. Feuilleton. tzine jüdische Aorschungsreise in Arabien. (Fortsetzung.) *) Die Stadt Madschmaa ist berühmt durch ihren jeden Sonntag stattfindenden Wochenmarkt, zu dem sich Besucher aus der ganzen Umgegend einzufinden pflegen. Mit dem Wochenmarkte ist zugleich auch ein Waffen- und Pferdemarkt verbunden, zwei besondere Anziehungsmittel für einen Araber, den man sich ja ohne Pferd und ohne Schwert gar nicht denken kann. Die Waffen, die hier zum Verkaufe gelangen, stammen größtemheils aus der schon genannten Stadt Teima (ndti), die schon im Gebiete der Bene Chaibar liegt und wo es berühmte Waffenschmiede gibt. Auf dem Wochenmarkte pflegt sich dann auch der Sohn des Sultans der benachbarten Stadt Sulfe, dem auch Madschmaa unterworfen ist, einzufinden, um hier im Namen seines Vaters Recht zu sprechen. Der Prinz sitzt dabei unter einem runden, luftigen Zelte, das nach allen Seiten hin offen ist und daher einen Ausblick auf den ganzen Markt und seine Besucher gewährt. Der Prinz kauert auf einem Teppich, während zu seiner Rech- *) Herr Cohn ist vor zwei Jahren gestorben. *) Siehe Nr. 26.

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