Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 39 (16.5.1889)
- Date
- 1889-05-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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696 ten sein Katib (Secretär) kniet. Draußen vor dem Zelte stehen etliche Soldaten und die Gerichtsdiener. Bei der Ankunft der Karawane in Madschmaa fand eben ein solcher Wochenmarkt statt und so zog dieselbe sogleich an dem Zelte des Prinzen vorüber, um ihn zu begrüßen. Zu Ehren desselben feierten die Reisenden ihre Gewehre ab, worauf der Prinz aus dem Zelte trat und den Fremden ein weithin vernehmbares: Salem Aleitum, ja Mumimina! (Seid gegrüßt, Gläubige!) zurief. Hierauf wies er der Karawane einen Lagerplatz an, in dessen Nähe sich eine Turbeh (Grab eines Heiligen) befand. Zahlreiche Marktbesucher fanden sich dann bei der Turbeh ein, um hier ein Gebet zu verrichten, worauf sie in einen auf dem Grabe stehenden kupfernen Topf eine kleine Münze warfen. Diese Gaben fließen in die Tasche des Grabhüters, der aber dafür auch die Turbeh in Stand halten muß. Plötzlich war jedoch dieses kupferne Gefäß verschwunden, und sogleich hieß es, daß einer aus der Karawane dasselbe gestohlen habe. Der Zorn der Menge richtete sich nun gegen die Karawane und da man wußte, daß sich in derselben auch drei Juden befanden, so hielt man diese für die Diebe und forderte deren Bestrafung. Der Prinz erschien nun selbst auf dem Platze. Da er jedoch befürchtete, daß die erregte Menge die drei Juden lynchen werde, so ließ er dieselben zu ihrer eigenen Sicherheit fesseln und in seine Behausung bringen. Während dem wurde jedoch der Topf gefunden, aber in leerem Zustande. Wahrscheinlich hatte der Dieb die Münzen eingesteckt, worauf er den Topf wegwarf. Da sich jedoch fast sämmtliche Mitglieder der Karawane für die Ehrlichkeit ihrer drei jüdischen Gefährten verbürgten, so sprach der Prinz Letztere frei; sie mußten jedoch, da die Menge noch immer nicht beschwichtigt war, unverzüglich die Stadt verlassen und außerhalb derselben die Ankunft der Karawane erwarten. Mehrere Soldaten gaben ihnen das Geleite. Wenige Stunden nachher traf die Karawane bei ihnen ein, worauf dann die ganze Gesellschaft wieder vereint die Reise fortsetzte. Dieselbe war jedoch noch nicht lange unterwegs, als sie von zwei Reitern eingeholt wurde, von denen einer auf einer Lanze einen abgeschlagenen Menschenkopf hielt. In der Stadt hatte man nämlich den wirklichen Dieb entdeckt, worauf der Prinz ihm sogleich das Haupt abschlagen ließ, das er nun der Karawane nachschickte, damit auch nicht ein Schatten des Verdachtes den Juden anhafte. Frohes Muthes erreichte dann die Karawane das Städtchen Sulfe, wo sie ihr Nachtquartier nahm. Als der Sultan daselbst von dem Abenteuer der Juden hörte und auch vernahm, welche Gerechtigkeit sein Sohn in diesem Falle ausgeübt hatte, so ließ er dieselben zu sich bescheiden, um sie zu ihrer nun erwiesenen Unschuld zu beglückwünschen. Die Karawane setzte dann ihre Reise fort und kam nach zwei Tagen nach der Stadt Bareida, die durch ihren Dattelreichthum berühmt ist. Die Stadt besitzt auch eine berühmte Moschee, in deren Vorhof mehrere mohamedanische Heilige begraben liegen und die daher eine Art Freistätte (v^pv *vj/) bildet. Jeder Verbrecher, selbst ein Mörder, wird frei, sobald er deren Schwelle überschritten hat. Da sich jedoch jeder Flüchtling selbst verköstigen muß, was hier natürlich mit großen Schwierigkeiten verbunden ist, so ist dieses Asylrecht oft nur ein trügerisches. Hieher geflüchtete Mörder werden gewöhnlich ausgehungert, worauf sie sich dann von selbst dem Gerichte stellen. (Fortsetzung folgt.) d Abonnement«- und Inleratenannahrne 3 für Frankfurt a M. bei I. Knuffmann, Such. j M banbl; fürMürzburgbeiAarobHamberge»;! farMünchen bei N Aettetl/eitt». Färbergraben j 3 29; für Fürth in SaTern bei M. DSrnbrrgcr, i 0 hebr. u. deutsche Buchhandlung. j ähmvm&wPS' / ttitttannahmt« rrftmifet. Mnd). *5 Kr» Frank, ssrobsteigassd t?: in Böhmen, u. Österreich. Schlesien ~ 3 Mähren K. Kranbrt» bei Jacob! Buchhandlung in Prag. ffiir den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. ,n einer süddeutschen Residenzstadt ist ein schönes Eckhaus in feinster Lage, in welchem seit langen Jahren eine bekannte, vorzüglich gehende Konditorei betrieben wurde, unter günstigen Bedingungen zu verkaufen. Ernstliche Liebhaber belieben ihre Anfragen sud Chiffre A. 6155 an Rudolf Mosse, Stuttgart, zu richten. (2742 Herraths-Gesuch. Ein junger Mann (Jsr.) mit gutgehendem Manufarturwaaren - Geschäft wünscht die Bekanntschaft einer jungen Dame, welche ein Vermögen von Mk. 30,000 besitzt, zu machen. Ernstgemeinte Anerbieten erbittet man unter L. B. Nr. 2746 an die Exp. d. Bl. Photographie, welche sofort zurückerfolgt, erwünscht. Discretion Ehrensache. ine Dame, 20 Jahre alt, aus achtbarer Familie, welche als Verkäuferin im Manufacturu. Confections - Geschäft gut bewandert ist, mit guter Schrift, sucht sowohl als Stütze der Hausfrau als auch als Verkäuferin per sofort Stelle, wo Samstag li. Feiertage geschlossen, bei freier Station im Hause. Es wird mehr ans gute Behandlung als Salair gesehen. Offerten unter Nr. 2468 an die Exped. d. Bl. erbeten.