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Der Israelit · 1889-05-16 · Heft 39 (16.5.1889) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 39 (16.5.1889)
Date
1889-05-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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686 schen hervorzuragen, um Ruhm und Ehre zu erlangen, ist mir die Weisheit das Mittel, mein Leben nach Deinen Geboten zu regeln und so die ewige Seligkeit zu erlangen. b nri’ff ^nny »d t^ppi note bo. „Mehr als alle, die mich belehren, habe ich Vernunft erlangt, denn Deine Zeugnisse bilden meine Unterhaltung." Achten wir auf den Unterschied der Ausdrucksweise zwischen diesem und dem 97. Verse. Dort heißt es mm „mein Gespräch", hier aber b nrrff, „mir ein Gespräch". Der Liebende will selbst sprechen, will die herrlichen Eigenschaften der Geliebten preisen, ihre Vorzüge verkünden. Der Vernünftige aber will auch die Ansichten derer vernehmen, welche die Geliebte kennen und sie verehren. Dadurch bildet er sein Uriheil und wird ein besserer Beurtheiler als all die Andern. Wenn wir nun auch die Bedeutung des Verses als eine comparative auffassen, so liegt doch in dem b rw im Gegensätze zu dem obigen wvp das 218 ^dd des ben Soma ausgesprochen. Wer von jedem Menschen zu lernen sich bemüht, wird am Ende weiser als alle die, welche ihn belehren. -ppe o Iran« D'jpiD. „Mehr als die Alten werde ich einsichtsvoll, denn Deine Vorschriften habe ich bewahrt." Selbst der Jüngling, welcher lernt, um zu lernen, zu lehren, zu beobachten und zu thun, ist einsichtsvoller als der Greis, welcher große Schätze in den Wissenschaften ausgehäuft hat, die ihm jedoch nur ein Aeußerliches bleiben. Wir haben nun noch den andern Einwand zu betrachten, den wir gegen die Beweisstelle ben Soma's erhoben haben. Wir haben bemerkt, daß ben Soma, dem angeführten Psalmverse entsprechend, nicht hätte fragen sollen o:>n inrn, sondern b'vwv inrN. Aber gerade durch diese Verschiedenheit der Ausdrücke offenbart uns ben Soma eine große Wahrheit. Um das zu erlangen, was man gewöhnlich unter Weisheit versteht, sind vor allen Dingen günstige natürliche Anlagen erforderlich. Wem es an schneller Auffassungskraft, an einem guten Gedächtnisse und an vielen andern Geistesanlagen gebricht, wie kann der ein Weiser werden? In diesem Sinne lehren auch unsere Weisen, daß es voraus bestimmt wird, ob Jemand Weisheit erlangen wird oder nicht. Darnach wäre ein großer Theil der Menschen von dem großen Gute der Weisheit von vornherein ausgeschlossen. Aehnlich verhält es sich mit der Heldenkraft, mit dem Reichthum, mit Ruhm und Ehre. Ben Soma nun will uns lehren, daß alle diese erhabenen Güter erlangt werden können, trotz der entgegenstehenden, durch die Verhältnisse bedingten Bestimmung. Wir haben es jetzt nur mit dem ersten Theile unserer Mischnah zu thun; die andern werden wir später erklären. Glücklich ist der zu preisen, dem die Verhältnisse günstig sich gestalten, der mit vorzüglichen Geistesanlagen begabt, in einer Umgebung erzogen wird, wo er an reichbedeckter Tafel seinen Hunger und seinen Durst nach Weisheit zu befriedigen vermag. Aber auch der, dem das Leben schon bei der Geburt feindlich gegenübertritt, kann alle Hindernisse durch Liebe und Eifer überwinden, und gelingt ihm das, so wird er noch größer und bedeutender werden als Derjenige, dem alles leicht gemacht ist worden. Durch Eifer kann man die Gabe der Auffassung schärfen, durch Beharrlichkeit kann man das Gedächtniß kräftigen, und vor allem darf man nicht vergessen, daß die Gnade und Barmherzigkeit Gottes über uns walten und daß ohne Seinen Segen all unser Mühen vergeblich ist. Auch der nicht glänzend Beanlagte kann das Streben haben, von jedem Menschen zu lernen. Wir haben in her erften £itte unseres täglichen Gebets drei Ausdrücke für die Erkenntniß bttm njn njn. njn entspricht den natürlichen Anlagen pm nna njn d*i^ „Du gibst dem Menschen die Erkenntnißfähigkeit als Gnadengeschenk." n:n ist die Vernunft, die durch Forschung erlangt wird ,-un mt*b „und lehrst den Menschen Vernunft", taffro nJn njn -jnso ujn „begnadige uns von dem, was bei Dir ist, mit Erkenntniß, Vernunft und dem Begreifen des Höchsten", njn ist, was der Mensch mit zur Welt bringt, njn, ma$ er lernt, aber btyn kann er lediglich durch den Segen Gottes erreichen. Wenn Jemand so von Eifer für die Gotteslehre erfüllt ist, daß er von jedem Menschen lernen will, wenn er ferner so von Liebe zu Gott erfüllt ist, daß er keine weitere Unterhaltung sucht als Gottes Zeugnisse zu hören, dann werden sein Eifer und seine Liebe bei Gott Gnade finden, und er wird sprechen können: „Mehr als alle meine Lehrer habe ich die höchste Wahrheit erkannt, denn Deine Zeugnisse sind meine ständige Unterhaltung." Gerade durch den Kampf gegen die ihm feindlichen Verhältnisse werden die Geisteskräfte des nach der Wahrheit Ringenden so gestählt werden, daß er alle Andern übertrifft, daß er wird der wahrhaft Weise. So war einst Rabbi Akiba. Sohn eines Proselyten, blieb er bis zu seinem vierzigsten Lebensjahre ein Unwissender. Dann aber suchte er mit unsäglichem Eifer und unendlicher Liebe von jedem Menschen zu lernen, bis es ihm gelang, alle Hindernisse zu überwinden, und er wurde der Weiseste der Weisen. (Fortsetzung folgt.)

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