Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 39 (16.5.1889)
- Date
- 1889-05-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXX. Jahrgang. hebr STWMÄSF B'K®lwndlun'f ffaNKFUffV M SS. Israelit... Jcschunm. AMschrlfl W FördttW Md. Geistes uuD D. Mens in Km. GemMe nnö Zchrle. Kentrak-Organ für das orthodoxe Iudenlhum. Herausgegeben von vr. Lehma«« in Mainz. Donnerstag, den 19. Mai 5649 (1889). Leitende Artikel Die Sprüche der Jäter. Viertes Buch. IV. Mainz, 13. Mai. Der Psalmvers, welcher den Soma als Beweis anführt (119, 99) lautet: «nbsvn hdVd bo, 'i> nrrr i'nny o. Entsprechend unserer Mischuah müßte man übersetzen: „Von allev meinen Lehrern habe ich Vernunft erlangt, denn Deine Zeugnisse bilden meine Unterhaltung." So erklärt auch Raschi diesen Vers in seinem Commentare zu den Psalmen nxp »moJ> nTDi nsp »mu^ nto. „Sowohl von Diesem als auch von Jenem habe ich etwas gelernt." Die meisten Erklärer jedoch fassen den Satz comparativ auf; demnach müssen wir übersetzen: „Mehr als alle meine Lehrer habe ich Vernunft erlangt, denn Deine Zeugnisse bilden meine Unterhaltung." Diese letztere Deutung entspricht der des vorhergehenden und des folgenden Verses, weßhalb sie von den meisten Commentatoren bevorzugt wird. Man kann sie auch mit den Worten ben Soma's in Uebereinstimmung bringen. Wir müssen den in Rede stehenden Vers mit den vorhergehenden Aussprüchen im Zusammenhänge betrachten. Der 119. Psalm besteht, entsprechend den Buchstaben des Alphabeths, aus 22 Abtheilungen, deren jede acht Verse enthält. Unsere Abtheilung beginnt: »rorw no »nirr n»n or /jnm „Wie liebe ich Deine Lehre, den ganzen Tag ist sie meine Unterhaltung." Der königliche Sänger charakterisirt in treffender Weise seine Liebe für die Gotteslehre. Die Liebe ist ein wunderbares, geheimnißvolles, mächtiges Gefühl. „Stark wie der Tod ist die Liebe." Wie der Tod alles Lebendige überwindet, so die Liebe. Alles Denken, Wünschen, Hoffen, Sehnen des Liebenden ist von der Geliebten erfüllt. Die Zeit der Liebe ist es, in welcher selbst der sonst prosaische Mensch zum Dichter wird. Immerwährend möchte er von der Geliebten reden, ihre herrlichen Eigenschaften preisen, ihre Vorzüge bettngen. Solchergestalt war die Liebe Davids für die Gotteslehre. „Wie sehr liebe ich doch Deine Lehre, den ganzen Tag ist sie mein Gespräch." Was ich thue, was ich denke, was ich wünsche, alles, alles lehne ich an die GotteSfehr^ an und verknüpfe mit ihr mein ganzes Dasein, wie der Liebende sich mit der Geliebten eins fühlt. ton '2 ’JODnn „Weiser als meine Feinde macht mich Dein Gebot, denn für die Ewigkeit ist es mir." Die Hauptfeinde Davids, Do«g, Achitophel und deren Anhänger waren, wie die Tradition uns berichtet, große Gelehrte, Kenner der Thora in allen ihren Verzweigungen. Der Unterschied zwischen ihnen und David war der, daß sie die Thora erlernt hatten, ohne sie zur Richtschnur ihrer Thaten zu machen, während David, der Mann nach den: Herzen Gottes, nichts sehnlicher wünschte als den Vorschriften der Thora gemäß sein ganzes Leben einzurichten. Das Wort Chacham bezeichnet in der heiligen Schrift, wie wir oben nachgewiesen haben, einen Solchen, welcher die Weisheit nicht nur als Wissenschaft betrachtet, sondern ihren Lehren gemäß stets zu handeln sich bemüht. ■prnsiD. „M i ch macht Dein Gebot zu einem wahrhaft Weisen, denn während bei meinen Feinden die Weisheit nur etwas Aeußerliches ist, das für ihr Leben und Thun keine Bedeutung hat, ist eS die Richtschnur meiner Thaten; daher macht mich Dein Gebot weiser als meine Feinde. »a abyh »2 „Denn für die Ewigkeit ist es mir." Während bet meinen Gegnern die Weisheit nur etwas Vergängliches ist, das sie erstreben, um über ihre Mttmen-