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Der Israelit · 1889-05-13 · Heft 38 (13.5.1889) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 38 (13.5.1889)
Date
1889-05-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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678 Vorgängers Schritte nur billigen, daß derselbe die Angelegenheiten und Verhältnisse der isr. Matrikeln und Religionsgemeinden regelte und fühle er sich nicht berufen, diese Verordnung zurückzuziehen, oder zu ändern und zwar aus folgenden Gründen: 1. Weil jenes Prinzip, wonach es in unserem Vaterlande nur eine israelitische Confession gibt, in unfern Gesetzen volle Begründung findet; 2. weil, nachdem beide Erlässe sich gleichmäßig und derselben Rechtswirkung auf die verschiedenen organisirten Glaubensgemeinden erstreckt, betreffs der Behandlung der strittigen Angelegenheiten nur dann auf administrativem Wege verfügt werden könnte, wenn die Israeliten sich aus denselben Gründen, denen gerade auch das orth. Normativ seine Eristenz verdankt, den konfessionellen, gewählten Gerichten nicht unterwerfen wollten; 3. weil ferner weder seitens der Kongreß-, noch seitens der Status-quoante-Gemeinden gegen dieses Regulativ eine Einsprache erhoben wurde und 4. weil sich die Verordnung betreffs der Matrikeln auch schon in der praktischen Durchführung vollkommen bewährt hat. LI. Budapest, 8. Mai. Während der heutigen Getreidebörse Unterzeichneten 260 Firmen der Getreide-, Mehl- und Productenbranche eine Erklärung, wonach dieselben angesichts des Treibens der Wiener Antisemiten dem diesjährigen Wiener Saatenmarkte fernbleiben werden. Die Unterzeichneten gehören allen Confessionen an. Pesth. Die Peffher „Chewra-Kadischa" (Heiliger Verein) hielt gestern Vormittags unter Vorsitz des Präsidenten Herrn Karl Reuß ihre Generalversammlung. In seiner Eröffnungsrede begrüßte der Vorsitzende zunächst die zahlreich erschienenen Repräsentanten und gedachte in warmen Worten des jüngst verstorbenen Wohlthäters Hermann Kann, der letztwillig circa 130.000 fl. dem israelitischen Siechenhause testirte. Sodann gelangte der Jahresbericht zur Verlesung, welcher eingehend sämmtliche Zweige des wohlthätigen Wirkens des Vereins schilderte und mit großem Beifall zur Kenntniß genommen wurde. Nach Ertheilung des Absolutoriums ergriff Paul Pencer das Wort, um in warmen Worten die Verdienste und das selbstlose Wirken des seit zwölf Jahren an der Spitze des Vereines stehenden Präsidenten Karl Reuß hervorzuheben und beantragt, daß die Repräsentanz ihre Anererkennung und Dankbarkeit protokollarisch Ausdruck verleihe. Unter stürmischen Eljenrufen wurde dieser Antrag zum Beschlüsse erhoben und die Generalversammlung geschlossen. Pesth. Aus dem Leben Felix Parcsetich' erzählt das „Bud. Tgbl." die folgende charakteristische Episode: Zur Zeit, da der Antisemitismus in Ungarn noch modern war, ereignete es sich auch in jenem Komitate, dessen Obergespan Parcsetisch war, daß antisemitische Wortführer auftauchten. Parcsetich ging einmal über den Hauptplatz in Neusatz, und hörte, wie dort ein Handwerker öffentlich eine lei> denschaftliche antisemitische Rede hielt. Der Obergespan ließ den guten Mann ausreden, dann aber bat er ihn zu sich und fragte: „Sagen Sie, wer oder was gibt Ihnen das Recht dazu, hier öffentlich Brandreden zu halten?" Der Gefragte entgegnete: „Ich bitte, ich bezahle 20 fl. Steuer jährlich, und das gibt mir das Recht, mitzureden." Der Obergespan lächelte, öffnete seine Börse nnd gab dem Schreier 20 fl. „Hier haben Sie — sagte er, — Ihre 20 fl., aber jetzt müssen Sie in diesem Jahr schon so gut sein und schweigen." D. Szerdahely (Ungarn). Das vor zwei Jahren der Gluth des Antisemitenhasses zum Opfer gefallene rrran rra der pn wird gegenwärtig wieder aufgebaut. England. London. In der im Jahre 1864 in London eröffneten Bayswater-Synagoge wird am Sonntag den 12. d. M. das 25jährige Dienst-Jubiläum der drei dort wirkenden geistlichen Beamten, der Herren Dr. Hermann Adler (delegirter Oberrabbiner) als Rabbiner und Prediger, Jsaae Samuel als erster und Rafael Harris als zweiter Cantor und Secretär der Gemeinde, gefeiert werden. Die drei Herren erfreuen sich der allgemeinen Liebe und Hochachtung der ganzen Gemeinde und wird dieselbe diesem seltenen Ereignisse durch Ueberreichung von Adressen an diese verdienten, würdigen Beamten Ausdruck geben. Dem Verdienste seine Krone! Portsea. Vor einigen Wochen verstarb hier das bekannte Parlamentsmitglied, Herr John B right, im Alter von 80 Jahren. In dem Hinscheiden dieses Mannes hat dieses Land einen seiner besten Männer, seiner größten Bürger und aufrichtigsten Freunde und Patrioten verloren. Er wa, wie sein Name, Bright, (hell, glänzend) anzeigt, ein glänzender Stern am politischen Horizonte Englands. Er hat den gerechtesten Anspruch auf die fortdauernde Liebe und Dankbarkeit seiner Mitbürger im Allgemeinen und der Juden im Besonderen. Er war es, der im Jahre 1853, männlich und be-

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