Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 38 (13.5.1889)
- Date
- 1889-05-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXX. Jahrgang, BellllgeM^38üe8,,Israelit"L„Ieschurim". Leitender Artikel. Literarischer Bericht. rwo pttm tprvs oy D’jni -hd KDBDin .DNtf>jn lyrirfroa *1 injy^ynB v'b no^ ö*orn jncojnB. Selbstverlag des Verfassers. Der gelehrte Verfasser hat sich vor allen Dingen angelegen sein lassen, einen richtigen Text herzustellen. Jeder Kenner der talmudischen Literatur weiß, daß die Thosephta vielfach durch Abschreiber und Drucker entstellt ist worden, so daß die vielen Fehler sehr häufig einen ganz verkehrten Sinn ergeben. Freilich ist auch auf diesem Felde bereits viel gearbeitet worden, und große Männer haben sich bemüht, die auffälligsten Fehler zu entfernen und den richtigen Wortlaut.wieder herzustellen; doch geschah dieses meistens durch Combination und Coniectur. Dem Verfasser jedoch standen alte, mit großer Sorgfalt geschriebene Handschriften zu Gebote, auch hatte er Gelegenheit die ältesten Drucke zu vergleichen, die theilweise mit handschriftlichen Notizen alter, berühmter Rabbinen versehen sind. Auch hat er einen zwiefachen Commentar hinzugefügt, von welchem der eine den einfachen Wortlaut und Sinn erklärt, während der andere scharfsinnige Bemerkungen, Hinweise und Erörterungen enthält. Nicht der geringste Vorzug dieser neuen Ausgabe ist der schöne, deutliche Druck und das gute Papier. Bisher war die Thosephta nur als Beigabe zu den Werken des Alfaßi oder der Talmude gedruckt worden. Man drängte sie auf den kleinsten Raum zusammen und gab sie in kaum leserlicher Schrift. Alles das hat dazu beigetragen, daß das Studium der Thosephta sehr vernachläßigt wurde, und doch ist sie geeignet, über manche dunkle Talmudstelle helles Licht zu verbreiten. Möge es dem Verfasser gelingen, recht bald auch die andern fünf Theile zu veröffentlichen; er wird damit der talmudischen Literatur einen nicht unbedeutenden Dienst erweisen. Erwähnt sei noch, daß sich Herr Jakob Meier in M ü h l h a u s e n p** "2p ’xaj um die Ermöglichung der Herausgabe des Werkes große Verdienste erworben, wie wir aus der vorgedrnckten Widmung ersehen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, im Mai. Das Abgeordnetenhaus trat heute wieder zusammen. Chlumecky und Genoffen (Linke) interpellirten den Ministerprästdenten wegen des Tramwaystrikes: „Wie könne die Regierung die Unterlassung eines rechtzeitigen energischen Einschreitens zur Beilegung des Strikes erklären, und, da Excesse die Gefährlichkeit der bisherigen Konnivenz der Regierung gegen eine systematische Verhetzung gegen eine bestimmte Klasse von Staatsbürgern klar erwiesen haben: ist die Regierung gewillt, künftighin diesen Verhetzungen pflichtmäßig entgegenzutreten und für eine gleichartige Anwendung der bestehenden Gesetze gegenüber Jedem ohne Unterschied der Konfession und Parteistellung zu sorgen?" Der Justizminister Graf Schönborn erklärte in Beantwortung der Interpellation, daß er strenge dafür sorgen werde, daß den Jnstituttonen aller in Oesterreich gesetzlich anerkannten Kirchen und Religions-Genossenschaften der ihnen gesetzlich gewährleistete Schutz gegen Verunglimpfungen in der Presse immer zutheil werde. Wien, 8. Mai. Ein Antrag des antisemitischen Abgeordneten Bergan y betr. Einsetzung einer wissenschaftlichen Kommission zur Uebersetzung der jüdischen Schriften wurde nicht genügend unterstützt. Budapest, 1. Mai. Die Mai-Nummer der „M a g y a r - Z s i d 0 S z e m l e" veröffentlicht eine auf die jüdischen Gemeindeangelegenhetten bezügliche Verordnung des Kultus- und Unterrichtsminifters Grafen Albin Csüky vom 31. Dezember 1888, aus deren Inhalte wir das besonders die orthodoxen Gemeinden Jnteressirende hervorheben. Der Erlaß weist darauf, daß, als im Jahre 1881 den israelitischen Glaubensgemeinden die Organisation nach orthodoxen Normen gestattet wurde, damals offen ausgesprochen wurde, das Ministerium könne sich in eine Beurtheilung dieser Normen nicht einlassen und es wurde erklärt, daß in Folge dieser Verfügung die Zwistigkeiten zwischen den Orthodoxen und der Kongreßpartei aufhören werden. Diese Hoffnung habe sich jedoch nicht erfüllt. Darum könne der Minister seine-