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Der Israelit · 1889-05-13 · Heft 38 (13.5.1889) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 38 (13.5.1889)
Date
1889-05-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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674 Herren, welche sich noch der Reise anschließen wollen, Näheres und ausführliches Verzeichniß der Theilnehmer durch Herrn Hermann Schwarz in Erlau, Ungarn, erfahren können. Preffburg, 6. Mai. Anläßlich der Wahl des Obergespans Grafen Stephan Eszterhazy zum Ehrenbürger Preßburgs erwiederte derselbe auf eine Ansprache des Bürgermeisters, welcher ihn als begeisterten Patrioten pries, Folgendes: „Ich sehe in Ihrem Beschlüsse das liberale Ministerium geehrt. Stets wurde ich von unentwegtem Pflichtgefühle geleitet. Ohne Parteilichkeit und Beeinflussung habe ich immer die Rechte jedes Bürgers, ohne Unterschied des Standes, Ranges und Bekenntnisses respectirt. Auch fernerhin werde ich im treuen Dienste dieser Prinzipien des liberalen Ministeriums, das mich zu dieser Stelle berufen, im Interesse des Vaterlandes thätig sein. Hiezu erbitte ich Ihre Unterstützung." Die Worte des Obergespans wurden mit stürmischen Eljen-Rufen ausgenommen. Rußland. Petersburg. Dem dieser Tage verstorbenen Minister des Innern, Grafen Tolstoi wird nachgerühmt, daß er keine Judenhetzen habe aufkommen lassen und das ist ja gewiß ein Verdienst, wenn man bedenkt, daß sein Vorgänger im Amte, Graf Jgnatjew das gerade Gegentheil gethan hat. Australien. Kalkutta, 4. April. Das Neueste, das ich Ihnen zu melden habe, ist, daß das seit nahezu elf Jahre hier bestandene jüdisch - arabische Blatt „Paerah" plötzlich zu erscheinen aufgehört hat. Letzten Freitag ist die letzte Nummer dieses Blattes erschienen, in der der Herausgeber desselben, Herr Elias Moses Tauwech Cohen, anzeigte, daß er genöthigt sei, für einige Monate nach Europa zu gehen und stelle er daher für diese Zeit sein Blatt ein. Nach seiner Rückkunft gedenke er mit der Herausgabe seines Blattes fortzusetzen. Zugleich forderte er die Abonnenten auf, falls sie ihre Abonnementsgelder zurück verlangen sollten, sich diesbezüglich an den Herausgeber des englischen Blattes „Eastern Preß" hier zu wenden, der alles ordnen werde. Gestern hat sich Herr Cohen auf dem Dampfer „Thames" nach Europa eingeschifft. Da Herr Cohen bei der hiesigen Gemeinde „Kehilat Jeschurun" die Stelle eines Secretärs bekleidete, so wurde dieser Posten provisorisch mit Herrn Josef Jecheskel Juda besetzt, während die vom Herrn Cohen in der hiesigen Gemeindeschule innegehabte Stelle eines Lehrers einstweilen Herrn Hart verliehen wurde. So haben die Juden Asiens ihr einziges Organ, das sie bisher besessen, verloren, da das seit Kurzem in Smyrna erscheinende jüdisch-türkische Blatt „Estas" im Grunde genommen mehr für die Juden Europas als für die Juden Asiens berechnet ist, denn, welcher Jude in Arabien, Mesopotamien und Indien kann ein türkisches Blatt lesen? Für die Juden Vordcrasiens ist das Arabische die Muttersprache und sie können auch nur in dieser Sprache ihre Gedanken äußern und geistige Mittheilungen entgegen nehmen. Ob nun Herr Cohen wieder einmal ein jüdischarabisches Blatt ediren wird, das ist sehr zu bezweifeln. Uebrigens wurde Herr Cohen noch im vorigen Jahre von seinem Correspondenten in Europa darauf aufmerksam gemacht, daß, wolle er die Existenz seines Blattes sichern und demselben die erforderliche Anzahl von Abonnenten gewinnen, »so müsse er, statt fortwährend gelehrte Artikel und religiöse Disputationen zu bringen, der jüdischen Tageschronik mehr Aufmerksamkeit zuwenden und interessante Nachrichten von unseren Brüdern in Arabien, Afghanistan, Persien, Central - Asien 2c. bringen. Herr Cohen hat diesen Rath nicht befolgt, was im Interesse jener unserer Glaubensbrüder, die noch in den halbbarbarischen Staaten Asiens leben, sehr zu bedauern ist. Unser Vicekönig, Marquis of Landsdowne, hat unsere Stadt verlassen, um seine Sommerresidenz in Simle im Himalayagebirge zu beziehen. Bald werden auch die reichen jüdischen Familien unsere Stadt verlassen, um in ein kühles Seebad oder in das Himalayagebirge zu ziehen. Schuld und Slchne. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „Sie haben schon lange nichts zu sich genomnlen, liebes Kind", sagte Frau Karawelawska, „es ist Zeit, daß Sie Ihre Suppe trinken."

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