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Der Israelit · 1889-05-13 · Heft 38 (13.5.1889) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 38 (13.5.1889)
Date
1889-05-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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firma der „vereinigten Christen", nur in Verbindung mit den Hetzcaplänen machen sie von sich reden. Und wer sich mit denselben verbündet, wird, wie die Geschichte lehrt, immer betrogen. (Beifall.) Ich will Sie bitten, diesem Treiben gegenüber als Apostel nicht des vereinigten Christenthums, sondern, wie ich glaube, der echten Christlichkeit vorzugehen, denn im wahren Christenthume liegt die Gleichheit der Menschen vor Gott!" Dr. Weitlof bemerkte: „Hand in Hand mit dieser Partei geht eine andere, die sich auf dem Lande „antisemitisch", in Wien „vereinigte Christen" nennt. Diese Partei hat anfänglich das nationale Mäntelchen umgehängt. Diejenigen, welche da glauben, daß es nationale Sache sei, Antisemitismus zu treiben, mögen die Stammesgenossen im Reiche fragen, ob sie die Bewegung billigen, welche in den jüngsten Tagen dahin führte, daß das jüdische Besitzthum geschädigt und Läden jüdischer Geschäftsleute demolirt wurden. Das Heranziehen des Pöbels, der dann zwischen dem indischen und christlichen Besitz keinen Unterschied macht, zu Cxcessen billigen die Deutschen im Reiche keinesfalls. Wir, die wir in Wien leben, scheu, daß diese Art von Antisemiten nichts anderes sind, als Handlanger der Clericalen, Czechen und Slovencn. (Beifall.) Die größte Gefahr, so wird von dieser Seite gepredigt, soll den Deutschen Oesterreichs nicht von den Slaven, sondern von den Juden drohen. Unsere deutsche Bevölkerung in Oesterreich besteht aus 8 Millionen, denen 12 Millionen Slaven gegenüberstehen. „Die deutsche Eiche und die slavische Linde" — sagt Georg Schönerer, „ist bedroht vom jüdischen Borkenkäfer." In ganz Oesterreich leben nach der letzten Volkszählung 1 Million Juden — 700.000 hievon in Galizien und der Bukowina, welche Länder exeeptionelle Verhältnisse haben. Somit stehen diesen 8 Millionen Deutschen 300,000 Juden gegenüber. Und mit diesen sollten die Deutschen nicht fertig werden?" Budapest Der „Pester Lloyd" widmete der Veröffentlichung der Denkschrift des Wiener Cultusvorstandes über den Antisemitismus durch das „Vaterland" einen Leitartikel, in welchem gesagt wird: „Wenn diese Zeitungen, aus deren Aussprüchen die Beschwerdeführer dem Regierungschef ein hübsches Sträußchen darbieten, jahraus jahrein gegen einen Theil der Bevölkerung — den Staatsgruudgesetzen entgegen — in der unerhörtesten Weise losziehen dürfen, in einem Staate losziehen dürfen, in welchem Confiscationen so wohlfeil wie Brombeeren sind, ohne daß jenen Blättern seitens der Staatsbehörde das geringste Hinderniß in den Weg gelegt würde; wenn in Versammlungen, die nach dem österreichischen Gesetze ganz und gar dem Ermessen des Regierungsvertreters unterworfen sind, der k. k. Polizei-Commissär gleichmüthig zuhören sollte, wie immer gegen eine und dieselbe Confession Haß und Feindseligkeit gepredigt wird; muß da die Gemeinde der „vereinigten Christen" oder wie die Herren sich sonst nennen , sich der Connivenz einer hohen Regierung nicht für sicher halten? Und gibt es etwas Barbarischeres und Empörenderes, als wenn ein Staatsbürger seine Kinder in eine auch durch seine Steuergulden erhaltene öffentliche Schule schicken muß, von welcher er weiß, daß die Lehrkräfte die Religion seines Kindes verhöhnen und dasselbe zum Gegenstand des Abscheus in den Angen der übrigen Schüler machen? Solche Lehrer sind in zahlreichen staatlichen und communalen Anstalten Wiens angestellt, ohne daß es der Unterrichtsverwaltung einstele, jene Gesetze in Anwendung zu bringen, welche in Oesterreich gegen gewissenlose, eidvergessene Lehrer zu Recht bestehen. Als sich in Ungarn zwei Patrioten, von denen der Eine an einer Hoch-, der Andere an einer Mittelschule angestellt war, einfallen ließen, in das Hepphepp miteinzustimmen, da war es mit ihrer Lehrtätigkeit auch schon zu Ende, denn August Tröfort, den die Juden niemals als ihren besonderen Gönner zu betrachten gewohnt waren, fand sofort Mittel und Wege, um Leute aus ihrer Sphäre zu entfernen, in welcher dieselben nur ungeheuren Schaden anrichten können. Eine weitere notorische Thatsache ist es, daß entgegen dem österreichischen Staatsgrundgesctze, demgemäß „vor dem Gesetze alle Staatsbürger gleich, die öffentlichen Aemter füralle Staatsbürger gleich zugänglich sind und der Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte von dem Religionsbekenntnisse unabhängig ist", seit Jahr und Tag in Wien nur getaufte Rechtspraktikanten zu k. k. Auscultanten ernannt werden und daß durch die Praxis eine Minderwerthigkeit der jüdischen Amtsbewerber decretirt wird, an welche die Gesetzgebung sicherlich niemals dachte , die aber von der Bevölkerung nicht anders als in dem Sinne gedeutet werden, daß sie es in der That mit einem fremden Elemente zu thun habe, dem mau in der Rechtsprechung nicht den bescheidensten Wirkungskreis einräumen dürfe und dessen gesetzliche Aemterbefähigung zu ignoriren daher der Regierung als ganz besonderes Verdienst angerechnet würde." Budapest, 8. Mai. Die statt am 22. Mai nunmehr sicher am 26. Mai stattfindende Abreise nach Jerusalem via Fiume wird hierdurch nochmals bekannt gemacht, mit dem Bemerken, daß diejenigen

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