Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 38 (13.5.1889)
- Date
- 1889-05-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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672 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Abterode, 5. Wlai. Es war ein recht schwerer Gang, den wir hier am ersten Neumondstage des Isar zu machen hatten. Wir begleiteten die sterblichen Reste der Frau Betty Oppenheim zu ihrer ewigen Ruhe. Wohl noch nie waren hier bei einem Leichenbegängniß Theilnahme und Trauerallgemeiner und aufrichtiger als jetzt. Kein Auge blieb thränenleer ob des schweren Verlustes, den eine geehrte Familie, aber auch die ganze Gemeinde zu beklagen hatte. War doch auch die durch den unerbittlichen Tod in der Mitte ihrer Lebenstage von uns Geschiedene eine Frau von selten edlem Charakter. Freundlich und wohlwollend gegen jedermann, theilnehmend in Freud und Leid bedachte sie besonders die Armen und Dürftigen in wahrhaft rührender Weise. Es war ein b'n mx in des Wortes schönster Bedeutung, eine wahrhaft fromme Natur, die nicht anders sein, nicht anders gedacht werden konnte, als wahrhaft vornehm in Worten und Thaten. Aber die Krone ihrer Frömmigkeit, von der sie von Jugend auf durchdrungen war, war ihre Demuth, ihr einfaches und bescheidenes Wesen. Ihr ganzer Lebenswandel war ein o&n tsrnp. Darum erfreute sie sich auch gleicher Beliebtheit bei ihren Glaubensgenossen, wie bei Nichtisraeliten- — Bei der Vergegenwärtigung dieser edlen Frauenseele können wir nichts sehnlicher wünschen, als daß die Zahl derer, die ihr gleichen, sich vergrößere zum Segen für das zerstreute Israel. Ihr aber rufen wir als letzten Gruß nach: mso mns inDB'j win 'n dj;d nob» ■jrro»D ’nm w'Nli! Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien. Gestern Nachmittag starb hier ein interessanter Mann, Baron Ignaz Kolisch, dessen Name in den Kreisen der Schachspieler der ganzen Welt bekannt ist. Kolisch war im Jahre 1837 in Preßburg als Sohn armer Eltern geboren. Schon als Knabe beschäftigte sich Kolisch, welcher in Wien studirte, mit dem Schachspiel, und bald hatte der junge Mann, der sich dem kaufmännischen Beruf zugewendet hatte, ein großes Ansehen als Schachspieler erlangt. Während er in Wien in verschiedenen Handlungshäusern als Comptoirist bedienstet war, wurde er von einem bekannten Finanz-Aristokraten als Schachlehrer engagirt, und die Verbindung mit seinem Schüler übte auf die Karriere des jungen Geschäftsmannes noch oft bedeutenden Einfluß. Er hatte sich unterdessen vollständig dem Schachspiele gewidmet und gewann im Jahre 1867 in Paris den Grand prix Imperial, welcher Sieg ihm einen Weltruf als Schachspieler sicherte. Auch später noch zeichnete sich Kolisch in mehreren Londoner Schachturnieren aus und errang noch oft bedeutende Preise. St. Pölten, 28. April. Aus den Reden, die Dr. Kopp und Dr. Weitlof auf dem deutsch-liberalen Parteitag hielten, heben wir folgende Stellen heraus: Dr. Kopp sagte: „Die abscheulichsten Insinuationen werden uns zugedacht und noch eine neue, eigentlich alte Erfindung tritt zu diesen Verdächtigungen hinzu: mau sucht alles Uebel von den Juden herzuleiten. Es ist beschämend für unsere Zeit, daß wir mit dem anfaugen wollen, womit erleuchtete Geister vor Jahrhunderten gebrochen haben. Sowie es reiche Juden gibt, gibt es auch reiche Christen, welche unter Umständen nicht den besten Gebrauch von ihrem Reichthum machen, und was man speziell als jüdisch bezeichnet, Wucher und Betrug, kommt auch bei Christen vor. Derjenige, der, mag er selbst mit keinem Juden umgehen, nicht thut was die Schreier wollen, ist mit dem Worte Judengenosse abgefertigt. Es ist betrübend, daß die unwissendsten und unfähigsten Leute außcrodentlich Furore machen, die eigentlich nichts sagen können, als: Juden, Juden, Juden. (Lebhafte Zustimmung.) Als ich heute den hiesigen Bahnhof betrat, bekam ich ein Billet donx, in dem mir — allerdings nicht zum ersten Male — verschiedene Grobheiten gesagt werden , und ich muß es betrübend constatiren, daß dieser Brief orthographisch richtig geschrieben ist und eine schöne Schrift zeigt. In diesem Briefe heißt es (liest): „Wenn ein Deutscher seine ganze Lebensaufgabe darin findet, für die Interessen der Juden einzutreten, und seine Nation an diese zu verrathen, so ist das ein Verbrechen, welches nicht genug bestraft werden kann!" . . . (In der Rede fortfahrcnd:) was kann man darauf antworten? Gar nichts! (Beifall.) Es ist betrübend, zu sehen, daß die obersten und ersten Grundsätze, die in ihren Grundzügen von den Besten und Aufgeklärten in finsterer Zeit vertheidigt wurden, die Grundsätze der Gleichberechtigung, die es uns zur Pflicht macht, die Menschenwürde in Jedem zu achten, zu beurtheilen die Menschen nach ihren Thaten, nicht nach ihrer Geburt, heute noch vertheidigt werden sollen gegen Leute, die nur mit inhaltslosen Phrasen um sich werfen, die nicht begreifen, daß morgen auch gegen die Protestanten die Hetze losgehen kann. Für sich sind sie gar nichts, nur unter der Schein-