Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 38 (13.5.1889)
- Date
- 1889-05-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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des „U. O. B. B." als Fahnenband weithin leuchtend, des Ordens Heilesbotschaft dem gesammten Israel verkünden und der Welt zurufen.- „Es ist Alles ruhig und Alle sind wir durch Wohlthätigkeit, Bruderliebe und Eintracht innig verbunden und bleiben treu unserem Vorgesetzten Ziele der Selbstveredelung und der praktischen Humanität!" 1 * * 4) Diesen Worten wohnt eine solche unwiderstehliche Zauberkraft inne, daß sie das Wunder der Neubelebung an der fast schon dem geistigen Tode Verfallenen vollziehen und sie zu einem neuen, schöneren, kräftigeren Dasein bent „11. O. B. B." in die Arme führen. Beneidenswerther Philharmonie-Traiteur, beneidenswerthe Frau Wittwe Lichtenstein, die ihr begnadigt seid, daß euren Namen die Unsterblichkeit durch den „U. O. B. B." gesichert ist! O der Blindheit, die das Helle Licht nicht schaut, das aus der neuen Devise des „U. O. V. B."r „Speisen werden von dem Traiteur der Philharmonie und von der Frau Wittwe Lichtenstein verabreicht", in das nächtliche Dunkel der dem „U. O. B. B " nicht angehörenden Kreise seine beglückende Strahlen entsendet l O der Taubheit, die das Ohr der erhabenen Weisheit verschließt, welche in der durch den „U. O. B. B." geweihten Hallen die Philharmonie am 14. März 1889, Abends von 9 bis 10 Uhr so klar und überzeugend verkündet worden durch den so einfach klingenden Spruch: „Speisen werden von dem Traiteur der Philharmonie und Frau Wwe. Lichtenstein verabreicht." Sehet, höret, staunet, ihr Blinden und Tauben, und verneiget euch in Ehrfurcht vor dem hohen Geist des „U. O. B. B." Da waren sie versammelt die frommen Ordensbrüder und hatten auch ihre Gemahlinnen und Schwestern mitgebracht, ihre Söhne und Töchter und alle die, welche eine heilige Sehnsucht verspürten, das hehre Fest der von dem Orden veranstalteten Purimfeier im Kreise der Ordensbrüder mitzubegehen und sich an dem geläuterten und gehobenen Sinn derselben zu erbauen. Die Frauen, Kinder und Gäste sollten an dem mustergültigen Beispiel der Ordensbrüder sich erheben, sollten die Wahrheit schauen, in ihrem vollen Glanze wie nur der Vene- Berith-Orden sie erfaßt hat, sollten lernen, wie der „U. O. B. B." die jüdische Religion, das heilige Erbtheil Israels, versteht, wie er ein jüdisches Fest begeht. Da hatte der fromme Orden, welcher sich „Bene-Berith" nennt, zwei Tafeln decken lassen, 1) Wie in einem Berichte Seitens des Präsidenten Bruder Julius Fenchel, in der Sitzung der Groß-Loge von Deutschland Nr. VIII in Berlin am 30. Januar 1887 das Wohlbefinden des Ordens sich ausgedrückt findet. die eine mit Speisen besetzt, wie sie die fortgeschrit tene europäische Kochkunst zu bereiten versteht — der von dem frommen Geiste des „U. O. B. B." nicht erleuchtete Jude hält sie für unerlaubt, weil sie nicht unter Beachtung des jüdischen Religionsgesetzes bereitet sind, er nennt sie „trefa", er glaubt eine Sünde zu begehen, wenn er sie genießt —; die andere Tafel ist von einer jüdischen Frau hergerichtet worden, sie kann deßhalb als „koscher" gelten. Seht da, ihr Großen und Kleinen, ihr Brüder und Schwestern, ich lade euch ein zu einem „zwanglosen Souper ä la carte". Ein Jeglicher genieße nach seinem Belieben — trefa oder koscher. Ich zwinge niemanden trefa zu essen; ich dulde sogar, daß er koscher speist. Gibt es eine höhere, wahrhaftigere Toleranz? Und so thun sie sich denn gütlich zu Ehren des Purim, trefa oder koscher, dem erleuchteten, jüdischen Sinne des Ordens gilt es gleich, wenn es nur mundet: Er proklamirt den großen Satz seiner Lehre: es ist kein Verbrechen, koscher zu essen! Vielleicht auch, daß ein tieferer Sinn, vielleicht gar ein Mysterium, in dieser weisen Anordnung der trefenen und koscheren Bewirthung enthalten ist. Der Orden ist ja, wie wir gesehen, so sehr von der Purimfreude erfüllt gewesen, daß er zwischen Taanith-Esther und Purim schon vor Purim nicht unterscheiden vermochte. Wäre die Gefahr der allgemeinen Niedermetzelung nicht gewesen, so hätte die Rettung nicht stattfinden können. Wir sind also der Gefahr zu Dank verpflichtet. Wodurch war diese entstanden 2 Bmwrw miyoö wu». Der „U. O. B. V." beabsichtigt vielleicht, ein nochmaliges dj , und damit eine zweimalige Purimfeier herbeizuführen, deßhalb verleitet er die Brüder, Schwestern, Kinder und Gäste rniyD vjd ytn iniN bv, ebenfalls an trefenen Speisen sich zu erlaben. Vielleicht — wir sind nicht so anmaßend zu behaupten, in die tiefe Ordensweisheit eingedrungen zu sein.- Wahrlich, das trefene Büffet zur Feier des Purimfestes von dem Bene - Berith - Orden ist das Signum dieser von Juden gestifteten Vereinigungen. Etwas Jammervolleres läßt sich kaum denken. Gewahrt man denn gar nicht die entsetzliche Schmach dieser offenen Verhöhnung des Judenthums, empfindet man denn nicht, wie sehr man dein Spotte und dem Hohnlachen preisgibt, für eine solche Institution sich zu begeistern, in einen solchen Verein einzutreten2! Zur noch schärfer« Kennzeichnung des eigentlichen Wesens des „U. O. B. B." wollen wir aus unserer Raritätensammlung ein weiteres Schriftstück des „11. O. B. B." zur öffentlichen Kunde bringen. (Fortsetzung folgt.)