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Der Israelit · 1889-05-13 · Heft 38 (13.5.1889) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 38 (13.5.1889)
Date
1889-05-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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V«-.i W- : ~rs«5'V, -v ■;!%:■:• 670 gefälscht ist. Sollten wir uns hierin jedoch täuschen, und hier ein arger Mißbrauch des „U. O. B. 23." von unberufener Seite etwa in der Absicht geübt sein, um den Orden zu discreditiren, so sei hier förmlichst um eine betreffende Erklärung Seitens der Berliner Logen geziemend ersucht. In diesem, zweifelsohne völlig autentischem Schreiben, welches mit der Anrede „Werther Herr und Bruder!" einleitet, wird zu einer Purim- Feier für Kinder und Erwachsene" auf Donnerstag, den 14. März, „Nachmittags 5 Uhr präcise" eingeladen. Betrachten wir uns die Genüsse, welche von dem Festkomite, welches „weder Mühe noch Kosten gescheut, um den geehrten Festtheilnehmern Gelegenheit zu geben, diesen Abend in angenehmer Unterhaltung zubringen zu können", geboten worden, etwas näher. Zuvor aber eine kurze Bemerkung über Zeit und Ort dieser von dem Bene-Brith-Orden in der deutschen Reichshauptstadt veranstalteten Purim-Feier. Dieselbe sollte am Donnerstag den 14. März d. I. präcise 5 Uhr Nachmittags ihren Anfang neh; men. Purim war in diesem Jahre am Sonntags den 16. März. Am Donnerstag den 14. März war demgemäß Taanith-Esther. Nach dem Hannoverschen Kalender war an diesem Tage um 6 Uhr 43 Minuten Nacht. Die Zeit-Differenz Zwischen Hannover und Berlin ist nicht sehr erheblich. Der Beginn der Purimfeier — 5 Uhr — fiel also jedenfalls in die Zeit des Fasttages, und es ist jedenfalls im hohen Grade eine Ungehörigkeit, den Fasttag mit „Chokolade und Kuchen", „Festpolonaise" und „Rundtänzen", wie der erste Theil des Festprogramms ausdrücklich für die Zeit von präcise 5 Uhr an vorschreibt, zu begehen. Haben die Herren Bene-Berith-Brüder den Taanith-Esther abgeschafft und gilt für sie nur der Purim? Oder- Haben sie als o’rnr schon vor Purim die ninis6 msö tenno nn?, schon bei der Feststellung des Programms für die Purimfeier so gründlich erfüllt, daß sie nicht mehr zwischen Purim und Taanith- Esther unterscheiden konnten? Wie dem immerhin auch sein mag — ein jüdischer Verein, welcher angeblich hohe ethische Zwecke verfolgt, der, gelinde gesagt, so taktlos ist, am Fasttage ein Klim-Bim zu veranstalten — „Volksbelustigungen (Karrussell, Zauberkünstler rc)" nennt es das Festprogramm — spricht sich selbst das Urtheil. Wenn ein solcher Verein aber damit gar eine „Purimfeier" am Taanith-Efther, also eine jüdisch-religiöse Feier, begehen will, so ist das eine so starke Zumuthung, daß es an einer geeigneten Bezeichnung, welche sich innerhalb des gesellschaftlichen Anstandes hält, mangelt, um sie gebührend zu kennzeichnen. Zum Festlokale hatte man die „renovirten, glänzend hergeftellten Gesammträume der Philharmonie, Bernburgerftraße 22 a." gewählt. Wir sind mit den Berliner Verhältnissen nicht vertraut, glauben uns aber nicht in der Annahme zu irren, daß die Restauration dieses Lokals nicht nach streng jüdischem Ritus geführt wird, ja wir wagen den Gedanken zu hegen, daß die Restauration daselbst durchaus nicht in Rücksicht auf das jüdische Religionsgesetz eingerichtet ist. Sollten wir uns hierin im Jrrthum befinden, so zwar, daß die von dem Traiteur der Philharmonie geführte Küche eine jüdische sei, so bitten wir uns zu berichtigen. Also der erste Theil des „Purimfestes", wie das würdige Festcomite diese Veranstaltung nennt, nahm seinen Anfang nicht am Purim, sondern am Taanith-Esther, mit Polonaise, Rundtänzen, Chokolade, Kuchen, Karrussell, Zauberkünsten, Geschenkvertheilung u. s. w. und sollte bis um 9 Uhr währen. Der zweite Theil bestand nach dem Feftprogrqmm aus „Promenade-Conzert und zwangslosem Souper ü 1a carte." Wohlbedächtig heißt es hierin denk offiziellen Schriftstücke: „Speisen werden von dem Traiteur der Philharmonie und von Frau Wwe. Lichtenstein verabreicht." „Von dem Traiteur der Philharmonie" „und von Frau Wwe. Lichtenstein" — in diesen beiden Sätzen enthüllt sich dem sinnenden Geiste das ganze große Mysterium des Benc- Berith-Ordens, und mit staunender Bewunderung wendet er sich den weisen Männern zu, die es verstanden haben, die hohe Ordenslehre in zwei knappen, kurzen Sätzen, selbst der Einfalt eines Nichtgeweihten faßbar zu machen und durch eine anscheinend so einfache Einrichtung zur lebendigsten Anschauung zu bringen. „Speisen werden von dem Traiteur der Philharmonie und von Frau Wwe. Lichtenstein verabreicht" — wunderbare Worte! Offenbarung der tiefen weltbeglückenden Ordensweisheit! Darstellung des innersten Wesens des „U. O. B. 23.", Verwirklichung seiner erhabenen Grundprinzipien, Verkündigung des „öffentlichen" Ordensgeheimnisfes, wie der würdige Expräsident der Groß-Loge für Deutschland, Herr Julius Fenchel, sich ausdrücken würde, — nichts Anders als die Uebersetzung der wundervollen Ordens-Devise: W. B. u. E. Ü „Speisen werden von dem Traiteur der Philharmonie und von Frau Wwe. Lichtenstein verabreicht" — goldene Worte, die fortan das Symbolum der Ordens bilden und, an dem glorreichen Banner

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