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Der Israelit · 1889-05-09 · Heft 37 (9.5.1889) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 37 (9.5.1889)
Date
1889-05-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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660 sich bei Armeelieferungen erworben, während des Krtmkrieges und soll es bei der sprichwörtlichen Korruption der russ. Militär- und Civilbehörden ein Leichtes sein brillante „Geschäfte" zu machen. Obwohl die Provenienz seines Reichthums eine trübe war, erfreute er sich in den russ. Kreisen des besten Rufes, besaß sogar einige Orden, gab sich alS Stockrusse, trotzdem Fama im Stillen behauptete, daß er gar nicht russ. Herkunft sei und seinen ursprünglichen Namen Bader durch ein „off." russifictrt habe. Sei dem wie ihm wolle, Herr Demeter Baderoff war Mitglied des panslavistischen Comites und unterstützte mit dem „rollenden Rubel" die Bestrebungen dieses Vereins. Jetzt war er aus einer Jnspectionsreise seiner zahlreichen Fabriken begriffen und seine Ankunft in Lodz war für heute angekündigt. Seit einigen Monaten hatte er seinen Sohn, den 25jährigen lebenslustigen Alexis, der Fabrik attachirt, damit er das Geschäft erlerne. Aber der junge Cavalier kümmerte sich blutwenig um die Vorgänge in der Spinnerei und ging seinen Vergnügungen nach. Kein Wunder! Was sollte der Salonherrn, welcher sich auf dem Parquet in Moskau, Petersburg und sogar in Paris herumgetummelt, in der russischen Fabriksstadt? Wußte er doch, daß sein Aufenthalt hierselbst nur ein interimistischer sei, und daß bei ihm keine Neigung vorhanden war, einst der Leiter seiner väterlichen Fabriken zu werden. Er mußte sich wohl dem Willen, oder wie er es nannte!, der Caprice seines Vaters fügen, aber er glaubte auf dem Altäre des kindlichen Gehorsams ein genügendes Opfer zu bringen, wenn er sich überhaupt dazu herbeiließ, sich in diesem Fabriksneste zu langweil-"'. Und so suchte er seine Zeit, mit welcher er nich. anzufangen wußte, todtzuschlagen und dazu sollten ihm die Schönen der Stadt behilflich sein. Debora, ein im 18. Lenze stehendes Mädchen, prangte in der berauschenden Blüthe einer sich erschließenden Knospe, und Bauderoff jun. von dem Duste der frischen Blume angezogen, gerieth in Flammen. Sie fühlte sich von seinen Aufmerksamkeiten geschmeichelt und in ihrer naiven Unerfahrenheit, fiel es ihr nicht ein, ernste Reflexionen anzustellen, sondern ließ sich von den momentanen Eindrücken hinreißen, ohne an die Zukunft zu denken. Bei einer ihrer Freundinnen, eines Fabriksbesitzers Tochter, kamen sie öfter zusammen und Debora vom Zauber seiner Gesellschaft bestrickt, sah seine Annäherung nicht ungerne, von ihren Colleginnen ob dieser Auszeichnung beneidet. Ihre Eltern schenkten dem keine Aufmerksamkeit und es wäre ihnen auch nicht im Traume eingefallen, aus einem gesellschaftlichen Umgänge der jungen Leute irgend welche Consequenzen zu ziehen, war doch in erster Reihe schon der Religionsunterschied eine derartige Kluft, welche sich gar nicht Überdrücken ließ. Und dazu die soziale Stellung! er der Sohn des Millionärs Baderoff, sie die Tochter eines Buchhalters. Aber das junge Mädchen, die wie gesagt, keine Betrachtungen anstellte, ließ sich von den äußerlichen Vorzügen des Kavaliers fesseln und ohne sich über ihre Gefühle Rechenschaft abzulegen, hatte sich sein Bild ihrem Inneren eingeprägt. Jetzt als infolge der Ausweisungsordre ein Scheiden unvermeidlich war, fühlte sie einen Stich im Herzen und sie wähnte gar, Alexis nicht missen zu können. Das Leichtfertige, Spielende wich, und ihre Züge wurden ernst. Jetzt, da eine Trennung nahe gerückt war und ihre Empfindungen concrete Formen annahmen, erkannte sie erst die unübersteigbare Scheidewand, den Abgrund, an dessen Rand sie schwebte, und ängstlich schloß sie die Augen. Heute feierte ihre Jugendfreundin Amalia ihr Wiegenfest und dort wird sie ihn auch antreffen. Sic beschloß, ihr Benehmen darnach einzurichten und ihn merken zu lassen, daß seine Aufmerksamkeiten ihr unerwünscht seien, da doch die Scheidestunde bald schlagen müsse, indem es ihm doch nicht unbekannt sein konnte, daß auch sie von der Proscription ereilt wurde. Jetzt saß der soeben angelangte Baderoff senior im Fabriksbureau und Nenblum erstattete ihm Bericht über die wichtigeren Vorgänge in der Spinnerei. Außer den Beiden war nur noch der junge Alexis anwesend, welcher gelangweilt den Rauch seiner Cigarette von sich blies, während sich die größte Ungeduld in seinem Gesichte ausprägte. Ihm waren die geschäftlichen Auseinandersetzungen des Disponenten zuwider, um so mehr als er der ganzen Manipulation fernstehend, derselben gar kein Interesse entgegenbringen konnte. Neublum war mit seinem Rapporte zu Ende, der Chef nickte befriedigt und reichte ihm die Hand: „Herr Neublum, ich spreche Ihnen meinen aufrichtigen Dank für Ihre umsichtige Leitung und Eifer aus und zum Beweise meiner besonderen Zufriedenheit erhöhe ich Ihnen hiermit Ihren Jahresgehalt um 1800 Rubel und wünsche nur, daß Sie dem Geschäfte so viel r.j,e wie bisher entgegen bringen." Er wollte sich schon von seinem Sitze erheben, als Neublum erblassend und mit höherer Stimme erwiederte: „Herr Baderoff, ich weiß Ihr mir soeben erwiesenes Wohlwollen zu würdigen und bleibe Ihnen dafür dankbar, obwohl mir selbes nicht mehr zu gute kommen kann. Ich wollte Ihnen nämlich eben

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