Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 37 (9.5.1889)
- Date
- 1889-05-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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661 die Mittheilung machen, daß ich wie meine übrigen Glaubensgenossen, welche nicht nach Rußland zuständig sind, einen Ausweisungsbefehl erhielt, weßhalb ich leider gezwungen bin den Posten, welchen ich bei 20 Jahre, und wie ich jetzt die Genugthuung hatte mich zu überzeugen, zu Ihrer Zufriedenheit inne habe, aufzugeben, da ich schon nächsten Monat mit meiner Familie das Reich verlassen muß. Ich gab mich zwar der Hoffnung hm, meine Tage da beschließen zu können, wo ich so lange thätig war, aber im Rathe Gottes ist es anders beschlossen und ich muß mich,-wenn anchffchmerzlich berührt und im Innersten getroffen, zur Abreise rüsten. Ich werde meine alte Heimath aufsuchen und trachte mir dort eine Stellung zu erringen; möge Gott meine Mühe mit Erfolg krönen." Er hielt gerührt werdend inne, Baderoff saß einige Minuten von dieser Nachricht wie betroffen. Da schien ihm ein rettender Gedanke zu kommen, denn hastig sprang er von seinem Sitze empor und „ich hab's", kam es über seine Lippen. Neublum schaute gespannt auf seinen Chef, hoffend, daß dieser ein Mittel gefunden habe, sein Bleiben zu ermöglichen. Auch Alexis wurde aufmerksam, war es ihm doch leid, die schöne Debora vermissen zu sollen, und Herr Baderoff begann: „Aber Herr Neublum, es scheint, daß Sie in Ihrer Bestürzung auf die einfache Idee des Religionswechsels nicht verfielen. Es bedarf nur Ihrer Erklärung, daß Sie zu einer christlichen Confession übergehen und Sie bleiben weiter unbehelligt in Lodz und haben es nicht nöthig, einer unbestimmten Zukunft entgegenzugehen. Eine Religion ist schließlich doch nur eine Formsache, um dereutwilleu Sie hoffentlich die Existenz Ihrer Familie nicht aufs Spiel setzen werden. Ihre innere Ueberzeugung wird Ihnen Niemand rauben, es handelt sich nur um das Aeußere, tragen Sie dem Scheine nach den Intentionen der Regierung Rechnung und Ihr Gewissen kann von diesem Toiletenwechsel unberührt bleiben. Als Familienvater und als praktischer Mensch werden Sie sich doch keine überflüssigen Scrupel machen. „Um aufrichtig zu sein, ich möchte Ihrer Dienste nicht entrathen, ich bin bereit Ihr Gehalt bis auf 5000 Rubel zu erhöhen und einen Vertrag auf Lebensdauer abzuschließen. So wären Sie versorgt und ich bin überzeugt, daß Sie nach reiflicher Ueberlegung meinen Rath blfolgen und meine Proposition acceptiren werden. Ich bleibe bis morgen hier und erwarte bis dahin Ihren Entschluß." Er griff nach dem Hute, um sich zu entfernen, als Neublum wie aus tiefem Nachsinnen erwachend, antwortete: „Hier ist nicht viel zu überlegen und mein Entschluß ist schon gefaßt. Hinsichtlich des „Toilettenwechsels" werden Sie mir schon gestatten anderer Meinung zu sein. Keine irdische Macht wird im Stande sein, mich von meinen religiösen Begriffen abzubringen und so bitte ich Sie Herr Baderoff mich mit Ihren diesbezüglichen Rathschlägen zu verschonen, auf daß wir in Frieden scheiden." Der Chef reichte ihm stumm die Hand, verließ das Comptoir und Alexis machte sich auf den Weg, um Frl. Amalie seine Gratulation abzustatteu. (Schluß folgt.) Briefkasten der Expedition: Herrn Jos. Leitner, Talmudist, früher in Pöstjen: Wir bitten um Ihre jetzige Adresse. Herrn Moritz Gottlieb, früher in Rapperswhl: deßgl. M Avonnemenls- und Inseratenannahnre M 2» für Frankfurt a M. bei I. Kauffnrarrir, Buch. §§■ A handl; für Würzburg bei Iarob Bambrrger; ’S für München bei U.Kettettieim, Färbergraben 29; für Fürth in Bayern bei M.DLrntrergev, hebr. udeutsche Buchhandlung f Abonnement«- und Anse roten an «ahme _für Hamburg bei A. GotbsrhmiKt, Buch-! W Handlung, Üohlhöfen Nr. 35; für Köln bet W Keo Krank, probsteigaffe 17; in Böhmen, 1 Mähren «. österreich. Schlesien bei Jarob j K. Krankel», Buchhandlung in Prag. $ür den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. /Lsin Fräulein, Israel., in Sprache,: sowie y im gesammten Schulwesen durchaus tüchtig und erfahren, wünscht Stelle zur Führung eines kl. Haushalts, als Gesellschafterin oder Erzieherin größerer Kinder. Schriftliche Offerten besorgt unter W. 606 die Buchhandlung von I. Kauffmanrr in Frankfurt a. M. (2667 (Auche für meine Verwandte, welche mehrere Jahre in einer Stelle war, eine Stelle zur Besorgung der bürgerlichen Küche und zur Stütze der Frau in einer kleinen religiösen Familie; am liebsten in der Provinz Hannover. Auf Wunsch steht Zeugniß nebst Photographie zu Diensten. Offerten mit Angabe des Salairs unter Kr. 2629 befördert die Erped, d. Bl. gür einen löjährigen kräftigen jungen Mann mit guter Schulbildung wird Lehrlingsftelle in einem Getreidegeschäft gesucht. Offerten befördert unter X. Nr. 612 die Buchhandlung von I. Karrffrrrarnr in Frankfurt a. M. 2668