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Der Israelit · 1889-05-09 · Heft 37 (9.5.1889) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 37 (9.5.1889)
Date
1889-05-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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651 Kandwerk und schwere Arbeit bei den Israeliten Rumäniens. Vergleichende Studie zu deren Bildungsstand und -Bedürsniß. Von Dr. Elysee N, Cormann. *) I. Seinerzeit hat es Aufsehen erregt, daß der israelitische Menschenfreund, Herr Baron von H i rsch in Paris, mit einem Wohlthätigkeitsprojekt von Riesengröße vor die staunende Welt trat, in dessen vielumfassenden Rahmen Glaubensgenossen der verschiedensten Länder vorgesehen waren. Dies war für mich die Veranlassung einerseits aus privatem Wege meine schwachen Kräfte zum Wohle meiner landsmännischen Glaubensgenossen einzulegen, andererseits das nöthige Material zu sammeln, das geeignet wäre bei einer event. Bedenkung der rumänischen Israeliten zur Orientirung zu dienen. Die erste Folge meiner darauf gehenden Vornahmen waren die in diesen Blättern 1887 veröffentlichten drei Artikelserien, „Das israelitische Gemeindeleben in Rumänien", in welchen ich soweit ein einzelner Mann dieselben zu übersehen vermag, die Zustände meiner Glaubensgenossen in voller Naturtreue schilderte, deren Ursachen und Abhilfe angab, welche letztere eben mit dem Zweck der projektirten Stiftung — Unterricht — in Zusammenhang steht. Diesen Aufsätzen reiheten sich als natürliche Folge im vorigen Jahr die weiteren zwei Serien „Zehn Jahre nach „Lösung" der rumänischen Judenfrage" an, welche das nach Außen anzustrebende Ziel und Vorschläge, in welcher Weise es zu erreichen ist, enthielten. Im Nachstehenden beginne ich als dritte Frucht meiner Vornahmen eine Reihe von Erörterungen, die den gleichen Zweck haben und über deren Veröffentlichung ich schon durch meine Correspondenzen in Nr. 12 und 13 dieser Blätter vom laufenden Jahre die Voranzeige gemacht habe. Zu gleicher Zeit konzipirt und seit Oktober vorigen Jahres völlig fertig — ich habe vor der Absendung nur ein paar Anmerkungen von neuesten Daten gemacht — sollten die folgenden Aufsätze endgiltig dem edlen Herrn Baron v. Hirsch als Leitfaden dienen zur Ausführung seiner Pläne auch nach der Richtung der rumänischen Brüder hin und waren recht eigentlich dazu bestimmt ein auf Zahlen basirtes Memorandum zu sein. Verschiedene Gründe und Behinderungen aber ließen mir bis jetzt die Herausgabe derselben als nicht opportum *) Ohne volle Ueberschrift ist jede Reproduktion untersagt. erscheinen. Nun ich mich dazu entschließe, thue ich es nicht so sehr zu dem ursprünglich gedachten Zweck, als zunächst und in der Hauptsache, wie die Ueberschrift auch lautet, zum Nachweis über die Beschäftigung von Israeliten, und im Besonderen von rumänischen Israeliten, mit Handwerken jeder Art und mit den schwersten körperlichen Arbeiten, sowie als eine zahlenmäßige Zurückweisung der ewigen bodenlosen Beschuldigungen „die Juden wollen nicht arbeiten", „die Juden halten sich von jeder schweren Arbeit fern", die auch in dem von mir kritisirten Pamphlet Rudolf Bergner's, „Die Judenherrschaft in den Karpathenländern" mit Bezug auf rumänische Israeliten vom Stapel gelassen war (vgl. „Israelit" Nr. 10, 12, 13 a. c.) Ich kann es dabei freilich nicht unterlassen an den Thatsachen die Folgerungen zu knüpfen, die sich jedem denkenden Menschen mit Gewalt ausdrängen und die ich wenigstens nicht der Mann bin für mich zu behalten. Ob und was sich durch nachfolgende Leitung auf den rechten Weg wird erreichen lassen, muß ich dahinstellen. Jedenfalls glaube ich meine Pflicht zu thun, einerseits durch die Aufklärung eines größeren Publikums über den Gegenstand vorliegender Abhandlung, andererseits durch Entgegentreten einer eingewurzelten Beschuldigung, deren Abwehr zunächst zwar nur die rumänischen Israeliten betrifft, in ihrer Exemplifikation aber bei vorhandenen oder gegebenen Bedingungen auf alle Israeliten ihre Anwendung und Ausdehnung finden darf. Denn der Nachweis, daß — gleichgültig wo — Israeliten arbeiten, schließt in sich, daß sie — sammt und sonders — arbeiten können und arbeiten wollen. Wo dies nicht oder nicht in demselben Maße geschieht, wird es darum nicht an den Israeliten, sondern an den lokalen Verhältnissen, an den alten prohibitiven Gesetzgebungen, an dem ehemaligen ausschließenden Zunftwesen, an den Verfolgungen, welche die zur Ausübung des Handwerks nöthige Ruhe, Seßhaftigkeit und Lebenssicherheit nicht aufkommen ließen, sowie ganz zuletzt in der Einbildung derjenigen, die ein Interesse daran haben den Juden als einen Schwächling, Nichtsthuer u. s. w. hinzustellen und an dergleichen von den Israeliten nicht abhängigen, von ihnen nicht verschuldeten Umständen liegen, die erst bei dem Umschwung im Staatsleben seit 1848 und besonders seit 1870 verschwunden und darum auch einer größeren Betheiligung von Israeliten an der Arbeit Platz gemacht haben. Wenn diese noch keine ganze ist, so liegt es eben blos daran, daß wenige Jahre die Schuld der herrschenden Nationen von 1800 Jahren nicht gutmachen konnten. Unsere Feinde, denen nichts recht zu machen

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