Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 36 (6.5.1889)
- Date
- 1889-05-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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eS für einen Menschen haben kann, wenn er seinen Jähzorn nicht zu beherrschen weiß. Zu der Gattin des hiesigen jüdischen Banquiers D. Dina, war der Wechselagent, Herr Achilla Caglio-Cohen, gekommen, um im Aufträge seines Hauses, Gerson Vivante und Comp, in Paris, eine Schuld einzucassiren. Zwischen demselben und der Frau des Hauses kam es nun bald zu einem heftigen Streite — diese soll dabei eine Ohrfeige erhalten haben — worauf sie in der Aufregnng ein Küchenmesser ergriff und es dem Agenten in den Unterleib stieß, der augenblicklich tobt zusammenbrach. Die Mörderin, deren Gatte in einem Nebenzimmer krank darniederlag und von dem ganzen Vorfälle nichts wußte, wurde augenblicklich verhaftet. Der Getödtete, Caglio- Cohen, gehört einer geachteten Livorner Familie an und ist Familienvater. A u st r a l t e n. Melbourne. (Schluß.) In Verbindung mit dieser Synagoge ist auch eine hebräische Schule, in der die hebräische Sprache und Religion gelehrt werden. Die Anzahl der Schüler derselben ist eine beträchtliche. Vorsteher dieser Synagogengemeinde ist zur Zeit Herr Perl stein, Cassirer, Herr MendelCohn, während die Herren Stein selb, Sneiders, Barnett, Wachsmann k. den Ausschuß bilden. Die dritte Congregation dann, die von Street Kilda, welche in der gleichnamigen Hafenvorstadt liegt, unterscheidet sich sehr in ihrem Charakter von den beiden vorher genannten Congregationen, die eigentlich im Innern der Stadt liegen. Die Vorstadt Stteet Kilda ist nämlich reichlich geschmückt mit Villen und Gärten. Ihre Nähe zur Bai, die hier eine Curve bildet, so daß das Gestade hier dem bei Neapel ganz ähnlich ist, hat sie zu einem LieblingSquartier der reichen Bürgerschaft von Melbourne gemacht, und haben daher auch viele jüdische Kaufleute hier ihre Residenz. Schon vor zwanzig Jahren befand sich eine beträchtliche jüdische Gemeinde in dieser Vorstadt, und da sie ihre Entfernung vom Centrum der Stadt zu weit fand, so beschloß sie, sich zu einer selbstständigen Gemeinde zu konstituiren. Die Leiter dieser Bewegung waren der kürzlich verstorbene Herr Blooming ton und die Herren Benjamin, De Beer, Hart, Hallenstein und Michaelis. Letzterer legte später den Grundstein zur neuen Synagoge. Die genannten Mitglieder entfalteten damals eine große Energie, um ihr vorgestecktes Ziel zu erreichen, bis sie schließlich Sieger blieben. Die Synagoge, die sich in Charnwood Grove befindet, und von einer Menge von Akazien- und Eucelyptusbäume beschattet wird, ist ein einfaches Gebäude, das circa dreihundert Andächtige fassen kann. Die innere Ausstattung ist eine sehr zierliche, und ist das ganze Holzwerk derselben aus dem besten Cedernholz gemacht, das schwärzlich polirt ist. In einer kleinen Entfernung von der Synagoge liegt die Wohnung des Schammes und gleich neben derselben befindet sich auch die Gemeindeschule. Diese liegt in der Mitte eines herrlichen Gartens, dessen Blumenbeete einen bezaubernden Anblick gewähren und einen höchst wohlthuenden Geruch ausftrömen. Zur sabbatlichen Vormittagsandacht findet sich eine höchst elegant gekleidete Schaar von Andächtigen ein, die der Mehrheit nach jedoch aus Frauen und Kindern besteht. Die Synagoge besitzt auch einen vortrefflich geschulten Chor unter der Leitung des Herrn Joel Friedmann, der sehr viel zur Hebung der Andacht beiträgt. Rabbiner der Gemeinde ist Rev. Blaubaum, der ein besonderer Verehrer der hebräischen Literatur ist und eine Sammlung von Midraschim besitzt, die einzig in ihrer Art sein dürfte. Rev. Blaubaum gehört der Gemeinde schon seit ihrem Entstehen an, und wird von derselben hoch verehrt. Er erfüllt seine Amtspflichten mit der größten Gewissenhaftigkeit und Liebe. Er ist aufrichtig orthodox und perhorrescirt selbst die kleinste Neuerung. Er predigt jeden Sabbat und bedient sich dabei eines einfachen Englisch, so daß seine Worte leicht faßlich sind. Als Chasan fungirt der schon genannte Joel Friedmann, der zugleich auch als (Bibelvorleser) und Religionslehrer fungirt. Vorsitzender des Gemeindevorstandes ist Herr Michaelis, während als Cassier Herr Samuel fungirt. Die Gemeinde zählt jetzt an hundert Mitglieder. Wir sehen so, daß auch in dem jüngsten der fünf Welttheile der Stamm Jakobs blüht und gedeiht und eine höchst achtunggebietende Stellung einnimmt. Dabei ist er auch fortwährend bemüht, die ihm vom Ewigen gewordene Mission, die Einheit Gottes überall zu verkünden und zu verbreiten, getreulich auszuführen. Feuilleton. Schuld und Sühne. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Der Besuch in dem Krankenzimmer war dem Major bereits zur Gewohnheit geworden, zuweilen las er eine Zeitung dort, blickte jedoch hin und