Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 36 (6.5.1889)
- Date
- 1889-05-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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WWMWMMMl!MUWMD 635 Orden gepredigt wird, ist nicht diejenige Liebe, welche in dem vom Judenthum proklamirten: *jjn£ nanw lies wurzelt, sondern beschränkt sich nur darauf, die Genoffen des Ordens zu einer gegenseitigen freundschaftlichen Gesinnung zu verpflichten. Und was die „Eintracht", wie sie die Logen begreifen, anbetrifft.-, so gipfelt sie in dem Verlangen nach Harmonie unter den Genossen, unbeirrt um die religiöse oder richtiger irreligiöse Anschauung, Handlung und Lebensgewohnheit derselben. Mit dieser abgeblaßten, schalen Lehre von Wohlthätigkeit, Brüderlichkeit und Eintracht erhebt aber der Orden in der That den Anspruch den Juden das Höchste zur Pflicht zu machen, was von ihnen als Juden verlangt wird, wagt es seine „Logen" mit der Stiftshütte und dem Tempel auf Zion zu identifiziren, wie solches in seinem offiziellen Organ, „die Menorah" zu lesen ist, wagt es sich als „the Youngest offs hoot the ancient tree of Judaism“, „als den jüngsten Sprößling des alten Baumes des Judenthums" zu bezeichnen! Man weiß in der That nicht, wie man die Gedankenlosigkeit und die eitle Selbstbespiegelung kennzeichnen soll, die der zur Schau trägt, wenn er mit diesen armseligen Phrasen von dem „großen Bau" redet, den er ausführt, wenn er behauptet, damit „die Menschheit auf den Standpunkt des Wahren, Schönen und Guten zu erheben", und indem er das alte Judenthum verschmäht, die Juden unter dem Banner der Bene Berith höchstes Ideal für ihr höchstes Ideal sammeln will. Zur Kennzeichnung dieser verblendeten Selbstüberhebung sei auf den Bericht beispielweise verwiesen, welcher über die Konftituirung der „Maimonides - Loge" in Kairo von dem vorhin erwähnten offiziellen Ordens-Organe gebracht wurde. Zunächst wird der Zustand der jüdischen Gemeinden ^in Kairo als ein sehr kläglicher geschildert. „Die sephardische, sowohl wie die asch« kenasische Gemeinde hier („wenn man diese überhaupt Gemeinden nennen darf") heißt eS daselbst, „befinden sich in höchst ungeordneten Zuständen, denn sie haben weder einen Rabbiner noch einen geregelten Religionsunterricht und Gottesdienst. Um diesen beklagenswerthen Zuständen abzuhelfen, traten vor uugesähr einem Jahre einige der deutsch-israelitischen Gemeinde angehörigen Männer zusammen und beschlossen, dem in Amerika und Deutschland verbreiteten Orden B'nai-B'rith, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, „Israeliten zu vereinigen in dem Werke der Beförderung ihrer eigenen höchsten Interessen und der der Menschheit überhaupt", und den geistigen und moralischen Charakter des jüdischen Stammes « zu entwickeln, zu heben und zu vertheidigen, auch hier eine Arbeitsstätte zu errichten." Also, um den vermeintlichen Mangel eines geregelten Religionsunterrichtes und Gottesdienstes und Rabbiners zu beseitigen und die beklagenswerthen religiösen Zustände in Kairo zu bessern, wollten im Jahre 1886 einige jüdische Männer eine Bene-Berith-Loge daselbst errichten. Sie haben demnach in diesem Orden keineswegs einen Wohlthätigkeits-Berein erblickt, sondern vielmehr eine Institution, welche in eminenter Weise für die höchsten religiösen Interessen des Judenthums wirkt. Der Mangel eines Rabbiners, eines Religionsunterrichts, eines würdigen Gottesdienstes war es, für welchen sie Abhilfe durch den Orden suchten. Als sie sich mit ihrem Anliegen an das „Executiv- Comite in Rew-Aork wandten, wurden sie auch keineswegs dahin verständigt, daß der Orden nur eine Wohlthätigkeits- und auf Gegenseitigkeit beruhende Unterstützungs-Gesellschaft sei, vielmehr kam diese Central-Stelle den 27 Petenten aus Kairo „in liebevollster Weise" entgegen und betraute „den ehrwürdigen Ex-Präsidenten, Herrn Siegmund Simmel aus Berlin, mit der Konstituirung einer Loge in Kairo." Die siebenzwanzig Herren in Kairo halten also den wahren Zweck des Ordens ganz richtig erkannt, denn sonst hätte das Executiv-Comitö in New-Aork ihnen sagen müssen: liebe Leute, ihr irrt euch, der Bene-Berith-Orden hat sich ein so hohes Ziel nicht gesetzt; er will lediglich gewisse wohlthätige Werke in seinem Kreise üben und seinen Genossen eine gemüthliche und anregende Unterhaltung gewähren; mit den eigentlichen Religionssachen des Judenthums befaßt er sich nicht. Nun hätte man glauben sollen, das Exekutiv- Comitö würde es für genügend erachtet haben, den im fernen Afrika wohnenden 27 Juden einfach die Statuten des Ordens mitzutheilen und vielleicht noch einige practische Rathschläge zu ertheilen. Aber weit gefehlt! So einfach ist das Ding gar nicht. Das Comit6 in New-Aork beschließt, einen Herrn in Berlin mit der Konstituirung einer Loge in Kairo zu betrauen, und dieser Herr muß, um die ihm von Amerika übertragene Mission zu vollziehen, die weite Reise von Berlin nach Kairo unternehmen. Wer sieht nicht hierin, daß es sich um Enthüllung großer geheimnißvoller Dinge handeln muß, daß die Einführung in das Mysterium des Ordens nur von Mund zu Ohr geschehen kann, daß die Lehre von den Symbolen des Ordens und die Ausübung seines Rituells nur nach persönlicher, schwieriger Unterweisung stattzufinden vermag?!