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Der Israelit · 1889-05-06 · Heft 36 (6.5.1889) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 36 (6.5.1889)
Date
1889-05-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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634 „Israeliten zu vereinigen in dem Werke der Beförderung ihrer eigenen höchsten Interessen und der der Menschheit überhaupt, den geistigen und moralischen Charakter unseres Stammes zu entwickeln, zu heben und zu vertheidigen; die reinsten Prinzipien der Menschenliebe, Ehre und des Patriotismus ihm einzuprägen; Wissenschaft und Kunst zu unterstützen ..." Es ist somit durchaus evident, daß der Bene- Berith-Orden für die „höchsten" Interessen der Israeliten die Genossen vereinigt. Er will den Charakter des jüdischen Stammes veredeln, will ihm die reinsten Prinzipien der Menschenliebe einprägen. Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß das höchste Ideal der Juden selbstverständlich kein anderes sein kann als das jüdische, d. i. das von Gott selbst dem israelitischen Stamme gesteckte: die praktische Erfüllung des jüdischen Religionsgesetzes und die Vertiefung in den Geist desselben. Der von Gott mit Abraham für alle seine Nachkommen geschlossene „Berith", der von Gott mit ganz Israel in allen seinen Geschlechtern errichtete „Berith am Choreb, das von Gott Israel übertragene Priesteramt der Menschheit — das ist das einzige Ideal, welchem alle Juden ausnahmslos ihre ganze Kraft, ihr ganzes Wesen ungetheilt zu weihen haben. Das „höchste Interesse" der Israeliten kann demgemäß in nichts Anderem bestehen, als in der Erkenntniß des jüdischen Religionsgesetzes und der gewissenhaften Befolgung desselben. Der „geistige und moralische Charakter" des jüdischen Stammes kann nur in der Pflege und Verbreitung dieser Erkenntniß, in der Begeisterung für die Erfüllung der Gesetze des Judenthums und in der Durchdringung des ganzen Wesens mit dem Geiste des Judenthums eine Förderung erfahren. Die „reinsten Prinzipien der Menschenliebe, Ehre und des Patriotismus" wurzeln lediglich in der jüdischen Lehre. Wenn demnach zugestandener Maße die Lehre des B. B.-Ordens nicht das Judenthum selbst, d. h. das in schriftlicher und mündlicher Ueberlieferung niedergelegte Religionsgesetz, als das einzige Ideal rückhaltlos anerkennt und zur Basis seiner Bestrebungen macht, so proklamirt er ein anderes höchstes Lebensprinzip für Juden, als das ihnen von Gott gegebene, so verleugnet er die jüdische Lebensaufgabe, so stellt er sich außerhalb des Judenthums, so verführt er seine Genossen zum Abfall und Treubruch, so trägt er den Verrath in die Kreise der jüdischen Gemeinden. Die Ordensbrüder sind demgemäß vom Judenthum abgefallene Irrende, die einem andern als dem jüdischen Prinzipe huldigen. Sie betrügen sich und Andere um die Erkenntniß der jüdischen Pflicht und richten eine heillose Verwirrung in dem Kreise der jüdischen Gemeinden an. Jener Amtsbruder, der unumwunden erklärte, die Loge habe ihn dem Judenthume wiederum zugeführt, da sie ihn zum Bewußtsein gebracht, daß man ein guter, frommer, für das Judethum begeisterte Jude wäre, wenn man auch den Sabbat entweihe und die Speise- und „Ceremonial"-Gesetze nicht beobachte, hat in der That die Lehre des Ordens richtig erfaßt. Dieselbe will allerdings an Stelle der jüdischen Lehre und des jüdischen Gesetzes ein selbst erklügeltes, vom Judenthum losgelöstes Prinzip als das höchste Lebensideal setzen, in dessen Verwirklichung sich die Aufgabe des Juden erschöpft. Sie faßt dieses in das Motto zusammen: „Benevolence, Brotherly Love, and Harmony“. „Wohlthätigkeit, Bruderliebe und Eintracht", zusammen. Die Ordensbrüder unterzeichnen sich deßhalb in ihren schriftlichen Mittheilungen; „In W. B. und E.:" Nun lehrt allerdings das Judenthum die Pflicht der Wohlthätigkeit, Bruderliebe und Eintracht unter seinen vielfachen Geboten; es erschöpft aber jdamit keineswegs den vollen Inhalt seiner Anforderung an den Juden. Wenn demnach auch in Wirklichkeit der „B. B. O." Wohlthätigkeit und Bruderliebe in dem ganzen Umfange wie es das jüdische Religionsgesetz verlangt, begreifen und von seinen Mitgliedern die gewissenhafteste Ausführung der jüdischen Zedaka- und Gemiluth-Cassodim- und Bruderliebe- Pflicht heischen sollte, so würde er nur einen geringen Bruchtheil des Judenthnms anerkennen, das Judenthum selbst aber verleugnen. Nun steht es aber außerdem außer jeglichem Zweifel, daß indem Bene-Berith-Orden keineswegs auch nur diese Lehre nach Maßgabe des jüdischen Religionsgesetzes den Ordensbrüdern vorgetragen und zur unverbrüchlichen Ordenspflicht gemacht werden. So wird z. B. nicht der Begriff der Wohlthätigkeit an der Hand des jüdischen Religionsgesetzes erläutert, daß ein Jeglicher mindestens den zehnten Theil seines Jahresverdienstes für Arme und solche heilige Zwecke, die man sonst nicht hätte erreichen können, zu verwenden habe. Man begnügt sich vielmehr nur im Allgemeinen von Wohlthätigkeit zu reden und die Genossen gegebenen Falls für gewisse wohlthätige Zwecke zu interessiren. Die strikte Befolgung der jüdischen Zedaka- und Gemiluth-Chassodim-Pflicht, wie solche in dem jüdischen Gesetze eingehend codifizirt ist, zu verlangen, ja auch nur zu lehren und den Genossen zu der gewissenhaftesten Danachachtung zu empfehlen, daran wird gar nicht gedacht. Und die Bruderliebe, welche in dem Orden gepredigt wird, ist nicht diejenige Liebe, welche in

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