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Der Israelit · 1889-05-02 · Heft 35 (2.5.1889) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 35 (2.5.1889)
Date
1889-05-02
Page
– (sequence 22)
Language
German
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630 oder untauglich gewordenen Gliedern der israelitischen Lehrerwelt beizuspringen und sie, resp. deren Angehörige zu unterstützen. Was wir aber wollen, das unterscheidet sich wesentlich von jenen Veranstaltungen. Wir wollen — und das ist der Kernpunkt unserer Vereinigung — das Los der noch tauglichen und im Amte stehenden Kollegen nach besten Kräften und mit den besten Mitteln zu verbessern uns bestreben; wir wollen, so lange wir noch in Wirksamkeit sind, darnach ringen, uns eine Stellung zu erobern, die uns im Interesse der Gemeinde und des Staates einzunehmen gebührt; denn „was nützt mir warmes Vier nach meinem Tode!" sagt ein altes Sprichwort. Darum rufe ich allen, die es angeht, recht eindringlich zu: „Helfet das Werk vollbringen! Ihr tretet dabei aus den engen Schranken des Egoismus heraus und nehmet thell an einer gemeinnützigen Sache!" n« btm p:n vriN1?! Einer stehe dem andern bei, daß man fürder zum Bruder sprechen kann: Sei guten Muths! Was ich mir endlich über die Wirksamkeit des Bundes gedacht habe, will ich nun in großen Umrissen darthun. Dieselbe braucht sich meines Erachtens nicht gerade über didaktische und methodische Fragen innerhalb der Schulpraxis zu verbreiten; dafür lassen wir am besten den einzelnen Vereinen, die durch Errichtung des Lehrerbundes in keiner Weise beeinträchtigt oder gar angetastet werden sollen, wie bisher, den weitesten Spielraum. Sie mögen auch fernerhin fortfahren, zum Segen unserer Schulen zu tagen, zu berathen und zu fördern, wo und wie es ihnen beliebt. Unser Bund aber soll es sich zur ganz besonderen Aufgabe machen, die materielle und soziale Stellung des ganzen deutschisraelitischen Lehrerstandes nach besten Kräften mit zweckentsprechenden Mitteln zu heben. Die erste Aufgabe, vor der wir stehen, ist die äußere Organisation des Bundes. Sie läßt sich nach meiner Meinung leicht erwa auf die Weise lösen, daß fürs erste die Vorstände der für unsere Idee gewonnenen Lehrervereine nach Erlaß eines Aufrufes zur Fixirung der Bundesstatuten und zur Wahl einer Centralstelle gemeinsam zusammentreten. Diese Centralstelle muß thunlichst im Herzen Deutschlands sich befinden, damit sowohl der äußerste Süden, als auch der äußerste Norden unseres Vaterlandes an den Berathungen und Zusammenkünften ohne erhebliche Schwierigkeiten teilnehmen können. Zu diesem entsendet jeder einzelne Lehrerverein eines seiner Vorstandsmitglieder oder einen sonstigen Vertreter. Es würde den Rahmen meines heutigen Vortrages überschreiten und zu weit führen, wenn ich mich noch weiter über die organisatorische Thätigkcit verbreiten wollte; es muß dies Sache des ersten Bundestages bleiben. Was aber die innere Thätigkeit des Bundes werden soll und welcher Art diese nach meinem Dafürhalten sein muß, will ich hier mit wenigen Strichen andeuten. 1. Es muß die erste Berufsthätigkeit des Bundes sein, von der Zentralstelle aus eine förmliche Statistik über sämmtlicheStellen der Bundesvereine einzuziehen. Diese soll sich über Gehalt und Beschäftigung des Lehrers, über Charakter und Aufsicht der Schule u. s. w. erstrecken. Auf diese Weise kann später dem um eine Stelle sich bewerbenden Lehrer eine sichere Handhabe geboten werde», sich über solche Verhältnisse zu erkundigen, die ihm sonst in der Regel verhohlen bleiben würden. Daß aber solche Mittheilungen von höchster Wichtigkeit find, braucht in einer Versammlung von Lehrern wohl nicht erst besonders hervorgehoben werden; ich will indeß nur ein mir bekannt gewordenes Beispiel hier anführen, welches so recht deutlich zeigt, von welcher Tragweite derartige Erfahrungen sein können. Ein jüd. Lehrer war in der Provinz Posen definitiv angestellt. Er bewarb sich später verbesserungshalber um eine Stelle in ' der Provinz Schlesien und fragte dabei zugleich bei dem Vorstande der betreffenden Gemeinde an, ob die dortige Schule eine öffentliche sei oder nicht. Er erhielt zur Antwort, daß dieselbe öffentlichen Charakter trage. In Rücksicht darauf nahm der Kollege das Engagement an. Aber wie stutzte unser Freund, als ihm gleich in den ersten Tagen seiner neuen Amtsthätigkeit derselbe Vorstand aufforderte, einen Kontrakt zu unterschreiben, aus dem der Kollege entnahm, daß er angeführt und in die Patsche gerathen war. Es war aber ein energischer Mann, dieser Lehrer, der alle Instanzen zur Geltendmachung seiner berechtigten Ansprüche durchlief, allein es hat ihm leider nicht nur nichts genützt, sondern er hat noch obendrein auch diese Stellung aufgeben müssen. Solche .Enttäuschungen werden in Zukunft ganz schwinden, wenn der Bund es sich angelegen sein läßt, in der vorgezeichneten Richtung zu arbeiten.*) Wir werden alsdann aus dem Fluch dnr Tauchocho herausgehen und nicht mehr sein itwo onnso LMv nbcio jmn bw und nicht mehr aufs Gerathvwohl eine zweifelhafte Stelle annehmen. 2. Die weitere Berufsthätigkeit des Bundes muß sich auf Rechtsschutz beziehen. Gar oft *) Wie denkt sich der Herr Verfasser diese Sache für Gegenden, in denen keine isr. Lehrervereine find ¥ Sind diese ausgeschlossen ¥

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