Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 35 (2.5.1889)
- Date
- 1889-05-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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620 Synagoge, in herkömmlicher Weise -nano r6’E>n abgehalten. Vor einigen Monaten war ich dorthin zur Leitung einer Generalversammlung eingeladen. Es waren auch die Juden der naheliegenden Ortschaften erschienen und haben sich auf Grundlage eines von mir verfaßten Spezialstatutes als Filialgemeinde konstituirt. Bei dieser Gelegenheit habe ich mich überzeugt, daß die Synagoge in Ordnung erhalten wird; nur das rva, in welchem sich zahlreiche alte nmLv befinden, ist in vernachlässigtem Zustande, und dies deßhalb, weil das Eigenthumsrecht in Frage steht. Jedenfalls aber steht es fest, daß an genanntem Orte einst eine Gemeinde mit schönen jüdischen Institutionen vorhanden war. Die niIpn und Beschlüsse im ^npr, dp:b, welche teilweise vom Landrabbiner unterschrieben sind und gewiß ohne bureaukratisches Gelüste und wichtig thuende Amtsmienen verfaßt wurden, könnten noch heute mancher Gemeinde zum Muster dienen. Am nvv o"rm hat die hiesige orth. Cultusgemetnde eine zahlreich besuchte Generalversammlung abgehalten. Aus dem Rechenschaftsberichte war zu entnehmen: daß die Zahl der Gemeindemitglieder um 63 sich vermehrt hat; daß für den Religionsunterricht der armen Schulkinder gesorgt ist und daß die Armen unterstützt werden mit besonderer Berücksichtigung des: mn« i»vmp -p’y ”jy Die Stadtkommunität hat einen vom Vorstande der isr. Cultusgemeinde zum Tempelbau verlangten Grund unentgeltlich bewilligt. An der Spitze unserer Gemeinde steht Landesadvokat Jsak Blumenfeld. Derselbe hat die beinahe eingeschlunnnerte Gemeinde aufgeweckt und soweit gebracht, daß sie eine Mustergemeinde bilden kann. Rabbiner I. Horowitz. Feuilleton. Mistzr GrschWr, Volks-M FaMieusreilell als Stoffe der bildenden Kunst. (Schluß.) Im Jahre 1868 machte „der große Sanhedrin" des Maler Edouard Moyse lebhaftes Aufsehen. Bekanntlich regelte 1806 diese große Versammlung von Rabbinen, Gelehrten und französischen und italienischen Notabeln in definitiver Weise die staatlichen Rechte und Pflichten der Juden, und dem Künstler gelang die Wiedergabe der imposanten Ceremonie, der schwarzen Gewänder und strengen Physiognomien — alles unter ruhigem Lichte — sehr gut. Etwas dürftig sind desselben Künstlers kürzlich zu dem Werk des Pariser Rabbiners Zadok Kahn, La vie juive, erschienene Radkrungen. Die Predigt des Daran Eardoso in der Amsterdamer Synagoge am 22. Juli 1866 von Ed. Brandon, eine Synagoge in Livland von dem russischen Maler Alexander Rizzoni, von eben demselben „Synagoge in Rom" gehören zu jenen genrehaften Synagogenbildern, deren frühestes — unserm Wissen nach — des Danziger Malers Stryowski „polnische Juden in der Synagoge (Berlin 1862) waren. Nicht vergessen wollen wir zwei jüdische Bilder des brillanten Robert Fleury „Brand im Judenviertel" und Ecole Juive; das Amsterdamer Judenviertel von A. Achenbach (— Schiffe — viel häßliches altes Gemäuer)! Wahre Perlen realistischer Darstellung finden sich unter den von jüdischen Künstlern gezeichneten Illustrationen zu den soeben erschienenen Contes Juifs von Sacher Masoch. Pari«. Maison Quantin 1888), worauf wir uns erlauben möchten, die Aufmerksamkeit unserer Leser zu richten. Der Inhalt dieser Erzählungen beschäftigt uns gegenwärtig nicht; die eigentlich humoristischen Blätter sind auch vielleicht das am wenigsten Ansprechende des prächtig ausgeftatteten Buches. Die Darstellungen allgemeineren Inhalts aber — einfache Scenen der Häuslichkeit, Charakterfiguren, schöne Mädchengestalten sind vollendet in Auffassung und zeichnerischer Durchführung. Namentlich entzücken durch geistreiche Technik und Natur - Treue eine Reihe elsässischer Bilder von Vogel. Den Löwenantheil des Ruhms beanspruchen indessen die Blätter Edouard Loewy's, von dem wohl auch jene originellen Zierstücke zu Anfang und Schluß der Erzählungen sind — Geräthe des Kultus: Gebetmäntel, Chanuka-Leuchter und Kinderspielzeug! — ganz schlicht hingezeichnet, aber wie großartig in ihrer ungesuchten Wirkung und in ihrer naiven Treue. Für unser Thema ist das Maßgebende der Grad der nationalen Charakteristik. So müssen wir, wenn auch ungern, von einer Würdigung der biblische Stoffe behandelnden Werke des hochberühmten Eduard Vendemann: Die trauernden Juden im Exil zu Babylon 1832 und Jeremias auf den Trümmern von Jerusalem (1836) hier absehen. Auch in Kaulbachs großartigen Eompositionen fehlt — selbst im Peter von Arbues, dem bekannten Sensatiousbild — die nationale Intention. Adolf Menzel aber, der Meister aller Charakteristik, bietet uns in seinem Bilde „Aus der Alt- Neu-Synagoge zu Prag" (1853) eine Scene, zu deren realistischer Kraft sich der Zauber der Stimmung und Auffassung gesellen. Eine Beschreibung