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Der Israelit · 1889-05-02 · Heft 35 (2.5.1889) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 35 (2.5.1889)
Date
1889-05-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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i- T- 618 die antisemitischen Ideen, was nicht zu leugnen ist, denn ich könnte Thatsachen davon anführen, in jugendlichen Köpfen Platz gegriffen haben, bei den Bürgern finden sie gar keinen Anklang. Bei dem im Juni in Bochum stattfindenden Antisemitentag beabsichtigen die Judenhetzer auch eine Ausstellung von Büchern, Broschüren antisemitischen Inhalts damit zu verbinden. Am 9. und 10. Juni findet in Dortmund die Conferenz der israel. Elementarlehrer für Rheinland und Westphalen, sowie auch zugleich die General-Versammlung der Unterstützungskasse des Vereins statt. St. Leipzig. Gestern Abend und heute Vormittag wurden ote Flugblätter, welche man an fremde Israeliten bezüglich der Wahl der Wohnung u. s. w. erlassen wollte, in einer Auflage von 600 Exemplaren verschlossen vertheilt. Die Ausführung dieser Unternehmung gelang vortrefflich und hatte entschieden sofort Erfolg. Es waren 32 Gaftwirthe, 47 Geschäftsinhaber und 4 Zeitungen genannt, die nicht von fremden Israeliten unterstützt werden sollten. Montag und Dienstag werden abermals Flugblätter verschlossen vertheilt werden, um den fremden Israeliten einigermaßen zu dienen, damit dieselben nicht wie früher in wohl bekannten Hotels abgewiesen werden. — Der Antisemit Dr. Ackermann, Redacteur eines Chemnitzer Blattes ist wegen Betruges im Rückfall zu 2 Jahren Gefängniß verurtheilt worden. K. W. Leipzig. Die antisemitische Versammlung in der Tonhalle verlief still. Der große Saal war nicht ganz besetzt; es mochten vielleicht 300 Personen dagewesen sein, darunter eine große Anzahl Sozialdemokraten. Die Versammlung leitete der Herr von Sonnenberg ein mit einer Maßregel, die einst die Ritter der Landstraße ihr Privileg nannten. Dr. Försters Vortrag war zwar anfänglich ein geschichtlich-historisches Meisterstück — später aber eine schrankenlose Judenhetze. Vorträge dieser Art verdienen überhaupt keine Beachtung, sondern sind nur dazu geschaffen die pöbelhafte Bewegung zu erweitern. Die Lokalpresse, vornehmlich die Zeitung und das Tagblatt berichten sehr überschwenglich. Gänzlich übergingen die amtlichen Nachrichten die Komödie. Das genannte Blatt wies sogar die Anzeige zurück und die Antisemitenblätter schrieben: Wiesenthals Einfluß hat dieses Blatt verjudet! — Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie», 25. April. Während des vergangenen Peßachfestes war unsere jüdische Volksküche fast täglich ein Gegenstand heftiger und wüthender Angriffe von Seite unserer — Hungrigen und Armen, In hellen Schaaren kamen sie herbeigeströmt ohne Rücksicht auf die Confession, Juden, Katholiken und Protestanten und ohne Unterschied des Standes, Talmudjünger, Studenten, Maurergehilfen, Ziegelträgerinnen, Hausner, Marktweiber, Fabrikmädchen, Handwerker rc., um sich an dem zu Ehren des Festtages reichlich und gut besetzten Tisch Israels zu laben und gütlich zu thnn. Da auch noch ein Paar hundert jüdische Soldaten der hiesigen Garnison zu verpflegen waren, so war der Andrang zur Volksküche ein ungeheuerer und die Sicherheitswache, die aufgeboten war, um die Ordnung aufrechtzuerhalten, hatte ihre Hände voll zu thun, um den Eingang zum Speisesaal frei zu halten und die Circulation zu ermöglichen. Der Vorstand der Volksküche hatte jedoch den feinen Takt, daß er für die Soldaten, die doch des Kaisers Ehrenrock tragen, einen eigenen Speisesaaal mit einem eigenen Eingänge errichtete, so daß diese sich nicht unter die übrigen Armen zu mengen brauchten und auch mit der größten Bequemlichkeit zu den aufgestellten Tischen gelangen und daselbst in voller Ruhe und mit allen Ehren die ihnen Vorgesetzten Speisen verzehren konnten. Die anderen Armen hingegen mußten oft eine halbe Stunde oder noch länger auf der freien Gasse warten, bis sich auch ihnen die Pforten der Glückseligkeit öffneten und auch sie an den gastfreundlichen Tischen der Volksküche Platz nehmen konnten. Zufällig führte mich auch mein Weg am ersten Peßachtage an der Volksküche vorüber, und als ich dort die Menge der auf der Gasse harrenden Gäste erblickte, die zumeist Maurergesellen und sonstige Taglöhner waren und fast ausschließlich der christlichen Confession angehörten, so fragte ich sie voller Neugierde, warum sie hier bei der kalten Witterung auf der Gaffe stehen und sich hin- und Herstoßen lassen, während sie doch gleich gegenüber die christliche Volksküche haben, wo es gar keinen Andrang gibt und wo man noch dazu das liebe Brod bekommt, das doch gewiß besser ist, als die trockenen und ungesalzenen Mazzos. Die Antwort, die mir nun ward, lautete dahin, daß die Speisen in der jüdischen Volksküche bedeutend besser zubereitet werden, als in der christlichen, auch seien die Portionen hier größer, und zumal Heutes, da es einen Festtag gibt, so dürfte inan schon etwas besonders Gutes erwarten. Also hatten diesmal die Fleischtöpfe Israels den Sieg davon getragen über die Tintenfässer der Antisemiten, denn das hiesige antisemitische Tagblattt hatte noch am selben Tage

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