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Der Israelit · 1889-05-02 · Heft 35 (2.5.1889) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 35 (2.5.1889)
Date
1889-05-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX. Jahrgang. Erste BeilllgeM^Z5des,,I8raM''L.,Ieschurun". Telegramm. Berlin, 1. Mai. Den hiesigen Abendblättern telegraphirt man aus Sandomierz im Gouvernement Radom in Rußland, daß in dieser Stadt das Judenviertel total niedergebrannt und in Folge dessen viele Tausende unserer Glaubensgenossen ohne Obdach und ohne Nahrung sich befinden. (Es bedarf wohl blos der Mittheilung dieser erschütternden Thatsache, um unsere stets opferfreudigen Brüder und Schwestern zu veranlassen, auch hier helfend und rettend einzugreifen. Wir sind gern bereit. Gaben entgegenzunehmen und weiter zu befördern. Redactiou.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Schwabach. Die verehrten Leser Ihres sehr geschätzten Blattes sind seit Jahren gewöhnt, wenn des hiesigen Platzes Erwähuung geschieht, daß es sich um Schilderung unserer n"n-Schule handelt, die es sich zur Aufgabe macht min pme zu sein, und diese ihre Aufgabe in anerkennenswerter Weise löst, umsomehr bedaure ich, gezwungen zu sein, heute eine traurige Botschaft bringen zu müssen, die bei der großen Bekanntschaft, die der Mann, dessen ich hier gedenken will, in weiten Kreisen hatte, gewiß allgemeine, aber ebenso berechtigte Trauer Hervorrufen wird. Wir haben nämlich am irniv 6. p'i Nathan Feuchtwanger wenn auch im hohen Alter von 80 Jahren, plötzlich rasch aus unserer Mitte verloren und mit uns das orthodoxe Judenthum einen seiner treuesten Kämpfer und Kämpen. Der Verlebte war einer jener Säulen des wahren Judcnthums, wie sie leider heute nur noch selten zu finden sind; obzwar Geschäftsmann, der für eine große Familie zu sorgen hatte, war jede freie Minute seiner Zeit, seit seiner frühesten Jugend dem Studium 'pn irnmn gewidmet und konnte man ihn bis vor einigen Jahren bei strengster Kälte morgens 4 Uhr an der moj treffen, man konnte ruhig auf ihn sagen n'visv 'dtj pdd td, nie wich die min aus seinen: Munde. Er bekleidete 48 Jahre das Amt des nr© in der hiesigen Gemeinde und kannte nur ein Motto: selbst unter den schwierigsten Verhältnissen gelang es ihm aber auch stets und mit alle Stellen so zu besetzen und alle Gemeindeinftitutionen so zu erhalten, wie es 'pn irnnin vorschreibt. Es braucht wohl gar nicht erwähnt zu werden, daß er als Familienvater ein rein patriarchalisches Haus führte und daß die Familie in erster Linie den herben Verlust mit uns allen fühlt und mit uns in den Klageruf stimmt psa nvp' 'O denn sein Leben war nur dem Gutesthun und der Fürsorge für seine Familie, seiner Gemeinde und dem Judenthume gewidmet. Dabei war er die Bescheidenheit selbst und was er an Armen und Reichen that, es geschah im größten Geheimnisse. Bei seinem Leichenbegängnisse war, obzwar das nnapn n»a mehrere Stunden entfernt von hier ist (in Georgensgemund), die hiesige Gemeinde vollständig vertreten, aber auch Deputationen von allen Nachbargemeinden waren anwesend, da er lange Jahre das Amt des Kreisvorstehers für den Bezirk des Begräbnißplatzes versah. Des tmn pu halber, konnte unser hochverehrter Herr Rabbiner W iß mann >"j nur einige Skizzen aus dem thatenreichen Leben feines dahingegangenen Freundes verflochten mit einigen i?mv-Stellen Erwähnung thun und schließe auch ich mich der Bitte des verehrten Herrn Rabbiner an: möge die Familie des edlen Dahingegangenen und unsere Gemeinde das Leben dieses Großen sich zum Vorbild nehmen und durch Nachahmung seiner guten Handlungen, diese große Lücke nach Möglichkeit ausfüllen, damit Schwabach seinen Namen auch weiter als Heimstätte der miay mm n":n erhalte. —r— Aus dem Rhein-Ruhrgebiete. Wie ich den Lesern des „Israelit" bereits mitgetheilt habe, hat sich in Mühlheim (Ruhr), nachdem die Antisemitenhäuptlinge Liebermann, v. Sonnenberg und Dr. König ihre Hetzreden gegen die Juden losgelassen hatten, ein Verein unter dem Titel „Deutscher Reformverein" gebildet. Ich bin jetzt in der freudigen Lage, den Lesern dieses gesch. Blattes miltheilen zu können, daß derselbe die Ungunst fast sämmtlicher Bürger in Mühlheim (Ruhr) sich erworben; es sind schon mehrere Mitglieder wieder aus demselben getreten und steht nun die Auflösung des betreffenden Vereins bevor. Mag Herr König in seiner „Westph. Reform" noch so sehr jubeln über die großartigen Erfolge, die er erzielt hat; es ist in der That alles unwahr. Die hiesige Gegend ist für derartige Auswüchse nicht im geringsten geeignet und das Einvernehmen zwischen Jude und Christ ist ein sehr gutes zu nennen. Wenn auch

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