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Der Israelit · 1889-05-02 · Heft 35 (2.5.1889) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 35 (2.5.1889)
Date
1889-05-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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616 „Alltäglich ist es freilich nicht. Aber ich wünsche Ihnen auch keine alltägliche Frau, wie z. B. die Fürstin D.... g. Nur dürfen Sie sich freilich nicht darauf steifen, daß die Ahnen Ihrer Zukünftigen mit den Ruriks verwandt waren." „Auf dergleichen lege ich wenig Werth." „Kann rnir's denken. Ein liebes, sanftes, kluges und gutes Mädchen aus anständiger Familie — und Sie werden sich im Paradiese wähnen." Unter diesen und ähnlichen Gesprächen verstrich die Zeit, während sie in dem ausgedehnten Besitzthum des Major's umherwanderten. Als sie heimkamen, trafen sie den Arzt, eben im Begriffe, sich in's Krankenzimmer zu begeben. „Dürfen wir Sie begleiten?" fragte der Graf. „Ich habe nichts dagegen", erwiederte der Arzt, „das Bewußtsein dürfte schwerlich bereits zurückgekehrt sein." Er hatte recht. Leah lag noch immer im heftigsten Fieber, ohne Ahnung von dem, was um sie vorging. Als die Herren jedoch in's Zimmer traten, schlug sie die Augen auf. „Sie ist schön", flüsterte der Graf, „wunderbar schön." Orloffski erwiederte nichts, aber sein Blick hing in unaussprechlicher Theilnahme an der Leidenden. Der Arzt trat zum Bette, Frau Karawelawska erstattete Bericht, während er die zuckende Hand der Kranken in der seinen hielt. Das Ergebniß der Untersuchung war noch immer kein tröstliches. Abends einige Zeit in dem Zimmer der Kranken, deren Befinden sich allmählich, ganz allmählich, doch zum Bessern gestaltete. Frau Karawelawska waltete ihres Amtes als Pflegerin mit unermüdlicher Hingebung. Sie hatte das schöne Kind, das unter ihrer Wartung sich allmählich dem Leben wieder zuzuwenden schien, mit fast mütterlicher Zärtlichkeit in ihr Herz geschlossen. Und Leah, noch bevor sie das Bewußtsein vollständig wiedererlangt hatte, lohnte doch bereits häufig die Zärtlichkeit der alternden Frau mit ihrem herzgewinnenden Lächeln. Außer dem Gutsherrn, seinem alten Kutscher und der Frau seines Verwalters ahnte Niemand auf dem Gute den Namen des kranken Mädchens, das mit der aufmerksamsten Sorgfalt all diese Zeit hindurch gepflegt wurde. Orloffski hatte zwar bereits erfahren, daß auf Leah keinerlei Verdacht lastete, daß man nie daran gedacht hatte, sie zu verhaften, daß daher zur Geheimhaltung ihres Aufenthaltorts nicht der mindeste Grund vorhanden — weßhalb er trotzdem ein Geheimniß daraus machte, darüber war er sich vermuthlich selbst nicht recht klar. Auf seine Erkundigung hatte er erfahren, daß Frau Löwenstein zwar auf dem Wege der Besserung sich befände, daß jedoch ihr Geist umnachtet schien, denn sie hatte noch nicht ein einziges Mal weder nach dem Gatten noch nach ihrer Tochter gefragt. Theilnehmende Glaubensgenossen hatten die Unglückliche in die nächste Gemeinde überführen lassen, wo cs leichter war, ihr die geeignete Aufmerksamkeit und Pflege angedeihen zu lassen; Glaubensgenossen hatten auch nach dem verschwundenen jungen Mädchen geforscht, doch ohne Erfolg, kein Mensch ahnte, wohin sie gekommen. (Fortsetzung folgt.) XI. Mehrere Wochen waren verstrichen. Graf Paar war zur bestimmten Zeit abgereist, Major Orloffski war zu seiner ländlichen Beschäftigung zurückgekehrt, doch verbrachte er täglich früh und »JSraelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich z w e i m ä l, MontagSund Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 -Logen Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Leu Buchhanbrl fu besiehe« bei S. F. Slrinalkrr, Fripsig, Doßptah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fi. östcrr., für's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenben. Ja-alt (Hanptblatt): Leitender Artikel: Die Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Ofsenbach a. M. Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Agram. — Australien: Melbourne. — Marokko: Tanger. — Feuilleton: Schuld und Sühne. — Inhalt der ersten Beilage: Telegramm: Berlin. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Schwabach. Aus dem Rhein-Ruhrgebiete. 2mal Leipzig. — Oesterr. - Ung. Monarchie: Wien. Bistritz. — Feuilleton: Jüdische Geschichte, Volks- und Familienscenen als Stoffe der bildenden Kunst. — Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mannheim. — Oesterr. - Ung. Monarchie: 4mal Wien. 2mal Preßburg. 2mal Budapest. — Frankreich: Paris. — Inhalt der „Blätter für die iSr. Schule": Anregung bez. Vorschläge zur Gründung eines allgemeinen deutsch.- israel. Lehrerbnndes. — Allerlei. — Bücher-Markt. — Jnhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisfe. Verantwortliche Redaction: Ihr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Jvh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei (Oscar Lehmann) in Mainz. Hierzu vier Beilagen.

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