Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 35 (2.5.1889)
- Date
- 1889-05-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Australien. Melbourne. Die religiöse Organisation der jüdischen Gemeinde von Melbourne ist dieselbe, wie die anderer Gemeinden. Es bestehen hier drei Congregationen oder Synagogengemeinden, die insgesammt einem Vorstande unterstehen, dessen Mitglieder durch die Generalversammlung gewählt werden. Diese drei Congregationen heißen: tm oder Baurke Street Congregation, iwss» n'ipo oder East Melbourne Congregation und dann die Kilda- Congregation. Die erstgenannte ist, da sie sowohl durch ihr Alter, dann durch die Anzahl ihrer Mitglieder und ihren Reichthum besonders hervorragt, die leitende Congregation der Gemeinde. Ihre Synagoge ist ein großes solides Gebäude, dessen Fa^ade durch eine Reihe steinerner Säulen geschmückt ist. Ihr Inneres, obgleich nicht besonders schön, bietet einen angenehmen Anblick dar, da die Decorationen ihrer Wölbung und Wände ein schönes Arrangement von Himmelblau zeigen. Das Terrain, auf dem sie gebaut wurde, ward der Gemeinde von der Regierung geschenkt und ist dasselbe im Laufe der Zeit so im Preise gestiegen, daß erst neulich für einen Theil desselben nicht weniger als 66 000 Livres Sterling geboten wurden. Der Synagoge angefügt sind die Wohngebäude des Gemeindesecretärs und des Synagogen- Jnspectors, sowie auch eine Schule, in der einige Hundert Kinder leicht Platz hätten. Letztere steht jedoch jetzt leider gänzlich leer. Vor drei Jahren noch waren die Schulzimmer angefüllt mit Schülern und Schülerinnen, die hier eine vortreffliche Erziehung erhielten. Der Unterricht der Zöglinge war damals einem Stabe von tüchtigen Lehrern anvertraut, die auch bei ihren Vorgesetzten in hohem Ansehen standen. Durch eine übelan gebrachte Sparsamkeit ward die Schule geschlossen, die Lehrer entlassen und die Zöglinge zerstreut. Die anderen Angelegenheiten der Gemeinde sind jedoch vortrefflich geordnet. Präsident des Cultusvorstandes ist der schon genannte Bürgermeister der Stadt, Herr Benjamin, der dieses Amt schon seit einer Reihe von Jahren bekleidet. Derselbe hat eine vortreffliche Stütze in dem Cassirer der Gemeinde, Herrn Cant o r, der seinen Amtspflichten mit besonderer Treue obliegt. Rabbiner der Gemeinde ist jetzt Reverend Abrahams, der auch den Titel eines Doctors führt, der ihm erst kürzlich von der Melbourner Universität verliehen wurde. Rev. Abrahams kam vor sechs Jahren hierher und erfreuet er sich einer besonderen Beliebtheit bei seiner Gemeinde. Bei seiner Ankunft hier fand er seine Gemeinde in mehrere Parteien gespalten, die sich gegenseitig aufs Heftigste befehdeten. Der Reverend begann nun sogleich damit, die Getrennten zu vereinigen, einen dauernden Frieden zwischen ihnen herzustellen, und so die Einheit der Gemeinde neu zu befestigen. Seine Predigten, die er wöchentlich hält, sind sehr geschätzt und werden sie oft von der Tagespresse in ihrem ganzen Umfange wiedergegeben. Dr. Abrahams steht auch an der Spitze des hiesigen Beth- Dins, dessen Beisitzer Rev. Goldreich von Ballarat und Rev. Blaubaum, der Rabbiner der Kilda- Congregation, sind. Auch ist Rev. Abrahams Vicepräsident der hiesigen jüdisch-literarischen Gesellschaft und Mitglied zahlreicher Wohlthätigkeitsvereine. Die zweite Congregation btnitr ropo, die ihre Andacht in Albert Street verrichtet, ist ebenfalls eine sehr bedeutende. In ihr herrscht das fremde Element vor, da die meisten Mitglieder derselben aus Polen eingewandert sind. Sie legen für die Angelegenheiten ihrer Gemeinde großes Interesse an den Tag, und geht es daher auch auf ihren Generalversammlungen recht lebhaft zu. Diese Gemeinde erwählte den Rev. Isidor Meyers, zu ihrem Rabbiner. Dieser ist erst seit zwei Jahren in Melbourne und wird er allgemein als ein großer Freund der Armen und Hilfsbedürftigen betrachtet. Besonders nimmt er sich der armen Eingewanderten an, sowie er auch den Kranken und Siechen gegenüber sein gutes Herz bewährt. Statt nun den Armen gleich den englischen Missionären ein Tractätchen zur Erbauung zu schenken, schenkt er ihnen lieber einige Laibe Brot zur Stillung ihres Hungers. Die Jugend ohne Unterschied des Geschlechtes ist ihm besonders geneigt und besitzt er daher auch großen Einfluß auf dieselbe. Die Gemeinde hat kürzlich auch einen neuen Chasan angestellt und ist dies Rev. Lenzer, ein eingewanderter russischer Jude, der eine vortreffliche und auch gut geschulte Stimme besitzt. Die Anzahl ihrer Mitglieder beläuft sich jetzt auf 200 und betragen die Einnahmen der Gemeinde circa 1500 Livres Sterling, denen ebensoviele Ausgaben gegenüber stehen. (Schluß folgt.) Marokko. Tanger. Die seit den letzten fünf Jahren ftattfindende Impfung der jüdischen Kinder hat die glänzendste Resultate erzielt. Nicht ein einziger Todesfall ist unter den Kindern im Judenviertel, welche geimpft worden, vorgekommen, während unter den Arabern 14—15 Kindern täglich an den Pocken sterben. __