Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 35 (2.5.1889)
- Date
- 1889-05-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2447981--28437-2476120- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
eu Preis zuzuschreiben sei. Die Eröffnung des Couverts ergab den Namen: Arnold Budwig in Berlin. Es wurde ferner beschlossen, die mit dem Motto: „Taurossi al taasauwu“ eingegangene Arbeit Nr. 30 einer ehrenden Erwähnung für würdig zu erklären. Da die Commission zur Eröffnung des betreffenden Couverts nicht befugt war, so stellt sie es dem Herrn Verfasser anheim, die Erlaubnis hierzu an die Preisrichtercommission zu Händen des Herrn Dr. Gustav Karpeles, W. Winterfeldstr. 33 in Berlin gelangen zu lassen. Die Verfasser der nicht gekrönten Arbeiten wollen gefälligst bis zum 1. August d. I. dem Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes unter Angabe 'des betr. Mottos eine Adresse mittheilen, an welche ihre Arbeiten zurückgeschickt werden sollen. Die bis zum 1. August d. I. nicht zurückgeforderten Arbeiten und Couverts werden gemäß den unter dem 1. Dezember 1888 bekannt gemachten Bestimmungen vernichtet werden. Die Preisrichtercommission I. A. Dr. Gustav Karpeles, als Schriftführer. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 24. April. Das „Vaterland" hat am Ostersonntag mit der Veröffentlichung der Denkschrift begonnen, welche die Vertreter der jüdischen Cultusgemeinde in Wien dem Minister-Präsidenten Grafen Taaffe mit Rücksicht auf die antisemitische Bewegung überreicht haben, und da dieses umfangreiche Actenstück durch mehrere Nummern des Organs der vereinigten Christen läuft, so hat das erwähnte Blatt einem jeden Bruchstücke desselben eine Einleitung vorangeschickt, welche aus dieser Schrift selbst den Ueberreichern ein neues Verbrechen zu construiren sucht. Das „Vaterland" nimmt es nämlich den Ueberreichern sehr übel, daß ihre Denkschrift nicht vorher veröffentlicht worden ist, und rechnet es sich mit komischer Wichtigthuerei als ungeheures Verdienst an, dieses Geheimniß gelüstet zu haben, „weil es, Gott sei Dank, doch schon in allen Kreisen, selbst in solchen, welche den Juden nahestehen, einzelne Personen gäbe, welche die Abscheulichkeit einer solchen Denunciation begreifen und von sich weisen." Die Denkschrift, sagt ferner das „Vaterland," sei förmlich durchtränkt vom Geiste einer unerträglichen Ueberhebung, vom Geiste jenes Hochmuthes, von dem die Semiten in Folge der so schnell errungenen Herrschaft ergriffen seien. Nichts werde mehr dazu beitragen, die Kampfesweise, die Mittel und eigentlichen Ziele des Juden-Liberalismus in ihrer ganzen Verwerflichkeit darzuthun, als diese Denkschrift. Sie beweise recht deutlich, „was wir Christen zu erwarten haben, wenn es unseren Feinden gelingen sollte, ihre bisherige Herrschaft zu behaupten." Eine ungeheure Herrschbegierde habe sich der jüdischen Führer bemächtigt, Erfolg und Beute habe sie trunken gemacht, sie hätten kein Maßhalten gelernt und wüßten nicht, daß ihre Machtgier und Habgier Niemandem gefährlicher seien, als ihnen selbst. Vergleicht man indessen den Text des vom „Vaterland" dem Geheimnisse entrissenen Documentes mit diesen entrüsteten Anschnldigungen, so wird man mit großem Erstaunen gewahr, daß es sich in dieser Petition um gar nichts Anderes handelt, als um eine Blumenlese aus Artikeln einer großen Reihe antisemitischer Zeitschriften, zum Theile ergänzt durch Citate aus Redeu der antisemitischen Führer und Agitatoren, auf welche die Vertreter der Judengemeinde in der Besorgniß, daß durch diese Aufreizungen Personen und Eigenthum der Staatsbürger jüdischer Confessio» gefährdet werden könnten, die Aufmerksamkeit der Regierung lenken. Die Veröffentlichung des Actenstückes, welches sehr umfangreich zu sein scheint, ist noch nicht vollendet und vermuthlich auch nicht der immer wieder sich wiederholende und mit dem Inhalte der Publication seltsam contrastirende Commentar des „Vaterland". Aber was wir bisher davon kennen gelernt haben, besteht beinahe ausschließlich in der wörtlichen Wiedergabe der erwähnten Artikel mit Angabe des Datums und der Nummer des Blattes, in welchem dieselben erschienen sind, und das Merkwürdige an der ganzen Veröffentlichung ist nur, daß das „Vaterland" auch nicht entfernt den Versuch macht, sei es die Richtigkeit der Citate zu leugnen, sei es den Inhalt derselben zu rechtfertigen, sondern mit einer für normal organisirte Gehirne ganz unbegreiflichen Kühnheit diese Bitte um Schutz und um Anwendung der bestehenden Gesetze zu einer That der Ueberhebung zu stempeln und dieselbe als ein Mittel zu neuen Aufreizungen zu fructificiren versucht. Um eine Vorstellung vom Inhalte der Denkschrift zu geben, sei im Nachstehenden derjenige Theil derselben publicirt, welcher dem „Vaterland" selbst gewidmet ist. Derselbe lautet: VII. „Das Vaterland", welches in einem seiner berüchtigten lcharwochen-Artikel auch die Judenverfolgung in Damascus zum Gegenstände der Besprechung gemacht hatte. Als im Jahre 1840 — so schreibt das „Vaterland" in seiner Nummer 88 vom 28. März 1888 — die jüdischen Mörder des Pater Thomas und seines christlichen Dieners in Damaskus, welche — wie der dabei betheiligte und später zum Islam übergetretene Rabbi — den Mord gestanden hatten, zum