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Der Israelit · 1889-04-29 · Heft 34 (29.4.1889) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 34 (29.4.1889)
Date
1889-04-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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602 Nentitschei», 18. April- Folgende verläßliche Daten über die angebliche „Entführung" des Akrobatenknaben Scholz durch einen jüdischen Ausrufer liegen nun vor: Im Laufe des Monats Dezember 1888 produzirte sich die Gesellschaft des Akrobaten Schöberls, bestehend aus ihm, seiner Frau, dann dem als Ausrufer verwendeten Pferdeknecht Sigmund Salzer und dem achtjährigen Knaben Wilhelm Scholz, in der Gemeinde Groß- Petersdorf bet Odrau. Bei diesen Productionen zeigte insbesondere der hübsche und aufgeweckte Junge Wilhelm Scholz, Sohn eines Taglöhners aus Würbenthal in Schlesien, welcher sich schon vor vier Jahren mit Einwilligung seines Vaters der Akrobaten-Gesellschaft angeschlossen hatte, eine ungewöhnliche Gewandtheit und Gelenkigkeit. Plötzlich erkrankte Schöberle und mußte in das Spital nach Mährisch-Weißkirchen transportirt werden, infolge dessen sich die Gesellschaft auflöste und mit Nahrungssorgen zu kämpfen hatte. Schöberle's Gattin und Ziehmutter des Knaben ersuchte nun den Sigmund Salzer (welcher, wie hier erwähnt sein mag, mosaischer Confession ist), er möge zur Milderung ihrer Nothlage mit Wilhelm Scholz herumreisen, auf eigene Rechnung Productionen veranstalten und einen Theil des Erlöses ihr zuschicken, welchem Wunsche Sigmund Salzer auch nachkam. So zog der jüdische Ausrufer mit dem christlichen Akrobatenjungen von Dorf zu Dorf, bis sie nach dreiwöchentlicher Wanderung nach Preßburg kamen, wo es ihnen recht schlecht ging. In dieser Nothlage überließ Salzer den Jungen seinem eigenen Schicksal und verließ Preßburg, um sich um einen Dienst umzusehen. Da in Folge dessen die von Sigmund Salzer der Ziehmutter zugesagten Unterstützungen ausblieben — Schöberle lag noch immer im Spital — und da die Zieheltern weder von Scholz noch von Salzer eine Nachricht erhielten, so waren sie der Meinung, daß Salzer mit dem Knaben durchgegangen sei, und erstatteten bei der k. k. Staatsanwaltschaft in Neutitschein gegen Sigmund Salzer die Strafanzeige wegen Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit durch Entführuug. Hierüber wurde vom k. k. Kreisgerichte in Neutitschein wegen dieses Verbrechens der Steckbrief erlassen, Sigmund Salzer auch ausgeforscht und an das hiefige Kreisgericht eingeliefert. Da jedoch die Untersuchung ein derartiges Material lieferte, welches die Unschuld Salzer's vollkommen nachwies und die an den königlichen Gerichtshof in Preßburg vom k. k. Kreisgerichte in Neutitschein gerichtete Requisition um Vernehmung des Knabeu Wilhelm Scholz ergab, daß dieser Knabe von dem christlichen Schneidermeister Stephan Sonnenschein, Szechenyigaffe Nr. 1 in Preßburg, adoptirt worden ist, so wurde die diesbezügliche Untersuchung eingestellt, zumal der Knabe bet seiner Vernehmung selbst angab, daß er zu seinen Zieheltern nicht mehr zurückkehren wolle, weil er von ihnen mehr Prügel als zu essen erhielt, während er jetzt bei dem Schneidermeister Sonnenschein sich sehr wohl befinde. Antisemitische Blätter haben nun mit großer Gier die Nachricht aufgegriffen, daß vom k. k. Kreisgerichte in Neutitschein gegen Sigmund Salzer ein Steckbrief erlassen wurde, und da Salzer, wie erwähnt, zufällig mosaischer Confession ist, so wurde dieselbe sofort mit den jüdischen Osterfeiertagen in Verbindung gebracht und der christliche Knabe als ein Opfer rituellen Fanatismus htngestellt. Das nun gemeldete Verschwinden des Knaben Wilhelm Scholz in Preßburg findet nach den neuesten Nachrichten seine Aufklärung. Der beim Neutitscheiner Kreisgerichte internirt gewesene Sigmund Salzer hat sich nach seiner Entlassung aus der hiesigen Untersuchungshaft sofort nach Preßburg begeben, um den Knaben seinen Zieheltern wieder zurückzubringen, und so ist es erklärlich, daß der Knabe seit dem 12. April l. I. aus Preßburg verschwunden ist. Wilhelm Scholz, welcher sich — wie zwei seiner dortigen Kameraden bet ihrer polizeilichen Vernehmung bestätigen — freiwillig dem Salzer anschloß, dürfte auf der Rückreise zu seinen Zieheltern, welche vor Kurzem Petersdorf verließen, befinden uud wird in Kurzem ausgeforscht werden, was bei der nomadenartigen Lebensweise solcher von Dorf zu Dorf ziehen Gauklertruppen freilich mehrere Tage erfordert. Prag. Herr Oberrabbiner Marcus Hirsch hat den definitiven Entschluß gefaßt, Prag Anfangs September zu verlassen und sein neues Amt in der Hamburger Gemeinde anzutreten. (Oesterr. Wochenschr.) Feuilleton. Jüdische Geschichte, Volks- Md FaNiile»sce«e« als Stoffe der bildenden Kunst. (Fortsetzung.) „Eine jüdische Hochzeit in Marokko," ein Genrebildchen des großen Romantikers Eugtzne Delacroix, machte 1841 den günstigsten Eindruck im Salon, und im „Magasin Piftoresque“ von 1842 erschien

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