Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 34 (29.4.1889)
- Date
- 1889-04-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXX. Jahrgang. SellllgkM^34des„IsraM"L„Irschilrim". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Buchen, im Bad Odenwald. Hier ist vor kurzer Zeit in der Synagoge ein Brand ausgebrochen, wodurch alle h. min »ibd verbrannt sind. Der Schaden beläuft sich im Ganzen auf ca. 10 bis 12,000 Mk, Entstehungsursache unbekannt. In Vforzheim wurde ein Platz zum Bau einer neuen Synagoge für 25,000 M. angekauft, hoffentlich wird uns die Orgel erspart werden. Karlsruhe in Baden. Zur Erhöhung meiner Festesfreude wohnte ich, wie schon eine Reihe von Jahren, am 3. und 4. Tage D"nn der öffentlichen Religionsprüfung der Schüler und Schülerinnen der jnts” jny bei. Wenn ich auch schon in den Vorjahren, wie eben angedeutet, einen großen Seelengenuß dabei hatte, so übertraf der diesjährige alle frühem. Die Schüler der 2 obersten Klassen, deren Lehrer fast ausschließlich der Director der Schule, Herr Rabb. Dr. Schiffer ist, bewiesen in der am 20. d. Mts. nach dem nmv - Gottesdienst abgehaltenen Prüfung in fooj, und yv eine solche Gewandt- und Sicherheit in den im abgelaufenen Schuljahre durchgenommenen Pensis und trugen dieselben mit einer solchen Glaubensinnigkeit vor, daß das Judenthum sie einst mit Stolz zu seinen Säulen und Stützen zählen darf. Dasselbe wonnige Gefühl hatte ich tags darauf von 8^2—1 Uhr, wo theils dieselben Klassen ihr rwpn in topD und der ewig-denkwürdigen Geschichte Israels mit Ehren an den Tag legten und den ungetheilten Beifall des sehr stark vertretenen Publikums sich erwarben. Diesen Leistungen ganz und voll entsprechend, entfalteten die übrigen 4 Klassen, großenteils Schüler und Schülerinnen der Anftaltslehrer, Würzburger, Baruch und Mannsbach, eine bewundernswerthe Tüchtigkeit und Glaubenswärme im Pentateuch, im Verständniß und Uebersetzen der Gebete, neben grammatikalischer Sicherheit und tiefgehender Bibelkenntniß. Sogar Schüler und Schülerinnen der untersten Klaffe, die erst 1 Jahr die Schule besuchen, lasen ziemlich geläufig grammatikalisch richtig hebr., übersetzten die meisten ms-o, einige Morgengebete und leichte Stücke aus der nvs bw rvm Auch der Zahlenwerth sder Buchstaben und das Jüd. Deutsch-Lesen war ihnen bekannt. Am Schluffe trugen einige der begabtesten Schüler und Schülerinnen sehr geeignete und ganz der Feier des Tages und des Festes entsprechende, von Herrn Dr. Schisser sorgfältig ausgewählte Gedichte mit tiefempfundenem Verständniß vor. Daran schloß der Herr Rabbiner seinen Dank gegen die Vorsehung, die es gelingen ließ, daß eine noch vor wenigen Jahren kleine Gemeinde sich so rasch entwickelte und eine Religionsschule in's Leben rief, die den Anforderungen der Gegenwart entspricht. — Zu bedauern bei der ganzen Feierlichkeit war nur der Raummangel. Aus dem Elsaß, 25. April. Der Landesausschuß genehmigte ohne Debatte die in dem Etat pro 1889/90 geforderten Ausgaben für den israel. Kultus mit 161,300 M. Vom 1. dss. Mts. ab beziehen auch die Rabbinen des Landes ihren Gehalt vierteljährig und die vom Staate besoldeten Vorsänger dasselbe monatlich pränumeranto. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Das Unterrichtsministerium hat unter Aufhebung einer Entscheidung der Statthalterei in Prag, welche den Uebertritt eines irrsinnigen Juden zur katholischen Kirche nicht gestattete, entschieden, daß eine wegen Irrsinn unter Curatel stehende Person im allgemeinen nicht behindert sei, einen Religionswechsel vorzunehmen, da eine solche Curatel die zum Uebertritt zu einer anderen Religion erforderliche eigene freie Ueberzeugung noch nicht ausschließt. Wie«. Das k. k. Finanzministerium hat unseren Glaubensgenossen, Herrn JUDr. Leopold Wiener zum Adjunkten der k. k. Finanzprocuratur ernannt. Wien, 20. April. Gestern erschien in Prag beim Statthalter Kraus eine Deputation des Centralvereins zur Pflege jüdischer Angelegenheiten mit einer Denkschrift über die Ausschreitungen des Antisemitismus, speziell in Nordböhmen. Der Statthalter wies die Deputation an den dort weilenden Grafen Taaffe, welcher die Deputation heute empfangen wird.