Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 34 (29.4.1889)
- Date
- 1889-04-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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M^WMWWWWWM 598 Aronson nnd Comp., Falk und Comp., Lazarus Benjamin und Rosenfeld, Jakobs, Hart und Comp., Michaels Hartenstein und Comp., Walach's, I. Kronheimer und Comp., Steinfeld und Levinson rc. re. Viele der Inhaber der hiesigen großen jüdischen Geschäftshäuser sind als arme Leute hierher gekommen, haben sich Jahre lang plagen müssen, und heute gehören sie zu den geachietsten Mitbürgern Melbournes und geben oft auch Hunderten von Nebenmenschen Brod, Beschäftigung und Stellung. Feuilleton. Schuld und Sühne. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „Jetzt begreife ich, weßhalb das Bild des Juden über den Portraits Ihrer Großeltern hängt", sagte Orloffski. „Sie können sich denken", fuhr Graf Heinrich fort, „wie sehr sich mein Großvater und dessen Eltern dem wackern Kaufmann verpflichtet fühlten. Doch vergebens drangen sie in ihn, er möge gestatten, daß sie ihrem Danke auch anders als in Worten Ausdruck leihen, der hochherzige Mann wollte nicht zugeben, daß sie gegen ihn irgendwelche besondere Verpflichtung hätten; er hatte freilich während des Hochwassers sechs Menschen in ähnlicher Weise gerettet. Als mein Urgroßvater jedoch wieder und immer wieder in ihn drang, erklärte er endlich, er wolle ihm sagen, in welcher Weise er ihm die Rettung seines Sohnes lohnen könne, und erzählte ihm darauf folgende Begebenheit. Sein Vater, nämlich Sabel Kaufmanns Vater, war Hausirer, noch als alter Mann war er mit seinem schweren Packen auf dem Rücken von Dorf zu Dorf gegangen, um seine Familie zu ernähren. Eines Tages hatte sich ein junger Bursche ihm angeschlossen, es war in der Mittagsstunde, sie befanden sich auf der Heerstraße, an deren einer Seite ein Wald sich hinzog. Der Hausirer ließ sich am Rand des Waldes nieder, um sein frugales Mittagsmahl einzunehmen und forderte auch den jungen Gefährten auf, daran Theil zu nehmen und trefflich ließ sich auch dieser das Brod des Armen munden. Doch als nach beendetem Mahle dem Hausirer die Augen zufielen, da schlich sich der Bursche hinter ihn, versetzte ihm mit seinem schweren Knotenstab wuchtige Hiebe ans den Schädel, bis der Unglückliche bewußtlos zusammenbrach; dann bemächtigte sich der Elende der Waare und beraubte sein Opfer, dessen ganze Barschaft aus nicht mehr als vier Mariengroschen bestand, und entfloh. Der Hausirer wurde später von vorübergehenden Landleuten gefunden. Man hielt ihn anfangs für todt; doch unter geeigneter Pflege erholte er sich, gelangte allmählich wieder in den Vollbesitz seiner Kräfte nnd hat noch fünfzehn Jahre gelebt. Sein Sohn war inzwischen ein mäßig wohlhabender Mann geworden. Wenige Wochen vor dem Hochwasser, von dem ich Ihnen soeben erzählt habe, an einem Sabbat Nachmittage hielt Sabel Kaufmann Siesta, als eines seiner Kinder in das Zimmer stürzte und ihm mittheilte, daß soeben ein Mann sich in das Vorhaus geschlichen, einen dort sich befindenden Sack mit Mehl ergriffen habe und damit fortgerannt sei. Kaufmann eilte dem Dieb sofort nach, auf sein Geschrei betheiligten sich auch Passanten an der Verfolgung, es gelang den Uebelthäter zu ergreifen, der zuerst gezwungen wurde, das geraubte Gut wieder dorthin zu tragen, woher er es genommen und dann hinter Schloß und Riegel gebracht wurde. Nach einigen Wochen war die Gerichtsverhandlung, Kaufmann war als Zeuge gegenwärtig. Der Missethäter versuchte nicht zu leugnen, betheuerte jedoch, daß er nur aus Noth den Diebstahl begangen, er habe vier hungernde Kinder und wäre außer Stande, ihnen Brod zu schaffen, denn auf seinen Händen laste ein Fluch, er möge beginnen, was er wolle, alles schlage ihm fehl. Darum wolle er jetzt durch ein reuiges Geständniß sein Herz erleichtern, und wenn er auch dadurch den Tod durch Henkershand erleiden werde, er wolle sich nicht darüber beklagen, denn er habe ihn verdient. Vor nahezu zwanzig Jahren habe er als junger Bursche einen alten Juden erschlagen, nachdem derselbe sein Mittagsmahl mit ihm getheilt; habe denselben seiner Barschaft von vier Mariengroschen beraubt und sich dann mit dessen Waaren aus dem Staube gemacht. Von der weltlichen Gerichtsbarkeit wäre er wegen dieses Raubmordes nie behelligt worden, denn kein Mensch habe geahnt, daß er ihn vollbracht. Doch allmählich stehe das Bild des alten Mannes, den er gemordet, vor seinen Augen und raube ihm den Schlaf, alle diese Jahre hindurch, und am Tage lähme ihm die Erinnerung an das, was er in der Nacht geschaut, die Hände, darum könne er seine Kinder nicht ernähren und werde froh sein, ein Dasein zu enden, das die Erinnerung an sein Verbrechen unerträglich mache.