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Der Israelit · 1889-04-29 · Heft 34 (29.4.1889) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 34 (29.4.1889)
Date
1889-04-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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WWMWWWWWW 597 Alle Anwesenden, Vorstand, Schulcommission, Eltern, sowie die Vorsteherinnen und Lehrerinnen einer Töchterschule, deren Interesse für ihre Schülerinnen besonders hervorgehoben zu werden verdient, verfolgten mit Freude den Verlauf der Prüfung, und wer die zerrütteten Zustände der vorhergegangenen langen Zeit in der isr. Religionsschule kennt, der wünscht der Gemeinde Glück zu dem Erfolg, den sie in der kurzen Zeit schon auf diesem Gebiete errungen hat. Möge er ein weiterer Sporn für die Gemeinde, für Lehrer und Schüler sein, auf diesem Wege fortzufahren und mögen sie stets der Schlußworte des Herrn Gymnasialdirectors gedenken, daß die Religion der beste Führer des Lebens sei." A u st r a l i e n. Melbourne. Keine Stadt der Welt vielleicht ist binnen uur kurzer Zeit so schnell gewachsen und so mächtig und blühend geworden, wie Melbourne, dieses Emporium Australiens, das heute eine Bevölkerung von circa 400,000 Seelen hat. Es war im Jahre 1835, als John Fawkner, der erste Europäer, mit seinem kleinen Schiffchen „Enterprise" den Aarafluß hinauffuhr, dessen beide Ufer damals noch gänzlich unbewohnt und unkultivirt waren, um sich nach einer geeigneten Stelle zur Anlegung einer Stadt daselbst, umzuschauen. Hier wurde nun das Städtchen Melbourne gegründet, das dann in den Fünfzigerjahren, als man in dessen Nähe Goldfelder entdeckt hatte, einen Weltruf erhielt und das heute nun, nach etwas mehr als einem halben Jahrhundert, eine Welthandelsstadt ist. Bald nach der Gründung des Städtchens trafen auch die ersten Juden hier ein, die gewiß nicht ahnten, daß noch vor Ende dieses Jahrhunderts hier eine blühende jüdische Gemeinde exiftiren werde. Heute schon ist der Stamm Jakob sehr angesehen und auch sehr wohlhabend in Melbourne, und der Bürgermeister dieser Stadt ist ein Jude, Namens Benjamin. Diese Würde ist für Herrn Benjamin umso ehrenvoller, als sie ihm erst kürzlich zum zweiten Male und zwar einstimmig übertragen wurde. Als jüngsthin bei einem Bankette der Präsident des Provinzial- Parlaments, Sir James Mac Bain, auf das Wohl des Bürgermeisters trank, sagte er zugleich, Herr Benjamin entstamme einer Race, der die intellectuelle Aristokratie der Welt angehöre. Aber trotz der Menge der ihm als Bürgermeister obliegenden Geschäfte und Pflichten, findet Herr Benjamin noch immer Zeit, um sich auch mit den verschiedenen Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu beschäftigen und jeden Sabbat in der Synagoge in Bourkestreet zu erscheinen. In der politischen Welt sind die Juden durch vier Männer vertreten, die als Deputirte im Provinzial-Parlamente sitzen. Von diesen vier gehören indeß drei leider kaum uoch dem Namen nach dem Judenthume an, und meiden sie daher die Synagoge. Der Werte hingegen, Herr Zox, ist mit Leib und Seele Jude und mag er heute die Gattin des Gouverneurs auf den Ball führen und morgen wieder einen „Scheliach (Sendboten)" aus dem helligen Lande bei sich als Gast sehen, immer ist er der liebenswürdige, zuvorkommende und dienstfertige Mann. Auch als Philantrop erfreut sich Herr Zox eines bedeutenden Rufes und präsidirt in verschiedenen Wohlthätigkeitsvereinen. Vor einigen Jahren stand er auch an der Spitze des Comittzs, das mit der Errichtung eines Irrenhauses hier betraut war. Wie die hiesigen Tagesblätter melden, wird Zox, nach den allgemeinen Wahlen, die für den Herbst bevorstehen, in das Colonial-Ministerium eintreten, da er in commerciellen Angelegenheiten eine Autorität ersten Ranges ist. Dabei hört man Herrn Zox oft erklären, daß er stolz auf seine jüdische Abstammung sei. Abgesehen von diesen beiden genannten Männern besitzt die jüdische Gemeinde von Melbourne noch eine beträchtliche Anzahl von Mitgliedern, die sich eines bedeutenden Rufes erfreuen. Besonders befindet sich unter denselben eine beträchtliche Anzahl von Advokaten, so die Herrren Fink, Best und Phillips, Hart und Benjamin, Braham, Cohen, Levinson, Waxmann, Jsacs und Lazarus. Unter den Verteidigern ragen hervor die Herren Fink, Goldsmith, Leon und Jsacs. Letzterer genießt, Dank seines großen Rednertalents, besonderes Ansehen. Unter den Doktoren der Medicin ragen hervor die HerrenFelix Meyer, LouisHenryJoske und La Mert. Eines geachteten Namens erfreuen sich auch der berühmte Mathematiker Moses, der gewesene Präsident der Handelskammer, Herr Steinfeld und der junge Architekt Nahum Barnett, der zugleich als Secretär der hiesigen Filiale der „Anglo-Jewish-Association" fungirt. Daß die Juden auch in der hiesigen Geschäftswelt eine höchst geachtete und ehrenvolle Stellung einnehmen, wird man gewiß nicht auffällig finden, und sind sie daher in allen Zweigen des Handels und Verkehrs würdig und ausgiebig vertreten. In Flinders Lane und Little Collins Street, den bedeutendsten Handelsadern der Stadt, gehören zahlreiche und angesehene Geschäftsläden den Juden und sind die hervorragendsten unter ihnen Rosenthal,

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