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Der Israelit · 1889-04-29 · Heft 34 (29.4.1889) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 34 (29.4.1889)
Date
1889-04-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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594 niß der jüdischen Lehre, die Vertiefung in den Geist des Judenthums einerseits, andererseits die gewissenhafte ErMung der jüdischen Religionsgesetze, das allein kann das Prinzipium eines solchen von Juden für Juden gegründeten Bundes sein. Es kann nur eine Verjüngung des alten Chawerthums sein wollen, nichts Anderes. Und wahrlich, unser Zeitalter wäre eines solchen Bundes wohl bedürftig. Ist doch weiten Kreisen die Kenntniß des Judenthums gänzlich abhanden gekommen, sind doch weite Kreise dem jüdischen Geiste entfremdet worden, ist doch in weiten Kreisen echtes wahres jüdisches Leben geschwunden. Stehen doch weite Kreise so sehr außerhalb des Judenthums, daß sie mit dem on dem Judenthum gegenüber nur die verwunderte Frage nw no, was ist dieses? zu äußern haben und erstaunt darüber sind, daß Lehren, Gesetze und Lebensformen wie die jüdischen überhaupt vorhanden sind. Giebt es doch weite Kreise, in welchen das jüdische Bewußtsein bereits so erstorben ist, daß dort auch nicht mehr die leiseste Ahnung von einer jüdischen Lebensaufgabe überhaupt vorhanden ist und die wieder jnr uw auch nicht einmal die Frage nw no? auf den Lippen haben. Welche Fülle des Segens könnte aus einem Bunde über weiteste Kreise sich ergießen, der von für das Judenthum begeisterten Männern errichtet würde, um jüdischen Geist zu pflanzen nnd jüdisches Leben zu fördern und die abgefallenen, verführten, irrenden dem Judenthum entfremdeten Brüder zur alten Gesetzestreue und zur alten jüdischen Gewissenhaftigkeit zurückzuführen? Wahrlich, ein solcher Bund würde moy -pmo, würde ganz Israel wiederum die alte Krone der bedingungslosesten Hingebung an seinen hohen Priesterberuf für die Menschheit aufs Haupt drücken. Wenn die Männer des „U. O. B. B." durch die Macht des eigenen lebendigen Beispiels und die Verkündigung des jüdischen Ideals Genossen werben würden zur Wiederaufrichtung des jüdischen Heiligthums in unserer Mitte, wenn das Ziel ihrer vereinigten Bestrebungen die Wiederbelebung des jüdischen Geistes, die treue Erfüllung des jüdischen Religionsgefetzes, ganz und unverkürzt, die Wiedererweckung der alten Begeisterung und freudigen Hingebung an das Judenthum wäre, dann gäbe es sicherlich keine verdienstvollere Männer als sie, dann hätten wir in ihnen die größten Wohlthäter unserer Zeit hochzuachten, dann würden noch die spätesten Enkel ihr Gedächtnitz zu segnen haben. Leider ist aber das gerade Gegentheil das Prinzip des Bene-Brith-Ordens, und darum gereicht derselbe nicht zum Segen, sondern zum Unheil. Des Ordens Ideal ist nicht das jüdische, der dort gepflegte Geist ist nicht der jüdische, die dort gepflegte Lebensanschauung ist nicht die jüdische. Das Ideal des Bene-Brith-Ordens ist im besten Falle die Pflege einer menschenfreundlichen Gesinnung. Er erblickt hierin das höchste Ziel seines Strebens. Damit aber verneint er die jüdische Lebensaufgabe aller Maßen, damit sagt er sich los von der ewigen unauflöslichen Verpflichtung, die Gott Israel für alle Zeiten, da Er es aus Egypten geführt und im Augenblicke der erhabenen Offenbarung am Choreb ertheilt hat. v'vyn Pdd rfcjo »V nrvvn „Mehr als alle Völker habet ihr Mir ausschließlich anzugehören", leitet die Verkündigung dieser besonderen Aufgabe für Israel ein. Die Grundbedingung, die mit diesem Worte (rtao) für unser Verhältnis zu Gott gefordert wird, ist daher, daß wir in jeder Beziehung unseres Wesens, mit unserm ganzen Sein und unferm ganzen Wollen, ganz und ausschließlich Sein Eigenthum werden, unser ganzes Sein und all unser Wollen nur von Ihm abhängig sein, von Ihm gestalten lassen und keiner andern Macht und keinem andern Wesen einen Einfluß aus die Lenkung unserer Geschicke und auf die Leitung unserer Thaten einräumen." *) Und wnp 'vi Duro pid^ud 'b vnn onw „Ihr sollt Mir ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk sein!" schließt diese Verpflichtung; mkiv -inv nicht mehr und nicht mehr und nicht anders. Wer gewahrt nicht, daß die Pflege einer menschenfreundlichen Gesinnung allerdings auch eine jüdische Pflicht ist, daß aber hierin die jüdische Lebensaufgabe: rhxo ,mp 'u, sich keineswegs erschöpft. Wer aber jene als das höchste der von jüdischen Männern zu lösenden Lebensaufgabe proklamirt, leugnet den jüdischen Lebensberuf und fagt sich los von dem „Berith", in welchen ganz Israel in allen seinen Geschlechtern für alle Zeiten am Sinai eingetreten ist. (Fortsetzung folgt.) *)Hirsch's Commentar zu 2. B. M., Cap. 19,5.

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