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Der Israelit · 1889-04-25 · Heft 32-33 (25.4.1889) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 32-33 (25.4.1889)
Date
1889-04-25
Page
– (sequence 19)
Language
German
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587 direkt vom Botschafter Oesterreich-Ungarns in Petersburg folgendes Telegramm: „Dem Polizeimeister ist vom Minister des Innern der Befehl ertheilt worden, Herrn v. Sonnenthal den weiteren Aufenthalt in Riga zu gestatten." Damit war die Affaire zu Ende und Sonnenthal spielte dann in Riga ruhig weiter. Wien, 18. April. Da infolge der antisemitischen Strömung in Wien zahlreiche jüdische Getreidehändler am Wiener Saatenmarkt nicht theilnehmen wollen und somit die Abhaltung des Marktes überhaupt gefährdet erscheint, nahm der Ministerpräsident Graf Taaffe die Intervention des Bürgermeisters Uhl im Interesse des Fortbestandes des Marktes in Anspruch. Der Präsident der Fruchtbörse, Naschauer, soll dem Bürgermeister gegenüber erklärt haben, daß er für die Abhaltung des Saatenmarktes in Wien sich eifrigft bemühen werde. Frankreich. Paris, im April. In letzter Zeit ist die Pariser Gemeinde um ein Institut reicher geworden. Unter der einflußreichen Anregung des Herrn Großrabbiner Zadoc Kahn wurden die nöthigen Summen gesammelt, um eine neue philantropische Stiftung ins Leben zu rufen, die sowohl den Stiftern als den edlen Spendern und dem ganzen pariser Judenthum zur größten Ehre gereicht. Unter den so zahlreichen, gemeinnützigen und mildthätigen Anstalten, welche die pariser israelitische Gemeinde geschaffen, herrschte eine bedauernswerte Lücke, die nunmehr ausgefüllt ist: Es fehlte uns eine Anstalt zur Aufnahme verlassener und verwahrloster junger Knaben, welche elternlos sind oder von schlechten Eltern verlassen wurden. — Eine derartige Anstalt für jüdische Mädchen existirt schon seit Jahren, in Neuilly, und arbeitet mit dem besten Erfolge. Dem feurigen Wort und dem rastlosen Bemühen unsres Ehrw. G.-Rabbiners ist es nun endlich gelungen, die nöthigen Gelder zu dieser neuen Schöpfung zusammenzubrkngen, und unlängst wurde im Dorf Plessir-Piquet (im Seine departement) ein, ca. 30 Hektar großes Gut, angekauft und die darin sich befindenden Gebäulichkeiten wurden zweckmäßig umgebaut, um ihrer neuen Bestimmung dienen zu können. Die Zöglinge werden in der Anstalt genährt, gekleidet und überhaupt vollständig gepflegt und unterhalten; erhalten religiösen und profanen Unterricht, erlernen nebenbei Gärtnerei, Ackerbau und Handwerke, zunächst solche, die Bezug auf Ackerbau haben. Im Laufe des verflossenen Monats nun wurde die Anstalt feierlich eröffnet. Die Direktion sowohl als das Oekonomat wurden dem Herrn Colonel Jsaac übertragen. Das Unterrichtswesen wurde sammt der religiösen Erziehung der Zöglinge, einem tüchtigen Manne, der sich vielfache Verdienste erworben hat, — Herrn L. M. Wormser — übergeben. Ein Punkt aber bleibt für mich ein Räthsel: Ich setze voraus, daß die Oberverwaltung dieses Instituts, nicht nur wünscht, sondern will, daß die Anstalt ganz spezifisch jüdisch geleitet werden soll; wie kann dieses nun stattfinden, wenn der Herr Direktor, dem die Besorgung des Oekonomats obliegt, das ganze praktische und ceremoniell jüdische Wesen, sowohl aus seinem Haushalt als aus seinem Leben verbannt hat? Welches Vorbild für junge israelittsche Kinder! Feuilleton. Der KaHencuttus bei den alten Ggyptern. Die alten Egypter haben bekanntlich mehrere Thiere und Vögel als Götter verehrt und angebetet, so: den Löwen, den Hund, das Krokodil, die Maus, den Storch, den Ibis rc. Der größten Verehrung erfreute sich jedoch bei ihnen die Katze (Bast), weil sie ein nützliches und zugleich niedliches und friedliches Hausthier war und wurde ihr sogar eine eigene Stadt Bu-Bastis (Katzenhort) geweiht, in der nur die Katze angebetet und ihr nur allein Tempel, Altäre und Haine errichtet werden durften. In dieser Stadt gab es auch einen eigenen Katzenfriedhof, von dem noch heute Ueberreste bei der Stadt Zagazig wahrzuuehmen sind, auf dem die Leichen der in ganz Unteregypten verstorbenen heiligen Katzen im munificirten Zustande beigesetzt wurden. Die Katze war kein einheimisches Thier Egyptens, sondern wurde dorthin von Karawanen aus Palästina und Syrien gebracht. Es wurden jedoch zumeist nur solche Katzen eingeführt, die ein buntgeflecktes Fell hatten. Der Ursprung dieses Katzencultus verliert sich im Dunkel der egyptischen Geschichte, doch dürfte derselbe zur Zeit Mosis schon existirt haben. Wahrscheinlich hat Josef, um das Getreide in den von ihm angelegten Speichern vor den Mäusen zu

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