Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 32-33 (25.4.1889)
- Date
- 1889-04-25
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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588 schützen, einige Hundert Katzen aus Syrien nach Egypten bringen lassen, die er dann an die verschiedenen Städte des Landes vertheilte. Ein im Egyptischen Museum zu Turin aufbewahrtes Tempelbild aus der Zeit Mosis zeigt uns eine von Katzen auf Ratten und Mäuse gemachte Jagd. Durch dieses Bild wollten nämlich die Priester das Volk darauf aufmerksam machen, wie nützlich die Katzen für den Hausbedarf seien. Zur Zeit der Propheten war der Katzeneultus schon über ganz Egypten verbreitet und der Prophet Jecheskel spricht: i*?d» znra r>D3 »di ps mro: „Die Lasterjünglinge und die Katzenidole werden durch das Schwert fallen.*) (idiä. XXX, 17.) Dieser Cultus erhielt sich bis in die spätesten Zeiten der römischen Herrschaft, und Diodorus Siculus erzählt uns, daß einst ein Römer öffentlich hingerichtet werden mußte, weil er eine heilige Katze ermordet hatte. Der römische Statthalter wollte ihn anfangs schonen, doch, da er einen Volksaufstand fürchtete, so opferte er den Kopf seines Landsmannes. Traf nun ein Egypter zufällig auf die Leiche einer Katze, so fing er zu heulen und zu schreien an, bis Leute herbeikamen, denen er versicherte, er habe das Thier nicht umgebracht. Herodot, der in Egypten gereist war, erzählt uns, daß, entstand irgendwo in einem Hause ein Feuer, so suchte man zuerst die Katzen zu retten, worauf man an die Bergung der Kranken und der Kinder und des Vermögens schritt. Starb in einem Hause eine Katze, so ließen sich dessen Bewohner als Zeichen der Trauer die Augenbrauen abrasiren. Die heilige Schrift gebietet daher: .mb DD»yj? 1*3 nmp „Machet Euch keine „Kahle" Mischenden Augen für einen Todten. (Deut. XIV, 1)". Starb dagegen ein Hund, so ließen sich alle Hausbewohner den ganzen Kopf kahl scheeren. Die tobte Katze wurde von Priestern einbalsamirt und feierlich zu Grabe getragen. Die Katzen trugen gewöhnlich Ohrringe aus edlem Metalle, und Spitzentücher um den Hals. Mit diesem Staate wurde auch die Leiche beigesetzt. Auch gab es in jedem Hause Katzenfiguren aus Stein oder Holz, vor denen dann die Frauen opferten oder Weihrauch verbrannten. Bei ihrem Leben wurde die Katze täglich gebadet, mit wohlriechenden Oelen geschmiert, mit den kostbarsten Speisen ge¬ *) Der bestimmte Artikel hieß bei den Egyptern Pi (’D), und sagt daher der Prophet, daß auch die Katzenidiole (nD2 ’DI) auSgerottet werden sollen. füttert nnd in eigenen herrlichen Gemächern aufbewahrt. Nach den Aufzeichnungen des eghptischen Priesters Horapollon wurde die Katze auch in einem Tempel von Heliopolis n»n) sehr verehrt und zwar als Göttin der Finsterniß, weil sie beim grellen Sonnenscheine die Augenwimpern zusammenzieht. Da nun die Katze gewöhnlich erst in der Nacht auf Raub ausgeht und ihre weiblichen Schwestern aufsucht, während sie am Tage zumeist schläft, der Löwe dagegen zumeist am Tage wacht und in der Nacht schläft, so stellten die Egypter die Nacht als Katze und den Tag als Löwen dar. Das Britische Museum besitzt auch ein Bild, auf dem eine Schlange von einer Katze enthauptet wird. Die symbolische Bedeutung dieses Bildes ist nicht bekannt. Da die alten Egypter die Katze oft auch zum Vogelfänge benützten, so finden wir daher viele Bilder, auf denen sich eine Katze zeigt, die im Munde eine Gans und in jeder Klaue irgend einen Vogel hält. Beim Tode einer Katze mußten alle im Hause vorräthigen Speisen als unrein weggeschüttet werden. Das genannte Museum besitzt auch ein Bild, auf dem ein Katzenmörder vor seiner Hinrichtung öffentlich ausgestellt ist. Derselbe sitzt zu Füßen eines großen Katzenidols und ist an Händen und Füßen gekettet, während neben ihm auf einem Teppiche das eorxu8 delicti, die tobte Katze liegt. Das Fleisch der Katzen wurde nie gegessen, selbst nicht zur Zeit einer großen Hungersnoth. Auf dem schon erwähnten Katzenfriedhof zu Bubafiis wurden die Mumien der Katzen stets in kostbaren Sarkophagen beigesetzt. Während ihres langen Aufenthaltes in Egypten hatten auch viele Israeliten angefangen, dem Thiercultus zu huldigen und die Folgen davon zeigten sich beim goldenen Kalbe. Es mußte daher die größte Strenge entfaltet werden, um diesen Cultus aus der Mitte Israels zu bannen. — Die Egypter scheinen von unseren Vorfahren die Namen für ihre zwei Hauptgottheiten, Ossiris und Isis, entlehnt zu haben, denn diese Namen zeigen deutlich ihren hebräischen Ursprung und zwar stammt Osiris von ->ny (Helfer) und Isis von nyi»* (Hilfe) her. Nach der eghptischen Mythologie soll nämlich Osiris, der ein Sohn des Himmels war, seine Schwester Isis geheiraihet haben, d. h. der Helfer und die Hilfe haben sich zu einem Bunde miteinander vereinigt. Osiris und Isis hatten einen Bruder, der Typhon hieß, was die Bibel mit ps wiedergibt.