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Der Israelit · 1889-04-25 · Heft 32-33 (25.4.1889) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 32-33 (25.4.1889)
Date
1889-04-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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580 des Knaben, der eben aus der Schule ging, ansichtig wurde, lockte er ihn an sich und verschwand mit ihm spurlos. Das geschah am 12. April. Unterdessen wurde festgestellt, daß Salzer der Ausrufer jener Gauklerbande war, die seinerzeit den Knaben in Preßburg zurückgelassen hatte, und dürfte deßhalb die Annahme nicht unbegründet sein, daß Salzer nunmehr den hübschen, aufgeweckten Knaben wieder entführt hat. Die polizeiliche Kurrentirung des ehemaligen Ausrufers jener Künstlertruppe wurde angeordnet, allein bis jetzt erfolglos. Salzer hat sich vor drei Wochen bereits in Neutitschein der Entführung von Kindern verdächtig gemacht und wird wegen dieses Vergebens auch verfolgt. Trotzdem die obenerwähnten Thatsachen behördlich konstatirt worden sind, herrscht in der Bevölkerung Preßburgs große Aufregung und fürchtet man, daß die von antisemitischen Hetzern aufgestachelten Volksmaffen Demonstrationen gegen die Juden machen werden. Mische Geschichte, Volks- und Fsinilleusceuen als Stoffe der bildenden Kunst. (Fortsetzung.) Die Einweihung der prächtigen Amsterdamer Talmud Thora 1675 behandelt eine große Na. dirung des seiner Zeit berühmtesten holländischen Illustrators der Zeitereignisse, Romain de Hooghe. Das Blatt enthält in der Mitte oben eine allegorische Darstellung, wie das Judenthum durch den opfernden Hohenpriester Aaron, der die Thora entrollt, und die weibliche. Dank ausdrückende Jdealgestalt des Gesetzes versinnlicht, von den vereinigten Provinzen mit freudiger Anerkennung empfangen wird. Ein Genius bringt den Aufriß des Baues heran. Kleine Engel schütten die Segnungen des Handels und Friedens hernieder; andere lassen festliche Posaunen schmettern. Die Umrahmung bilden der Grundriß des neuen Baues und die Außenansicht der Synagoge, die sich inmitten einer von weitläufigen Lehrgebäuden gebildeten Umfassung dicht am Kanal erhebt, ferner in sechs Lorbeerkränzen vertheilt die Namen der Notabeln der Ge- ' I meindc. Den Hauptinhalt des Blattes bildet aber I der mit charakteristischer Treue festgehaltene Moment der Einweihung der Synagoge selbst. Im Vordergrund, von einer Gallerte aus, beobachten eingeladene Gäste, Herren, Damen und Kinder, in den luxuriösen Costümen jener prachtliebenden Zeit den Schluß des Einzugs, während schon viele Sitze eingenommen sind und der Vorsänger schon seinen Platz auf dem Almemor innehat. Das für die Zeit hochbedeutende Ereigniß, in verschiedenen Sprachen dichterisch gefeiert, fand so auch durch den Griffel des Künstlers eine würdige Verewigung. Nun müssen wir unsere Betrachtung den interessanten Blättern zuwenden, die der französische — in Holland aber thätige Kupferstecher Bernard Picard zu den Ceremonies religieuses geliefert hat. Der Umstand, daß dieselben in einer unübertrefflichen Reproduktion in den letzten Jahren in Paris bei Durlacher neu erschienen sind — ein Werk, worauf übrigens in den Spalten des „Israelit" rechtzeitig aufmerksam gemacht worden, veranlaßt uns, der hochinteressanten Publikation an dieser Stelle ihre besondere Würdigung zu Theil werden zu lassen. Wie alle großartigen buchhändler. Unternehmungen jener Zeit und insbesondere der jugendkräftigen, thatsächlich au der Spitze der damaligen Civilisation schreitenden holländischen Republik, wie jene reisehistorischen und naturgeschichtlichen Sammelwerke, waren auch die Oeremonies religieuses zur Verbreitung unter der gebildeten Welt von ganz Europa bestimmt und — wie von dem Zeitalter der Repräsentation, dem grand siede de Louis quatorze nicht anders zu erwarten — der treue Spiegel des Tatsächlichen, der rituellen Vorkommnisse. War es auch kein innerer sympathischer Zug, der den Künstler seiner Aufgabe zuführte, führte auch keine Parteinahme irgend welcher Art die fleißige Hand, so begegnen wir dafür aber, soweit es der damaligen Zeit überhaupt möglich war, der zuverlässigsten Treue und der allgemeinsten Verständlichkeit der Wiedergabe. Die uns vorliegenden Blätter behandeln das festliche Jahr, die durch das Gesetz geheiligten Familienvorgänge, wie sie in den Synagogen und im reichen jüdMen Hause in Holland sich abspielten: das Sedermahl, den unter Fackelbegeleitnng stattfindenden Aufzug des Chasan Thora und Chasan Bereschith am Simchath Thora, den Gottesdienst des Jom Kippur nach deutschem Ritus — (Betsaal und Personen gegen die Eleganz der Portugiesen gewaltig abstehend), Sukkoth: von dem lanbüberzogenen Dachgerüste hängen Kürbisse, Laternen und in den Guirlanden um die Sabbatlampe kleine durch Reifchen

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