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Der Israelit · 1889-04-25 · Heft 32-33 (25.4.1889) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 32-33 (25.4.1889)
Date
1889-04-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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581 '*/ gebildete Globus — unbehutet der Hausherr allein, mit gewaltiger ellenlanger Allonge-Perrücke bedeckt. Das Schofar-Blasen (Rosch-Haschana), die vier an der Bank unter dem Almemor Sitzenden (nach portugiesischem Ritus), eine Perle des künstlerischen Arrangements, die die Thora geleitenden Palmenträger — Hoschana Rabah — eine höchst charakteristische Darstellung. Simchat-Thora in der portugiesischen Synagoge: Imposante Räume, in klassischem Styl die gewaltigen geöffneten Schränke mit den Gesetzesrollen. — Das Entrollen der Thora: die äußerst lebendige Darstellung, unzweifelhaft einem ärmeren deutschen Bethaus in Amsterdam entnommen, ebenso die Segnung der Cohanim. Die Hochzeit versetzt uns in ein reiches portugiesisches Haus. Unter dem prächtigen Baldachin auf erhöhten Sitzen befinden sich die verschleierte Braut mit der Mutter und Schwiegermutter. Der Bräutigam zertrümmert das Glas; der bärtige Rabbi deutet auf das Symbolische der Handlung hin. Dahinter ein junger Mann mit dem Ehekontrakt (Kethubah). Sänger und andere Angehörige der Synagoge stehen bereit. Auf besonderer Bühne sind die Musiker sichtbar. Fuß- Teppiche , Gobelins und Wandleuchter, gewaltige Silberschüsseln bekunden die Pracht des Zeitalters und den holländischen Reichthum. — Die Auslösung des Erstgeborenen. Höchst ansprechend ist das die Peßachvorbereitung, das „Schütteln" behandelnde Blatt, welches die genaue Darstellnng der zierlichen holländischen Küche bietet.*) Den Vordergrund erfüllt mancherlei Geräthe, der brillcnbewaffnete Hausvater in bequemem Gewand kehrt die Brodkrümmchen nrit deni Federbart zusammen, während der große Junge ihm leuchtet. Die Mutter, in der Anschaffung der Feftvorräthe thätig, scheint der aufmerksamen Tochter Geld zu den verschiedenen Aufträgen hingezählt zu haben; das kleine Mädchen mit dem Steckenpferd verräth doch auch sein Interesse. Durch die großen Fenster sehen wir auf einen höher gelegenen Vorplatz, wo eine Magd mit dem üblichen Scheuern geschäftig ist. Die ganze Darstellung ermangelt nicht des intimen Reizes und das Ganze bietet ein so frappantes Genrebild, daß der Beschauer unwillkürlich ein öfter behandeltes Sujet vor sich zu haben glaubt, und doch ist — unseres Wissens — der Gegenstand außer hier noch niemals behandelt worden. Mag sich doch ein Künstler unserer Tage die Sache einmal darauf hin ansehen. Die andere *) Es ist das in der vorigen Doppelnummer von uns gegebene Bild. — Red. Hochzeitsdarstelluug versetzt uns wieder in die mehr ärmlichen Verhältnisse der deutschen Gemeinde. Die Scene spielt im Hof der Synagoge, und neugieriges Publikum erklettert Bänke und Dächer. Eben steckt der Bräutigam der Braut unter dem Tallith den Ring an; der Rabbiner richtet an sie ein eindringliches Wort, hinter ihm der Unterführer und der Synagogendiener, der eine Glasflasche für die symbolische Zertrümmerung bereit hält. Die übrigen Verwandten — die Frau im Vordergrund ist unverkennbar des vornehmen Putzes ungewohnt — umstehen die Hauptgruppe, lebhafte Theilnahme verrathend; zwei Führer des Hochzeitszuges geben sich kaum die Mühe die lustigen Gäste zurückzuhalten. Die Musikanten, von denen einer das Hackbrett schlagen wird, vertiefen sich, wohl um sich ein Ansehen zu geben, in das aufgeschlagene Notenbuch. Die heitere Scene führt uns prächtige typische Gestalten vor. Eine figurenreiche Composition stellt die Beschneidung dar, zwei Blätter geben Bestattungsceremonien wieder: das eine den Zug der Hakafoth um den Sarg, das andere die Beerdigung. Im Hintergründe hoch die hohen Steinsärge aus dem ruysdaelischen Bilde. Die darüber sichtbaren Schiffsmaste und Segelstangen, weit entfernt etwas Symbolisches andeuten zu wollen, sind für die dargestellte Oertlichkeit, die unmittelbar an einem Canal liegt, charakteristisch. Außer Porträts brachte das 18. Jahrhundert kaum etwas hier Erwähneuswerthes hervor. — Horace Vernet, 1833 von seinen Funktionen als Direktor der Akademie in Rom befreit, dem die algerische Eroberung das Herz heftiger schlagen ließ, träumte von diesem neuen den Künstlern eröffneten malerischen Felde und gedachte nicht blos Schlachtengegenftände dort zu finden, sondern die alten biblischen Vorwürfe und zwar verjüngt durch die Wahrheit der Figuren, der Kostüme und Landschaften, die er dort direkt beobachten zu können glaubte. Als Frucht der ersten Reise ist das bekannte Bild „Rebekka am Brunnen" zu erwähnen. Der Künstler reiste, die Bibel in der Hand, aber sein modernes Auge suchte und fand das Alte im Modernen, wenn er gleich behauptete in den Scenen vor seinen Augen die lebendigen Bilder der heiligen Schriften zu besitzen. „Eines Tages," so schreibt er, „las ich in meinem Zelt, wie Rebekka am Brunnen, die ihren Krug auf der linken Schulter trug, ihn auf den rechten Arm herunter gleiten ließ, um dem Eliezer zu trinken zu geben. Diese Bewegung schien mir ziemlich schwer zu verstehen. Ich erhob die Augen, und was sah ich?... Ein junges Weib, das einem Soldaten zu trinken gab und genau die

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