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Der Israelit · 1889-04-25 · Heft 32-33 (25.4.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 32-33 (25.4.1889)
Date
1889-04-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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r 579 bischer Anschauung nicht, sich in das Gewand des Geheimnißvollen zu hüllen, um etwas Eigenartiges, Wichtiges vorzustellen. Der Jude dünkt sich nichts Besonderes, wenn er nach vollendetem Tagewerk mit Genossen sich vereinigt, um dem Studium des Gesetzes obzuliegen und damit an seiner Selbstveredelung zu arbeiten. Der Jude dünkt sich nichts Besonderes und verschmäht jeden gleißnerischen Schein, wenn er mit Gleichgesinnten Zusammentritt, um über die Mittel zur Linderung der Noth seiner Mitmenschen zu berathen und dafür zu wirken. Der Jude will nichts Besonderes sein, wenn er dem Schmerzenslager des mit dem Tode Ringenden naht und bei ihm ausharrt bis zum letzten Athemzuge, wenn er der entseelten Hülle des Dahingeschiedenen den letzten Liebesdienst erweist, wenn er nicht die die Unbilden der Witterung und die Anstrengung scheut, um ihr selbst die letzte Ruhestätte zu bereiten. Mich dünkt, es gibt kein idealeres Werk der Selbstveredlung und hingehendsten Humanität', als dergestallt von jüdischen Männern still und ernst betrieben wird, ohne daß jemals der Gedanke aufgetaucht wäre, für die Glieder der verschiedenen Vereinigungen zu solchem Wirken ein geheimnißvolles Ritual zu entwerfen, welches nur den Eingeweihten offenbart werden darf. Doch dieses nur nebenher. Es genügt vollkommen zu erkennen, daß mit diesen jüdischen „Logen", wie sich der B. B. Orden zu benennen für gut erachtet, ein durchaus unjüdisches Gebühren sich breit macht, von welchen sich die jüdischen Kreise bis jetzt wahrlich zu ihrem Besten fern gehalten haben. Wichtiger und bedeutender ist aber die Würdigung des eigentlichen Wesens dieses Ordens, der mit dem Freimaurerbunde doch nichts weiter gemein hat, als eben diese Aeußerlichkeiten, die dort vielleicht weniger thöricht erscheinen mögen, als im Judenthum. Als erster Gegensatz zu der Freimauerei tritt in dem Wesen des B. B.-Ordens die Bestimmung auf, daß jene nicht für die Bekenner eines gewissen Religionsbekenntnisses oder die Angehörigen eines gewissen Volksstammes eingerichtet ist, sondern den Bekennern jeder Confession und den Gliedern einer jeden Rasse ihre Logen öffnet. Der Benai-Berith- Orden aber ist ganz speziell für Juden gegründet worden. In den Logen des jüdischen Ordens vereinigen sich also lediglich Juden zur Selbstveredelung, zur Erlustigung und Ermunterung an der ihnen gewordenen hehren Aufgabe, an dem Streben nach dem Ideale ihres Lebens und an der Bethätigung dieses idealen Strebens im praktischen Leben. Eine Betrachtung des Prinzips, dem der „U. O. B. B." seine Logen in der neuen und alten Welt aufthut, wird aber zeigen, wie gerade dieses Bundesprinzipium der jüdischen Wahrheit entgegen ist, wie es das Judenthum verleugnet und dadurch im hohen Grade eine Gefährdung jüdischen Lebens und Geistes ist. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Oberehnheirrr, 9. April. Die Israeliten unserer Stadt besaßen seither keine eigene Begräbnißstätte und waren daher gezwungen, ihre Verstorbenen nach dem ungefähr 7 Kilometer entfernten Friedhof in Rosenwetler, im Kreise Molsheim zu verbringen. Die umständliche Art und Weise der Beerdigung war mit vielen Unannehmlichkeiten und auch zugleich nicht unansehnlichen Kosten verbunden, weßhalb das Bestreben der Gemeinde sich schon lange darauf richtete, eine eigene Begräbnißftätte zu erlangen. Dies ist ihr nunmehr gelungen. An der Straße nach Bischofshein ist neben dem evangelischen Friedhof ein Stück Land erworben, welches augenblicklich zu dem gedachten Zweck hergestellt wird. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 15. April. Eine Deputation der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde unter Führung ihres Präsidenten Arminio Cohn überreichte heute dem Ministerpräsidenten Grafen Taaffe ein Memorandum über die Ausschreitungen der Antisemiten. Graf Taaffe empfing die Deputation sehr freundlich und erklärte, das Memorandum eingehend prüfen zu wollen, da die Regierung jederzeit auf dem Standpunkte der Gleichberechtigung aller Konfessionen beharre. Pretzburg, 16. April. Zum Verständnisse der neuesten von den Antisemitenblättern in Verbreitung gesetzten „rituellen Mordgeschichte" sei bemerkt, daß in der hiesigen Bevölkerung seit einigen Tagen große Aufregung herrscht. Seit dem 12. April ist ein neunjähriger Knabe Namens Wilhelm Scholz verschwunden und in den niederen Schichten der Bevölkerung wurde von berufsmäßigen Hetzern das Märchen von einem rituellen Verbrechen kolportirt. Vor Monaten wurde der kleine Knabe von einer durchziehenden Gauklergruppe zurückgelaffen. Das verlassene Kind wurde von dem christlichen Schneidermeister Sonnenschein adoptirt und lebte in dessen Familie. Vor fünf Tagen erschien in Preßburg ein Mann Namens Salzer, und als derselbe

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