Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 32-33 (25.4.1889)
- Date
- 1889-04-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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TFgETgg»' nwa^-y1 *ym u^wigH 570 das fertige Gewand nur anzuziehen brauche. Alle Nationen und alle Gewerke arbeiten Hand in Hand, um die Bedürfnisse des Einzelnen zu befriedigen! Der gute Gast, er spricht: Wie sehr hat sich der Hausherr um meinetwillen bemühet! Wie viel Fleisch, wie viel Wein, wie viel Mehlspeisen hat er auftragen lassen, und alle die Kosten und Mühewaltung hat er sich nur meinetwillen gemacht. Der böse Gast aber spricht: Was habe ich denn genossen? Ein Stückchen Brod, ein Stückchen Fleisch, einen Becher Wein! Alle die Kosten und Mühewaltungen hat der Hausherr nur um seiner selbst und der Seinen willen sich gemacht. In Bezug auf den guten Gast heißt es (Jjob C. 36, V. 24). Sei eingedenk, wie groß ist sein Thun; es preisen es die Menschen. Von dem bösen Gast aber heißt es (daselbst C. 37, V. 24): Fürwahr, ihn werden fürchten die Menschen; er wird nicht schauen die, so weisen Herzens sind. — Der edle Mensch ist dem Allgütigen dankbar auch für das Wenige, das er hienieden genießt; der schlechte Mensch aber ist trotz reicher Gaben stets unzufrieden. — So schließt sich diese Erzählung unserer Weisen an den hier in Rede stehenden Ausspruch an. Die Sentenz des Ben Soma, welche die schönsten und herrlichsten Lebensregeln enthält, bietet dem Verständnisse die größten Schwierigkeiten. Zunächst fragen die Erklärer unserer Maßechta, warum ben Soma gerade diese vier Eigenschaften herausgreift; er könnte ja noch fragen: Wer ist glücklich? wer ist demüthig? wer hat Antheil an der zukünftigen Welt? wer ist berühmt? und derlei mehr. Auch die einzelnen Theile des in Rede stehenden Ausspruches bieten mannigfaltige Schwierigkeiten. „Wer ist weise? Derjenige, welcher von jedem Menschen lernt." Es schiene doch richtiger zu sein, zu sagen: Derjenige ist weise, welcher jeden Menschen zu belehren im Stande ist. Wer von jedem Menschen lernt, ist wohl ein guter Schüler. Was aber berechtigt ben Soma, ihn als den einzig Weisen zu bezeichnen? — Auch der als Beweis angeführte Psalmvers noto ^jd scheint nicht ganz zutreffend zu sein; ihm gemäß hätte ben Soma fragen sollen: mra, und nicht D3n mw. Auch der einfache Sinn des Psalm- Verses wird gewöhnlich anders gedeutet, nämlich: Mehr als alle meine Lehrer habe ich Vernunft erlangt, denn Deine Zeugnisse bildeten stets den Gegenstand meiner Unterhaltung. Der zweite Theil unserer Mischnah bedarf ebenfalls der Erklärung. „Wer ist ein Held? Derjenige, welcher seine Leidenschaft bezwingt; denn so heißt es: Besser ist der Langmüthige als der Held, und wer seinen eigenen Geist beherrscht als der Städtebezwinger." Aus dem angeführten Verse geht hervor, daß derjenige, welcher seine Leidenschaft unterdrückt, besser ist als ein Held. Damit aber ist noch nicht gesagt, daß er selbst ein Held sei; man kann ganz verschiedene Gegenstände miteinander vergleichen, ohne daß das Mehrwerthige dasselbe ist wie das Minderwerthige. — Noch schwieriger erscheint der dritte Theil unserer Mischnah. „Wer ist reich? Derjenige, welcher mit seinem Theile sich freut (zufrieden ist); denn so heißt es: Genießest du das Mühen deiner Hände, Heil dir und wohl dir, Heil dir in dieser Welt und wohl dir für die zukünftige Welt." — In dem als Beweis angeführten Psalmverse steht gar nichts davon, daß er sich auf denjenigen bezieht, welcher mit seinem Theile zufrieden ist. Gibt es nicht Handwerker und Tagelöhner in großer Menge, die von dem Mühen ihrer Hände leben und dennoch im höchsten Grade mit ihrem Loose unzufrieden sind? — Am Unverständlichsten ist der letzte Theil unserer Mischnah. „Wer ist geehrt? Derjenige, welcher die Geschöpfe ehrt; denn so heißt es: Denn die Mich ehren, werde Ich ehren, und die Mich verachten werden zu Schanden werden." — Dieser Theil unserer Mischnah erscheint von Anfang bis zum Ende ganz unverständlich. Nicht derjenige ist geehrt, welcher die Menschen ehrt, sondern derjenige, den die Menschen ehren. Auch die Erfahrung scheint unserer Mischnah zu widersprechen. Die großen Männer, welche der Verehrung höchste von Seiten ihrer Mitmenschen genossen haben, pflegten vielfach Menschenverächter zu sein. Wir erinnern nur an das Beispiel des großen Napoleon. Zeitgenossen des gewaltigen Mannes haben uns erzählt, daß man, wenn man ihn sah, zwei Segenssprüche sprach: nämlich nnsD irw cm „Gelobt sei Der, welcher von Seiner Ehre einem Menschen verliehen", und inoDno pw o*n „Gelobt sei Der, welcher von Seiner Weisheit einem Menschen verliehen." Gab es wohl einen Mann, der größere Verehrung genoß, als dieser gewaltige Held, dieser große Gesetzgeber? Und doch steht es fest, daß er die Menschen verachtete, daß ein Menschenleben ihm gar nichts galt. — Auch der als Beweis angeführte Bibelvers scheint nicht zu passen; in demselben ist nicht von der Verehrung, die man dem Menschen entgegenbringt die Rede, sondern nur von der Verehrung Gott gegenüber. Die Behauptung des Weisen erscheint daher ebenso unverständlich wie der von ihm erbrachte Beweis unzutreffend. — Aber es ist ben Soma, welcher im Talmud als ein Symbol der Weisheit dargestellt wird, mit dessen Worten wir