Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 30-31 (15.4.1889)
- Date
- 1889-04-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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haltungskosten auf 12000 fl. festzusetzen. Die Subvention des ersten Jahres soll aus einem Betrage von 25000 Frcs., welchen Baron Hirsch vor längerer Zeit zur Hebung des Gewerbes im Judenthum der Alliance gespendet, gedeckt werden, während die Mittel für die Zukunft dem 12 Millionen-Fond des genannten Philantropen entnommen werden sollen. Das wesentliche Verdienst der Alliance besteht darin, daß sie ihr Verfügungs- resp. Mitbestimmungsrecht zur Förderung des Handwerks unter den galizischen Israeliten geltend gemacht hat. Alles hängt nun von der Verwaltung, resp. von der zur Verwaltung eingesetzten Person ab. Diese muß mit einer wahrhaft religiösen Anschauung und pädagogischen Erfahrungen , Energie und Fachkenntniß verbinden. Ob Herr Friedländer, unter dem Namen Oskar Waldeck als Schriftsteller bekannt, der, nach einem unverbürgten Gerichte als Verwalter ausgenommen werden soll, die hiezu geeignete Persönlichkeit ist, ist mindestens fraglich. Der Posten erfordert nicht nur einen Mann von umfassender Bildung und unantastbarer Ehrenhaftigkeit — Eigenschaften, die diesem Herrn Niemand wird absprechen wollen — sondern auch, wie bereits bemerkt, erprobte Glaubensfestigkeit und fachmännische Kenntnisse. Wir glauben, Herr Friedländer wird zugeben, daß ihm diese völlig abgehen. Wir können nicht umhin der Alliance es unverblümt zu erklären, daß, wenn sie etwa gewillt sein sollte, um Platz für den Fortschritt zu machen, alle religiösen Rücksichten aus dem Wege zu räumen, ihr seitens der gesetzestreuen Israeliten Galiziens ein unbezwingbarer Widerstand wird entgegengebracht werden. Zweck dieser Anstalt ist es das Handwerk unter den Juden unseres Landes zu verbreiten, sie soll die ihr anvertraute reifere Jugend für Erwerbszweige heranbilden, die bisher nur wenig Verbreitung unter unseren Glaubensgenossen gefunden, aber die Zöglinge sollen auch ihren Stamm nicht vergessen und die religiösen Pflichten, die sie diesem schulden; sie sollen nicht als jene Zwittererscheinungen die Anstalt verlassen, die, „halb Jude, halb Christ", von einem Extrem in's andere gerathen, und, da sie baar sind jeder festen religiösen Grundlage, baar jedes sittlichen Halts, wie eine Wunde an dem Organismus des Judenthums haften. Will man aber diesen letzten Möglichkeiten Vorbeugen, so muß die leitende Person der Institution durch ihre Handlungen den Beweis geliefert haben, daß Religion für sie kein überwundener Standpunkt ist. Und Herr Oscar Waldeck?? -Weßhalb ist nicht, wie ursprünglich festgesetzt, durch einen Concurs die Wahl eines Verwalters entschieden worden? Es wäre doch wahrscheinlich, daß in einem solchen Falle ein Mann hätte gefunden werden können, der, wenn auch nicht die Intelligenz und die Feder eines Oscar Waldeck, so doch strengreligiöse Anschauungen, fachmännische Kenntnisse und einen hinreichenden Grad von Allgemeinbildung besitzt. Wir erinnern daran, daß die Gewerbeschule nicht zur Versorgung protegirter Personen, — Herr Friedländer ist der Bruder des Sekretärs der Alliance — in's Leben gerufen wurde und es geradezu beschämend wäre, wenn sich die Protektionswirthschaft in einem Vereine einnisten sollte, der dazu berufen ist, Uebelftände abzuschaffen und Wächter der höchsten und edelsten Interessen des Judenthums zu sein. Nach den traurigen Erfahrungen, die man mit den Bildungs- und Versorgungsanstalten der Alliance in Galizien, wenn auch nicht immer so doch häufig, gemacht, ist die Annahme nicht unbegründet, daß nur diejenigen Kinder die Begünstigung der unentgeltichen Aufnahme haben werden, deren Angehörige in irgend einem Verhältniß zu den Vorständen des Vereins stehen, die Kinder mittelloser Familien aber nur ganz vereinzelt einen Platz werden erringen können. Daß dann die Anstaltgründung ebenso überflüssig wie deren kostspieligen Erhaltung wäre, liegt klar auf der Hand. Wir warnen hiermit eindringlich vor einem solchen Vorgehen und bemerken der Alliance, daß die Spender nach langen Enttäuschungen endlich einmal auf einen Erfolg warten, wenn sie nicht ihr schwankendes Zutrauen ganz verlieren sollen. Gelegenheit einen solchen zu erzielen, bietet sich nunmehr in Hülle und Fülle und wir wollen uns der Hoffnung hingeben, daß redlicher Wille und geschickte Hand sich vereinigen werden, um die schönsten Früchte zu zeitigen. S. M. L. Feuilleton. Mische Geschichte, Uolds- und FaMilirnsceueu als Stoffe der bildenden Kunst. Unter obigem Titel eine Zusammenstellung von Kunstwerken aller Zeiten zu versuchen, schien uns eine nicht uninteressante Aufgabe. Abgesehen von den Darstellungen semitischer Einwanderer und Kriegsgefangenen bietet das ägyptische Alterthum, dessen Denkmäler ja größtentheils einer noch weit älteren Zeit angehören, kein Material, das hier zu besprechen wäre. Kaum mehr das assyrische. Von römischen Denkmälern müssen uns aber die Bilder des Titusbogens zu Rom interessiren. Die beiden großen Basreliefs stellen den durch