Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 30-31 (15.4.1889)
- Date
- 1889-04-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Tr? 552 Einwohner trieben bedeutenden Handel, Schifffahrt, Schiffbau und Fischerei, und die Häringsfischerei allein lieferte jährlich über 13,000 Tonnen. Der Magistrat der Stadt hatte jährlich von den Zöllen, Gütern u. s. w. über 50,000 Thaler Einkünfte, welche größtentheils zur Erhaltung der kostbaren Seedeiche und Schleusen verwendet wurden. Zu der Zeit, zu der mein Großvater ein junger Mann war, war der Handel zwar noch bedeutend, doch nicht mehr das, was er zu Beginne des Jahrhunderts gewesen. Die Kanäle fingen an zu versanden, die größeren Schiffe mußten draußen im Hafen bleiben, nur Kähne und Floße, Torfschiffe durchzogen nunmehr die innere Stadt. Die ganze Gegend ringsum liegt tief und ist eben, Dämme schützten zwar auch damals schon das Binnenland vor dem Hereindringen des Meeres, dennoch verging selten ein Jahr, in dem nicht Hochwasser den tiefer liegenden Theil der Stadt überschwemmte, namentlich wenn zur Zeit der Springfluth Nordwestwinde das Meerwasser in die Mündungen der Ströme treiben. Die Bewohner der Stadt, von jeher an diese Kalamität gewöhnt, suchten sich so gut als möglich davor zu schützen, die meisten Häuser lagen mindestens um eine oder um zwei Stufen über dem Niveau der Straße. Die Häuser, größtentheils schmal und einstöckig, waren in der Regel nur für eine Familie berechnet; es gab jedoch auch solche, die nur aus einer Parterrewohnung bestanden und über derselben der Bodenraum. Bei stärkerem Nordwestwind pflegte kein sorgsamer Hausvater sich niederzulegen, ohne zuvor durch eigens zu diesem Zwecke bestimmte Verschalungen die Parterreräume vor dem etwaigen Eindringen des Wassers geschützt zu haben. Trotzdem drang es hin und wieder in die Wohnung, zwar selten höher als einen Schuh, aber es hinterließ Uebel mancherlei Art. Die Hausgeräthe verdarben, die Wohnungen blieben feucht, das sogenannte kalte oder Wechselfieber grassirte Jahr aus Jahr ein. Einen seltsamen Anblick gewährte es immerhin, wenn während des Hochwassers Kähne mitten durch die Straßen glitten and Arbeiter und Knechte in hohen Wasserstiefeln durch die Fluth wateten. Die Familie meines Großvaters, d. h. mein Uhrgroßvater mit seiner Familie, verbrachten den größten Theil des Jahres auf einer Besitzung wenige Stunden von E.... Sie hatten jeddoch auch in E.... als Absteigequatier ein kleines, überaus freundlich eingerichtetes Häuschen. Es lag ziemlich tief, der katholischen Kirche gerade gegenüber, mit einem mächtig großen Vorgarten. Die unteren Räume waren für die Familie bestimmt, während der obere Stock, der eigentlich nur aus Mansarden bestand, von einer alten Dienerin und deren Tochter bewohnt war, die das Haus in Ordnung hielten. In den Sommermonaten kam mein Urgroßvater öfters nach E...., dann pflegte er dort zu übernachten, im Winter kam dieses selten vor. Mein Großvater hatte als fünfzehnjähriger Knabe das Unglück, beim Schlittschuhlaufen auszugleiten und ein Bein zu brechen, er blieb dadurch hinkend während seines ganzen Lebens und mußte auf alle Leibesübungen wie Schwimmen, Turnen u. s. w. verzichten. Er war jedoch ein leidenschaftlicher Reiter, verbrachte täglich mehrere Seunden zu Pferde und liebte cs auch im Winter weitere Ausflüge zu Pferde zu unternehmen. Mein Großvater war verlobt mit einer jungen Dame, deren Eltern ihr Besitzthum unmittelbar vor E.... bewohnten. Mein Großvater besuchte seine Braut fleißig und pflegte dann in dem erwähnten Häuschen zu übernachten. (Fortsetzung folgt ) „Israelit" und „Jcschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, ,edesmat in nnndeuens 2 Bogen Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel }U bestehe» bet E. F. Stetnacker, Lripstg, Doßplah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'8 Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hanptblatt): Leitender Artikel: Hagadah schel Peßach. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Oefterr.- Ungar. Monarchie: 2mal Wien. Pesth. Siebenbürgen. — Ein Denkmal für Kaiser Friedrich. — Feuilleton: Schuld und Sühne. Inhalt der erste« Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus dem Rhein-Ruhrgebiete. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Krakau. — Feuilleton: Jüdische Geschichte, Bolks-und Familienscenen als Stoffe der bildenden Kunst. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — England: London. — Australien! Melbourne. — Feuilleton: Zur Geschichte der Juden in Oesterreich. — Inhalt der belletristischen Beilage: Zum Peßachfeste (mit Illustration). — David Lämml. — Eine anonyme Verleumdung. — Seber-Abend (Rösselsprung). — Preisräthsel. — Inhalt der Extra-Betlage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei (Oscar Lehmann) in Mainz. Hierzu drei Beilage«.