Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 30-31 (15.4.1889)
- Date
- 1889-04-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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549 Hingebung und Freundlichkeit, mit rechter hillelianischer Duldsamkeit seine Gemeinde seit mehr als einem Viertel Jahrhundert belehrt und führt. — Vor Dezennien, da in Siebenbürgen noch keine anständige zeitgemäße Schule vorhanden, da war dort schon eine Musterschule unter der Leitung seines würdigen Schwiegersohnes Herrn Kraus, gegenwärtig Bezirks-Rabbiner zu HLllLs in Ungarn. Die reichsten und intelligentesten Juden Siebenbürgens schickten ihre Kinder in diese Bildungsanstalt, die eine Pflanzstätte der nirn nDDn min war, und auch heute noch ist. Gegenwärtig steht diese Musterschule unter der Leitung eines älteren Schwiegersohnes des Rabbiners, der auch Rabbinatsassessor ist; derselbe ist ein Talmud-Chacham, der mit seiner Sanftmuth das Beste fördert. Nicht so Erfreuliches bin ich im Stande, von der jüd. Gemeinde in der sächsischen Hauptstadt Hermanstadt (Nagy-Szeben), die früher auch die Hauptstadt von Siebenbürgen war, mitzutheilen. Hier waltet und schaltet ein Chaos, Hader und Zwietracht, ein Kampf des Lichtes mit der Finsterniß in den Genieindeverhältnissen; es glimmt noch unter der Asche der Verwahrlosung und> des Jndifferentismus ein Funke von Religiosität. Noch wurde von keiner Seite an den alten Synagogen- Einrichtungen und Traditionen gerüttelt. Würde nicht in der Gemeinde der Materialismus zu sehr vorherrschen, wäre für die heilige Sache bei den Besseren und Würdigeren mehr Opferwilligkeit, die Gemeinde hätte eine große Zukunft zu erwarten. Die schönen Sitten in Handel und Gewerbe haben sie von den Deutschen angenommen, aber das Streben für Ordnung und friedliches Zusammenhalten haben sie nicht erlernt. Der Grund dieses krankhaften Zustandes ist die stark epidemisch umsichgreifende p"c7-Wirthschaft. Durch die Anstellung eines.Tausendkünstlers 12-^2, Schächters, Vorbeters, Gemeindenotärs und Rabbiners in einer Person werden die Gemeinden geistig zerrüttet und unfähig sich zu entwickeln. Es ist dies keine Folge zu großer Sparsamkeit, nein! auch die Herren popp sind Familienväter, die ihr Haus anständig erhalten wollen, und können nicht in einer Stadt um Nichts erhalten werden. Es geschieht dies absichtlich und gewissentlich, damit der Einfluß in der Gemeinde gehemmt und gelähmt sei, damit die Herren Vorsteher kein geistiges Oberhaupt über sich haben, das in den internen religiösen Angelegenheiten zu wirken und zu schaffen vermöchte. Man kann hierauf das Prophetenwort anwenden: -f? n^Dtr du erhältst das Amtekind! vh >nn p8p du bist von uns als Herr angestellt — aber mit der Bedingung -pT rinn n»rn n^tsoom siehst du irgend ein so decke ihn mit deiner Handfläche, du mußt also hören, sehen und schweigen! Die Folgen davon sind sehr traurig. Vor zehn Jahren ist unter den jüd. Einwohj ncrn von Maros-VLsLrhely ein Streit entstanden, | der damit endete, daß sich die jüd. Gemeinde theilte, in eine orthodoxe und eine 8tatu8-guo-Gemeinde. Was machte die orthod. Gemeinde, die bei der Ausscheidung nur wenige Mitglieder zählte? Sie wählte sich gleich einen großen Talmid-Chacham als Rabbiner und dadurch hat sie erzielt, daß sich die im Bezirke wohnenden jüd. Einwohner ihr angeschlossen haben und die Gemeinde hat sich allmählich zur Freude Aller entwickelt, so daß ihr, vor 2 Jahren, die Rabbinats-Stelle durch einen Mann, wie Herrn Oberrabbiner M. A. Mandelbaum, dessen immenses Wissen allbekannt ist, zu besetzen möglich war. Die 8tatus-^uo-Gemeinde begnügte sich aber seit 10 Jahren mit einem p"tp omtp. Alle Achtung vor Personen, die mir als tüchtige und Ehrenmänner bekannt sind — da aber der Wirkungskreis und die Qualification desselben beschränkt ist, so ist die Folge, daß eine ansehnliche Gemeinde wie die Maros - Väsärhelyer 8tata8-<iuo-Gemeinde geistig verkümmerte, und nicht nur geistig auch materiell, selbst bei ihren reichen und wohlhabenden Mitgliedern — leidet und kränkelt sie an Ermattung und Erschlaffung; die Verwirrung und der Jndifferentismus greifen um sich, auch die heiligsten Institutionen und Humanitäts-Anstalten werden vernachlässigt, der Eifer, die Zirkulation im religiösen Organismus wird spärlich. Was Wunder, wenn ein solcher Körper seiner Zersetzung entgegengeht! Solche trübe Erscheinungen mit anderen Variationen sehen wir auch in anderen Gemeinden in Siebenbürgen. Ich will nur jetzt meine Ansichten in Betreff der p"o ^-Wirtschaft aussprechen, daß dieselbe für größere Gemeinden, nicht nur nicht zweckentsprechend, sondern hindernd und störend für das Gemeinwohl der Gemeinden ist. So sehen wir das Schalten und Walten eines p-tcn tonw in der jüd. Gem. Fogorosch. Ob zwar der vorige Rabbiner kein so treuer Glaubenswächter des traditionellen Judenthums war, aber solche grobe Verstöße gegen die weittragendsten religiösen Einrichtungen in einer Gemeinde, hütet sich selbst der resormsüchtigste Rabbiner auszuüben — einfach, weil er unter der Kontrolle und der Kritik der Ge- 1 meinde und der öffentlichen Meinung steht. Nicht so der pwo r^, er kann die krasseste Dummheit begehen, kann sich selbst gegen das Erhabenste ver-