Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 30-31 (15.4.1889)
- Date
- 1889-04-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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548 Städten erlaubt, während in den ung. Städten auch nur zu übernachten ihnen streng verboten war. In der Nähe der handelsreichen Stadt Bistritz waren mehrere ansehnliche jüd. Gemeinden. In O.-Badua, das einst eine blühende deutsche Stadt war, ist noch heute eine zahlreiche jüd. Gemeinde, deren Rabbiner Herr Samuel Diosi, ein allbekannter, hochgebildeter und gelehrter Mann ist. WLryely hatte vorher einen rumänischen Namen, Ulpia-Trajana. An der Stelle des jetzigen kleinen Ortes WLrhely soll die dazische Hauptstadt, die Kaiser Trajan im Jahre 105, als er den dazischen König Decebalus besiegt hatte, erbauete, gestanden haben. Vor 100 Jahren befand sich an genanntem Olcke noch eine zahlreiche jüd. Gemeinde, die eine schön gebaute und eingerichtete Synagoge und Gemeinde- Häuser hatte. Friedlich und im Wohlstände lebten sie unter den deutschen Einwohnern und erfreuten sich einen gewissen Wohlstand, so daß sie im Stande waren, Talmide-Chachamim zu ihren Rabbinen und Lehrern zu wählen. So war, wie ich vernommen, der Neffe des sel. Gaon Rabbi Meschulem Tisminitz, Oberrabbi zu Preßburg, dort Rabbinatsverweser. Das Andenken desselben, Rabbi Jehude Zelki Rosenfeld y$n, der im wahren Sinne des Wortes v'212 min p2->v war, wird noch heute gesegnet. Seine Kinder, und vorzüglich sein ältester Sohn, der Grundbesitzer Herr Michael Rosenseld in K.-Szeplak, seine Enkel und Urenkel, gehören noch heute zu den besten und vorzüglichsten Familien in Siebenbürgen, und es bewahrheitet sich an ihm, i"ii2' O'iL" 111 '2 — der letzte Rabbiner war dort der gegenwärtige Langenthaler Rabbiner Ab. Grünbaum. In Folge des rapiden Abnehmens der jüd. Einwohner, die sich nach den Jahren der Freiheit und Gleichheit 1848 und 49 in den naheliegenden Städten Dääs und Bistritz niederließen, wurden die Gemeindebauten nie renovirt und ausgebessert. Heute wohnt in genannter Kehille ein einziger Jude! Die große Synagoge steht öde und leer, der Zahn der Zeit hat das Seinige gethan, Thüren und Fenster wurden zertrümmert und da in nächster Nähe die Viehtränke ist, so lassen die Hirten im Sommer das Vieh im Schatten und im Innern der Synagoge lagern und ausruhen!nwn ipv in — So wie die Sonne dieser Gemeinde unterging, so strahlt die neue Schwestergemeinde Bistritz im vollen Lichte und Glanze empor. Mit jedem Tage entfaltet und entwickelt sich diese Gemeinde, die Mitglieder vermehren sich, und durch das intensive Emporblühen dieser deutschen Handelsstadt strömen jüd. Zuzügler aus der Nähe und Ferne dorthin; auch Frömmigkeit, mit Intelligenz gepaart, gehen Hand in Hand, um die Zukunft dieser Gemeinde freundlich zu gestalten. Die zweite jüd. Gemeinde im Rösner- Gau (die Umgegend von Bistritz) ist Pekendorf. Seit der Cultusminister die Matrikenführung in neue Bezirke eingetheilt, ist diese kleine Gemeinde lebensfähig geworden. Viele Ortschaften wurden ihr angeschloffen, und durch den Zuwachs von zahlenden Mitgliedern wurde sie in den Stand gesetzt, einen Rabbiner anzuftellen. Die Gemeinde, die schon vor Jahren eine nette Synagoge hatte, macht auch materielle Fortschritte und geht jetzt damit um, sich ein rituelles Bad und ein Gemeindehaus zu bauen. Die Gemeinde und Bezirk sonnen sich an den wahrhaft schönen und gottesfürchtigen Vorträgen des Herrn Rabbiners Keller, eines Neffen des bekannten Rabbi Hillel aus Kolomea, und die kleine row» entfaltet sich durch seine Pflege und unter seiner Aufsicht zu einer schönen Blume im Garten Gottes. Auch genießt der Rabbiner bei der Behörde Achtung und Anerkennung, da er bestrebt ist, die Rabbinatsagenden und Matrikenführung musterhaft auszuführen. Das kaum erblühte geistige Leben genannter kleinen Gemeinde, gleicht einer Vorhalle zum Innern des Palastes der angesehenen jüd. Gemeinde Sächsisch-Reen oder SzäszMtzgen, wie sie ungarisch genannt wird. In dieser schönen Stadt haben die Juden den regen Fleiß und Sinn für Handel, Industrie, Fabrikswesen von den dortigen Deutschen sich anzueignen verstanden. Durch ihr achtungs« werthes Verhalten schaffen sie sich in der Stadt eine würdige Stellung, so daß die angesehenen Juden zu Stadtrepräsentanten gewählt und bei jeder Gelegenheit von ihren nichtjüdischen Brüdern ausgezeichnet werden. — In Wahrheit gebührt ihnen diese Achtung und Anerkennung bei Juden und Nichtjuden! Der blühende Wohlstand hat sie nicht übermüthig gemacht, so daß sie nicht auf sich den Neid der Andersgläubigen ziehen, und wurde auch nicht durch bjd»i inr1 pten, die Gottespflanze wahrhaften und echten Judenthums erschüttert. Die Institutionen der Gemeinde sind vorzüglich. Es ist daher nicht nöthig, dieselben besonders zu erwähnen. Das Verdienst um sie gebührt dem Herrn Oberrabbiner Hillel Pollak, einem Schüler des Chatam Szofer; auf ihn und seinen Vetter Rabbi Hillel Lichtenftein soll der -©io Dnn gesagt haben: „Diese Geschwisterkinder, die gleiche Namen führen, sind □,6'6n EHip." Der Unterschied aber ist, daß Herr Oberrabbiner Hilel aus Szäsz-Regen, sich nicht vom strengen Feuereifer des Glaubens zu sehr hinreißen läßt, sondern mit Würde, mit liebevoller