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Der Israelit · 1889-04-11 · Heft 29 (11.4.1889) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 29 (11.4.1889)
Date
1889-04-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX. Jahrgang. Erste KrllllgeM^29üe8„IsraM^„Irschurun". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M Die uns vorliegende Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Realschule der Israel. Religions-Gesellschaft, Frankfurt am Main, bringt einen warmen Nachruf auf den Gründer und früheren Director der Anstalt, Herrn Rabbiner Samson Raphael Hirsch >37. Unter Auderm wird in demselben berichtet, wie man von gegnerischer Seite der Eröffnung der Schule Schwierigkeiten in den Weg stellte. An demselben Tage, an welchem die Schule, dank der Opferwilligkeit der damals noch kleinen Gemeinde, auf Grundlage des vom Senate der damaligen freien Stadt Frankfurt genehmigten specifizirten Lehrplans eröffnet werden konnte, wurde mit dem „Frankfurter Journal" ein anonymes umfangreiches Pamphlet ausgegeben, in welchem den christlichen und israelitischen Mitbürgern die Augen geöffnet werden sollten über das angeblich kulturfeindliche Unternehmen des Herrn Hirsch, und mit unglaublichem blindwüthigem Fanatismus das gesetzestreue Judenthum dem Spott und Verachtung preiszugeben versucht wurde. Dazu waren in nicht eben loyaler Weise aus dem Zusammenhang gerissene Stellen aus den im „Chaurew" enthaltenen Auszügen aus dem „Schulchan Aruch" über Sabbat und Speisegese benutzt worden, um die Eltern im Namen der Civilisation und des Fortschrittes, um des Wohles ihrer Kinder willen, eindringlichst davor zu warnen, diesem Herrn Hirsch, dem Verfasser des „Ehaurew", ihre Kinder anzuvertrauen. Der Verewigte erwiderte darauf umgehend vor demselben Forum der Oeffentlichkeit, im „Jntelligenzblatt" vom 3. April 1853. Die Entgegnung ist wörtlich angeführt und enthält in aller Kürze das Programm des Verewigten, welches sich in der Folge so glänzend bewährt und die Anstalt zur höchsten Blüthe gestaltet hat. Die Einladungsschrift enthält einen ausführlichen Lehrplan für den französischen Unterricht. Die Realschule wurde von 217, die Vorschule von 97 Schülern und die Mädchenschule von 193 Schülerinnen besucht. 20 Schüler erhielten das Zeugniß für den einjährig freiwilligen Militärdienst, 3 Abiturienten empfingen das Zeugniß der Reife. Frankreich. Paris. Herr Leon Moise hat dem isr.Wohlthätigkeitscomits ein Haus im Werthe von 60,000Frcs. vermacht, in welchem 24 Frauen im Alter von 60 Jahren und darüber freie Wohnung erhalten sollen. Central-Asien. Mexico. Hier hat ein jüdisches Blatt in spanischer Sprache „El Sabado Secreto (Der Me Sabbat)" zu erscheinen begonnen und fungirt als dessen Redacteur, Herr Elias Abarbanel y David. In der Stadt und in der ganzen Republik Mexico wohnen zwar wenig Juden, das Blatt darf aber auf einen großen Leserkreis im Süden der Vereinigten Staaten, ferner in den Republiken Central- und Südamerikas, wo langsam jüdische Gemeinden zu entstehen beginnen, rechnen. Mittel-Asien. Bokhara, im März. Wir befinden uns seit einigen Wochen schon in steter Angst und Furcht. Der Eniir von Afghanistan, Abdurrahmen Khan, ist mit einer großen Armee in Balkh, der zweitgrößten Stadt seines Reiches, die aber schon nahe der bokharischen Grenz liegt — sie wird von derselben nur durch den Amu-Darja geschieden — eingetroffen, um, wie er angibt, über seine widerspänstigen Unterhalten dort Gericht zu halten. Die Russen jedoch behaupten, der Emir plane einen Angriff auf die Stadt Merw und ziehen in der Nähe derselben Truppen und Geschütze zusammen. In Folge dessen stockt jetzt hier der Handel mit Rußland, resp. mit Europa, da Niemand wagt, Maaren dorthin zu senden oder von dort her zu beziehen. In der vom Emir Abdurrahman befehligten Armee befinden sich keine Juden, da sowohl hier in Bokhara, wie auch in Afghanistan und Persien die Juden vom Militärdienste ausgeschlossen sind. In letzterem Lande brauchen die Juden nicht einmal eine Kriegssteuer zu zahlen, weil sie zu arm sind, um auch noch eine solche Abgabe entrichten zu können. Emir Abdurrahman ist als Judenfreund bekannt und als er in Samarkand als Verbannter lebte, ließ er sich — der Emir leidet an gefrorenen Füßen, die ihm das Gehen sehr verleiden — eine lange Zeit hindurch von einem jüdisch-russischen Arzte behandeln.

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