Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 29 (11.4.1889)
- Date
- 1889-04-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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580 setzte, auch den geschätzten Lesern mittheilen will. Unter der Spitzmarke „Wie Juda Politik treibt!" wirst mir das Organ des Herrn Oswald Zimmermann vor, ich hätte aus Concurrenzneid gegen die Alliance meinen eventuellen gesellschaftlichen Einfluß auf den persischen Gesunden zu Gunsten der persischen Juden angeboten und nur beabsichtigt, die Eingebornen jenes Landes, wie schon einmal geschehen, an den Galgen zu bringen. Die Humoreske schließt mit den Worten: „vr. Adolf Blumenthal in Berlin, Krausnickstraße 1 wohnhaft, der ständige „Bl."-Correspondent der obengenannten Zeitung, nimmt überhaupt den Mund etwas voll, wobei er seinen Freund Br. Hirsch Hildeshe imer im Schimpfen womöglich noch übertrifft, Br. Blumenthal war es auch, der kürzlich, gelegentlich des Prozesses Bernstein im „Israelit" und „Jeschurun", eine Million als Preis für Denjenigen ausbot, der Nachweise, daß Christenblut in dem Rituell der Juden überhaupt jemals eine Rolle gespielt habe. Herr Dr. Blumenthal, von dem die nächsten Bekannten bisher noch nicht wußten, daß er im Besitze eines so bedeutenden Vermögens sei, vergißt hinzuzufügen, wo er das Geld deponirt hat; ein Rohling, ein Ecker würden gewiß nicht verfehlen, ihre Ansprüche auf die Million geltend zu machen und dann dieselbe „einheimsen.) Daß meine antisemitischen Freunde die Million recht gut gebrauchen könnten, läßt sich nicht längnen; diese dummen Prozesse wegen Beschimpfung der jüdischen Religion (vgl. Luxemburg) kosten aber auch wirklich unnützes Geld und leeren die ohnedieß schon leeren Taschen der Herren vollends. Meine Taschen zu revidiren, ist nicht hübsch; wie kann man aber auch so entsetzlich neugierig sein! Zur Beruhigung meiner germanischen Freunde will ich indeß hinzufügen, daß meine Finanzen doch vielleicht ausreichen würden, um allenfalls noch etliche Dutzend armer Teufel von antisemitischen Scribenten vor dem Verhungern zu schützen; es soll mir eine aufrichtige Freude sein, eventuellen Falles meinen Beutel zur Verfügung stellen zu dürfen. Anzugeben, wo ich die Million deponirt habe, das habe ich mit gutem Grunde unterlassen; man kann wirklich heutzutage bei der allgemeinen Unsicherheit des Eigenthums vor Diebesgesellschasten nicht vorsichtig genug sein, aber Herr Rohling kann sich ja das Geld verdienen; vor allen Dingen erst den „rituellen Mord" und dann die Million! Vielleicht gibt dann der glückliche Löser des Pieisräthsels seinen Gesinnungsgenossen von dem vielen Gelde etwas ab, dann braucht nicht mehr gehungert und geschimpft zu werden, dann gibt es Braten und Champagner, die Judenfrage löst sich in Wollust auf und — das Vaterland ist gerettet! Bl. Berlin, 7. April. Dr. David Mannheimer, Zögling des hies. Rabbiner-Seminars, geht am 1. Mai nach Karlsruhe an ein zur Entlastung des Herrn Rabb. Dr. Schiffer neu zu kreirendes Stiftsrabbinat der dortigen strenggläubigen Gemeinde. Dr. Mannheimer, durch einige homiletische Aufsätze auch den Lesern dss. Blattes bekannt, hat sich hier durch die kraftvolle Leitung des aus jungen Kaufleuten und Studirenden bestehenden „Montefiorevereins" treffliche Verdienste erworben. Mögen die Sympathien, die er sich hier errungen, ihm auch in seiner neuen Stellung blühen. — Als Zeichen des neuerwachten religiösen Interesses in der Stadt der Intelligenz, möchten wir auch die Vereinigungen von älteren Kaufleuten erwähnen, welche wöchentlich mehrere Mal unter trefflicher Leitung zum Studium der Gesetzesquellen zusammenkommen. Ein solcher Männerbund hat sich schon vor mehreren Jahren innerhalb der Adaß-Jisroel gebildet, und der als ausgezeichneter Talmudist wie ehrlicher Jehudi bekannte Herr M. B r o h , dem Rabb. Dr. Hildesheimer erst jüngst von der Kanzel herab eine begeisterte Lobrede hielt, hat diese Vereinigung zu kräftigem Erblühen gefördert. Möge diese Art Bethäügung des Thorastudiums in anderen Gemeinden Nachahmung finden! — Bekanntlich wurde vor einiger Zeit der wegen Majestätsbeleidigung angeklagte Rabb. Dr. Wiener in Oppeln sreigesprochen. Die vom Staatsanwalt eingelegte Reoission hat das Reichsgericht gestern verworfen. Frankreich. Paris. Der Jahresbericht der „Alliance Jsraelite" pro 1888 verzeichnet die Einnahmen mit 744078 Frcs. und die Ausgaben mit 602094 Frcs., darunter 522,136 Frcs. für Unterrichtszwecke. Baron v. Hirsch hatte während des Jahres 400,000 Frcs. geschenkt. England. London. Die verstorbene Miß Anna Maria Goldsmidt hat verschiedenen jüdischen Anstalten 5670 L. vermacht. Afrika. Tunis. Der Direktor der hiesigen Allianceschule, Herr M. Ca z e s, ist soeben mit einem historischen Werke „Geschichte der Juden in Tunis" in französischer Sprache vor die Oeffentlichkeit getreten, die aus den Beifall der gelehrten Welt rechnen darf. Der Verfasser erzählt uns hier in schlichten Worten die Leidensgeschichte der Juden in Tunis seit ihrer Einwanderung daselbst bis auf den heutigen Tag. Das Buch hat Aussicht, eine Lieblingslektüre der Juden in Nordafrika, welche die Gemeinde in Tunis stets hoch hielten, zu werden. flUttÜtfi *